Wochenbericht 13 (KW 41)

vom 11.10.2021 bis zum 17.10.2021

Wahnsinn! Wir sind nun schon 3 ganze Monate unterwegs oder anders gesagt, ein Viertel Jahr! Im heutigen Wochenbericht lest ihr, was wir in dieser Woche wieder so alles erlebt haben. Wenn ihr unsere Wochenberichte lest, dann seid doch so lieb und schickt uns eine Email unter info(at)segel-gesetzt.de oder schreibt uns eine WhatsApp-Nachricht. Und erzählt uns, ob sie euch gefallen und wie regelmäßig ihr sie lest. Außerdem könnt ihr in diesem Zusammenhang eure Fragen stellen, die euch schon die ganze Zeit unter den Nägeln brennen oder uns erzählen wann und wo ihr unsere Wochenberichte lest. Nun aber viel Spaß beim Lesen!

Montag, 11.10.2021 – Melanie ist bereits um 8 Uhr wach, holt sich den Rechner ins Bett und schreibt den Wochenbericht der vergangenen Woche. Gestern, mit den Nalas, ist es mal wieder spät geworden. Aber so viel Flexibilität gönnen wir uns mit der Weile, besonders wenn wir so nette Gesellschaft haben. Nach einem späten Frühstück fahren wir mit dem Dinghy an den Strand von Sanxenxo. Hier lässt es sich hervorragend aus dem Wasser ziehen. Wir schlendern durch den Ort und begutachten den Hafen. Beim Yachtausrüster kaufen wir zwei Kleinigkeiten und bestellen einen neuen Step-Fender (das ist so eine Art luftgefüllte Leiter), denn unser alter, der noch gar nicht so alt war, ist leider oben komplett eingerissen. Melanie hat ihn gestern noch behelfsmäßig mit einem Tau umwickelt und die Enden in die Befestigung mit eingeknotet, damit niemand von uns beim Aussteigen aus dem Dinghy plötzlich den Abgang macht. Das hält zwar, ist aber definitiv keine Dauerlösung. Somit muss adäquater Ersatz her. Der Geschäftsinhaber berät uns gut und bestellt den Fender für uns, da er ihn leider nicht vorrätig hat. Mittwoch können wir ihn abholen, denn morgen ist hier Feiertag. Nachdem das erledigt ist, suchen wir uns ein nettes Plätzchen in einem Café und essen ein großes, leckeres Eis. Am Strand wartet unser Dinghy artig auf uns. Auf dem Rückweg halten wir noch kurz bei der Nala an und bitten um Unterstützung. Es ist komplett windstill und somit sind es ideale Bedingungen, um das Genuafall zu tauschen. Dabei könnten wir allerdings noch zwei bis vier Hände gebrauchen. Von der Nala-Crew erhalten wir auch diese Hilfe umgehend. Der Tausch des Genuafalls ist so schnell erledigt, aber in diesem Zusammenhang wird auch gleich das Klemmen-Gehäuse des Klemmblocks getauscht, denn das alte war eingerissen. Die Theorie sieht folgendermaßen aus: drei Schrauben lösen, Bolzen rausziehen, alte Seitenteile abnehmen, neue Seitenteile ansetzen, Bolzen wieder rein, Schrauben festziehen. Also alles ganz easy und schnell. Leider sieht die Praxis bei solchen Arbeiten an Bord meistens etwas anders aus. So auch diesmal, denn der Mittelsteg hatte sich wohl verschoben oder verzogen. Doch mit tatkräftiger Unterstützung, guten Ideen, umfangreichen Werkzeug und viel Geduld konnte auch dieses Problem gelöst werden. Nur schnell ging es natürlich mal wieder nicht. Doch nach getaner Arbeit darf man sich auch belohnen. Und so verabreden wir uns mit der Nala-Crew zum Tauchen und Schnorcheln. Gemeinsam fahren wir mit den Dinghys an den Strand, bepackt bis zur Oberkante mit Tauchequipment. Markus bespricht mit allen die notwendige Theorie, bevor er sich mit einen der beiden Nala-Jungs zum Schnuppertauchen begibt. Manuela und Melanie schnorcheln begeistert. Sie sehen viele große und kleine Fische, tollen Algenbewuchs an den Steinen und entdecken sogar einen Tintenfisch. Als Markus mit Theo aus dem Wasser kommt, sieht man an Theos breitem Grinsen, dass es ihm auch so richtig gut gefallen hat. Danach verstauen wir wieder alles in den Dinghys und fahren zurück zu eMMa. Dort laden wir alles aus und verabschieden uns für heute von den Nalas. Erschrocken stellen wir fest, dass wir jetzt noch eine 3/4 Stunde Zeit zum aufräumen und duschen haben, denn dann sind wir zum

Videocall mit der Charlie-Crew verabredet. Es ist so schön mal wieder mit den beiden ausgiebig zu quatschen, auch die Biskayaüberquerung noch einmal Revue passieren zu lassen und die letzten Wochen zu reflektieren, besonders auch die seglerischen Leistungen. Wir danken euch sehr dafür!

Dienstag, 12.10.2021 – Heute ist hier Nationalfeiertag. Das sieht man besonders am Strand, der sich bereits in den Mittagsstunden kräftig füllt. Wir bleiben deshalb heute an Bord und lassen es ganz ruhig angehen. Markus spült die Tauchsachen aus und lässt sie trocknen. Melanie kocht heute eine Reis-Hähnchen-Gemüse-Pfanne und genießt es, für das Zubereiten einfach Zeit zu haben. Auch wenn das Abendessen für heute ja schon fest steht, wirft Markus die Angel aus. Irgendwann ruft er Melanie dazu und beide stehen kopfschüttelnd und ungläubig, aber auch sehr amüsiert an der Reling. Es ist ein ganzer Schwarm großer Fische zu sehen, die interessiert an Markus Angel schnuppern. Er kann sogar mit ihnen „Gassi gehen“, denn sie folgen der Angel in jede Richtung. Als er die Angel dann aus dem Wasser hebt, hängt aber kein einziger Fisch daran. Jedoch haben sie doch tatsächlich den Köderfisch aus Silikon bis auf den Haken abgefressen! Den Haken haben sie schön hängen gelassen. Wenn wir nicht besser wüssten, dass Fische keine Hände haben, würden wir schwören, dass sie ihm den Mittelfinger gezeigt haben.

Mittwoch, 13.10.2021 – Heute kommen wir irgendwie einfach nicht aus dem Bett. Da wir aber bereits im Mittag verabredet sind, fällt das Frühstück bei uns aus. Wir machen uns fertig und fahren, bepackt mit unserer Mülltüte, an den Strand. Das Anlanden mit dem Dinghy funktioniert immer besser. Auf dem Weg zum Hafen entsorgen wir unseren Müll in einer großen Mülltonne. Beim Yachtausrüster holen wir den bestellten Step-Fender ab und treffen uns mit den Crews der Nala, Ariba und Tut Tut. Die Gaudi ist bereits auf dem Weg nach Vigo. Wir anderen gehen jetzt noch ein letztes Mal gemeinsam essen. Die Tut Tut steht nun für die nächsten Wochen an Land, denn es muss eine größere Reparatur durchgeführt werden, somit werden sich unsere Wege heute leider trennen. Der Tut Tut, der Ariba und der Nala könnt ihr übrigens auch auf Instagram folgen unter adventures.of.tuttut , hafenkino.blog und nala_familie . Schaut da mal rein, es lohnt sich!

Wir landen also mit 12 Personen in einer Tapas-Bar. Das Essen hier ist deutlich teuer als zum Beispiel in Boiro, aber es schmeckt alles wirklich gut. Markus nimmt Tortilla mit Corizo und Brokkoli, Melanie die Tortilla nach Großmutters Art, also klassisch. Beides ist sehr zu empfehlen. Die beiden kleinen Kinder müssen natürlich dabei auch beschäftigt und bespaßt werden und so spielen wir natürlich fleißig bei „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ mit. Nach dem Essen heißt es dann vor der Tür Abschied nehmen. Die Tut Tuts werden uns sehr fehlen! Aber wir sind uns sicher, wir werden uns wiedersehen! Von den Nalas und Aribas verabschieden wir uns nur mit einem „bis später“, denn wir verlegen heute alle in eine neue Ankerbucht weiter südlich.

Zurück an Bord machen wir uns ablegefertig und holen den Anker hoch. Der Wind reicht lediglich um für ein kurzes Stück das Vorsegel mit dazu zu nehmen. Der Motor macht jedoch auch in dieser Zeit die Hauptarbeit. Aber das ist nicht so schlimm, denn unsere Batterien können etwas Ladung vertragen. Die Ariba ist uns knapp 2 sm voraus und die Nala folgt uns 2 Stunden später. Und schon liegen wir beim Sonnenuntergang wieder (fast) alle in derselben Bucht vor Anker in der Rîa de Aldán.

Donnerstag, 14.10.2021 – Wir entwickeln uns langsam zu richtigen Spätaufstehern. Gar nicht, weil wir so ewig lange schlafen, sondern eher, weil es im Bett noch so kuschelig und gemütlich ist. Die Nächte sind jetzt schon deutlich kühler geworden. Meistens liegen die Temperaturen nachts bei etwa 12° C. Erst ab ca. 11 Uhr hat die Luft dann ungefähr 18°C und im Laufe des Tages steigt das Thermometer fast immer auf 22 – 24°C.

So frühstücken wir oft erst spät, da wir dabei gerne draußen im Cockpit sitzen. Nach dem Frühstück geht es für uns heute zunächst zur Nala rüber. Der Jüngere der beiden Brüder hat für den Englischunterricht eine CD-rom, ihm fehlt aber ein passendes Laufwerk dafür. Da können wir aushelfen, was die Mutter freut, das Kind wahrscheinlich eher weniger. Nach einer halben Stunde sind alle benötigten Dateien auf der Festplatte gespeichert und abrufbereit. Natürlich sind Wetter, Routenplanung und das Landausflugsprogramm ebenfalls Gesprächsstoff. Danach fahren wir mit dem Dinghy noch auf einen Schwatz rüber zur Ariba. Ihr seht, dass Dinghy ist nicht nur Transportmittel, um an Land zu kommen oder Einkäufe zu transportieren, sondern auch Kommunikationsmittel. Zurück an Bord wartet etwas Arbeit auf uns. So müssen alle Rollen geölt und gefettet werden. Der festsitzende Haken des Spibaums wird wieder gängig gemacht. So flutschte er noch nie und ist nun endlich wieder richtig funktionstüchtig. Auch am mobilen Spibaum werden die Haken gefettet, denn das Salzwasser sorgt sonst dafür, dass sich irgendwann gar nichts mehr bewegt. An der Ankerkralle muss der Bolzen gedreht werden, was deutlich besser klappt, als beim letzten Mal. Danach haben wir uns eine Stärkung verdient. Nach dem Essen räumt Markus die Steuerbordkabine auf, damit wir auch die Gangway, die wir im Moment sowieso nicht brauchen, dort verstauen können. So ist nun, wenn das Dinghy im Wasser ist, auch das Vorschiff komplett frei. Melanie begibt sich für Säuberungs- und Wartungsarbeiten in den Motorraum. Wir sind heute also wirklich fleißig. Nach getaner Arbeit will sie sich gerade mit ihrem Reisetagebuch ins Cockpit setzen, als Delfine gesichtet werden. Die nächsten zwei Stunden kommen wir zu nichts. Eine Schule mit Delfinen jagt, spielt und tobt hier direkt vor und zwischen den Booten und dem Strand. Wir zählen 17 bis 20 Tiere, auch ein ganz kleiner Delfin, dicht von einem erwachsenen Tier begleitet, ist dabei. Wir können uns gar nicht satt sehen. Erst die abendliche Kühle sorgt dafür, dass wir unseren Beobachtungsposten verlassen.

Freitag, 15.10.2021 – Melanie beginnt den Morgen heute mit Yogaübungen an Deck. So wird der Sonnengruß ein richtiger Sonnengruß und der Kopf wird frei. Frei, auch um noch einmal über das Erlebnis mit den Delfinen gestern nachzudenken. Wann haben wir das letzte Mal etwas so intensiv beobachtet? Ohne sich selbst zurecht zu weisen, was das gerade für eine „Zeitverschwendung“ ist oder daran zu denken, was alles auf den nie endenden To-Do-Listen steht? Sind es nicht gerade solche Erlebnisse in der Natur, Ruhe und Gelassenheit, das Loslassen können und einfach nur Genießen, was die Seele gesund machen kann? Schön, dass wir das alles nun kennenlernen, auch wenn wir es erst ganz langsam lernen zu genießen.

Heute haben wir uns zu einer Wanderung mit den Aribas und den Nalas verabredet. Wir fahren mit den Dinghys an den Strand, ziehen sie dort hoch und schließen sie aneinander. Dann wandern wir los. Markus hat eine Route in der Offlinekarte festgelegt. Zunächst geht es durch den kleinen Ort hier, der bereits einige Höhenmeter für uns zu bieten hat. Danach folgen wir einen uralten Steinpfad den Berg hinauf. Auf den Steinen sehen wir die Hufspuren von Maultieren, der Weg ist von einer typischen Steinmauer begrenzt und in den Zwischenräumen finden sich immer wieder Herbstzeitlose. Bis auf 180 m über den Meeresspiegel geht es hinauf durch den Wald, vorbei an riesigen Felsbrocken. Hier stehen Bäume, die bestimmt 30 Meter hoch sind. Es ist anstrengend, aber auch wunderschön. Als wir den Gipfel fast erreicht haben, führt uns der Weg zunächst wieder bergab. Wir überqueren eine gut ausgebaute Straße und folgen gegenüber einen kleinen schmalen Trampelpfad, der aber in einen Wanderweg mündet. Es geht weiter Hang abwärts. Unmengen an Esskastanien sind hier zu finden, aber keiner aus unserer 8er-Gruppe mag diese wirklich und so lassen wir sie liegen. Es geht weiter durch den Wald, der plötzlich in einen Bambuswald übergeht und stellenweise einen richtigen Bambustunnel bildet. Wir laufen über eine uralte, kleine Steinbrücke und aufgegebene Rebfelder entlang bis wir die ersten Häuser eines kleinen Dorfes erreichen. Ab hier geht es für uns noch einmal bergauf, quer durch Weinberge mit uralten und neuen Rebstöcken, Apfel-, Mandarinen- und Orangenbäumen und riesigen Kakteen mit reifen Kaktusfeigen. Die Wege sind übersät von riesigen Schlaglöchern und groben Steinplatten. Melanie ist einen Moment unachtsam, knickt an einer solchen Kante um und landet auf allen Vieren. Das Handy, als Fotoapparat genutzt, landet auf dem Display. Das Panzerglas hat dicke Kratzer abbekommen, genau wie Melanies Hände und Knie Schürfwunden. Sonst ist zum Glück nichts schlimmeres passiert. Auf unserem weiteren Weg sehen wir uralte Häuserruinen von 1780, genauso wie hypermoderne Bauten aus Glas und Beton. Ein Haus ist halbrund gebaut, ein anderes hat eine Glaskuppel, die stark an den deutschen Bundestag erinnert. Natürlich haben viele Häuser hier einen Swimmingpool. Unser Ausflugsziel erreichen wir am nächsten Bergrücken. Uns erwartet ein grandioser Ausblick auf die Isla de Cies, auf die Einfahrt in die Rías de Vigo und auf den offenen Atlantik, der sich heute sehr diesig zeigt. Dabei scheint die Sonne die ganze Zeit vom Himmel. An einem Felsen mit dieser fantastischen Aussicht packen wir alle unsere Rucksäcke aus und veranstalten ein Picknick. Natürlich machen wir die obligatorischen Fotos, Selfies und Videos und begeben uns dann wieder auf den Rückweg. Bis auf einen kleinen Abstecher zu einem weiteren Aussichtspunkt, folgen wir demselben Weg zurück, da alle Alternativen deutlich länger dauern würden. Am höchsten Punkt der Strecke, war das hier auf dem Hinweg auch schon so steil?, klettern drei von uns noch bis auf den riesigen Felsen der dort liegt, während alle anderen einfach eine weitere Picknickspause einlegen. Auch wenn die 10 km natürlich anstrengend waren, uns hat der Ausflug richtig gut gefallen. Wieder in dem kleinen Ort etwas oberhalb „unserer“ Bucht, kaufen wir bei dem winzigen Supermarkt noch „ein paar Kleinigkeiten“, was dazu führt, dass wir alle danach nicht nur ein Eis auf der Hand haben, sondern auch die Rucksäcke alle wieder prall gefüllt sind. Aber das Eis haben wir uns heute auch wirklich verdient! Zurück an Bord backen wir heute Pizza, die übrigens richtig lecker geworden ist und lassen den Abend bei einem Glas Wein zu zweit im Cockpit sitzend ausklingen.

Samstag, 16.10.2021 – Heute regnet es. Somit verlegt Melanie ihre Yogaübungen unter Deck. Nach dem Frühstück sind wir zu einem Videocall mit Markus Mutter Rita und ihrem Mann Klaus verabredet. Wir erzählen von unserer Reise, sie erzählen von zuhause und wir reden mit ihnen über alles Mögliche. Und schwupp, ist es bereits eine Stunde später. Wir sind uns auf jeden Fall einig, mit deren Wetter möchten wir definitiv nicht tauschen! Trotz des Schlechtwetters heute kommen wir auf 18° C! Und unter unserer Kuchenbude wird herrlich trocken gesessen, gelesen, entspannt und den eigenen Gedanken nachgehangen. Zum Essen gibt es heute Nudelsalat mit Bockwürstchen, aber erst nach getaner Arbeit. Heute steht die WC Pumpe des Steuerbord-Bad auf dem Programm. Markus baut die alte Pumpe aus und unsere Ersatzpumpe wieder ein.  Und Melanie fängt schon mal an den Wochenbericht zu schreiben.

Sonntag, 17.10.2021 – Melanie beginnt den Tag wieder mit Yoga auf dem Vorschiff, denn es ist im Moment trocken und sogar die Sonne lässt sich blicken. Frühstücken, Wetterdaten checken und den Tag planen. Da kommt Manuela von der Nala mit dem SUP vorbei und fragt, ob wir heute Abend zum Spieleabend rüber kommen. Da sagen wir nicht Nein. Markus packt sich mittags in seinen Neoprenanzug, schnappt sich Taucherflossen, Taucherbrille und Schnorchel und geht eine große Runde schwimmen und schnorcheln. Melanie ist heute nicht besonders gut drauf. Sie lässt den Tag ganz ruhig angehen, telefoniert mit ihrer Schwester und mit Andrea und Jürgen, quatscht mit einem der Nala-Jungs, lädt unserer Fotos von den Handys herunter auf die Festplatte und liest ein wenig. Als Markus aus dem Wasser kommt ankern wir noch mal um. Durch den Winddreher und die Zunahme des Windes liegen wir sehr dicht an der Nala ran. Unser Anker hält gut und in der letzten Nacht hat es auch gut gepasst, aber Melanie schläft mit etwas mehr Abstand dann doch deutlich besser und entspannter. Die Wolken hängen nun tief über den Bergen und schieben sich immer weiter vorwärts. Schon bald beginnt es ganz fein, aber stetig zu nieseln. Unter der Kuchenbude sitzend verspeisen wir die Reste des Nudelsalats von gestern. Er war ja sowieso für zwei Tage geplant. Zeitweise schüttet es dann auch kräftig. Hoffentlich macht der Regen gleich eine kleine Pause, damit wir zum Spieleabend einigermaßen trocken ankommen.

Wochenbericht 12 (KW 40)

vom 04.10.2021 bis zum 10.10.2021

Montag, 04.10.2021 – Wir verlegen heute morgen eMMa noch einmal etwas näher an den Hafen. Das ist in der Bucht gut möglich. Und so liegt eMMa dann bereits zum Frühstück neben der Kaimauer von Muros. Wir lassen das Dinghy zu Wasser und fahren in den Hafen zur Tut Tut. Markus nutzt die Zeit zum Einkaufen, Melanie möchte mit Jenny quatschen und unterstützt sie in der Zwischenzeit mit den beiden kleinen Kindern. Auch die Crew der Gaudi ist vor Ort. Als Markus vom Einkaufen kommt, sitzen die Männer innerhalb von kürzester Zeit auf der Gaudi und suchen das Problem deren Ankerwinsch – und finden es auch. Jenny und Melanie schlichten in der Zwischenzeit die Streitigkeiten zweier Dreijähriger und beschäftigen die Kleine. Markus und Melanie fahren im Mittag wieder zurück zur eMMa. Wir mögen die beiden Crews sehr und haben großen Respekt davor, dass sie mit den kleinen Kindern auf Reisen gehen. Denn Eltern sein ist so schon ein 24/7 Job, aber an Bord eines Segelbootes, ohne KiTa und Großeltern, ist es eine Dauerbeschäftigung ohne Pause. Wir unterstützen da immer mal wieder gerne, sind aber auch sehr froh, dass wir dann irgendwann auch wieder gehen dürfen.

Kaum sind wir zurück an Bord, beginnt es zu regnen. So machen wir zwei es uns unter Deck gemütlich, arbeiten etwas vor uns hin und lassen den Tag dann ruhig ausklingen.

Dienstag, 05.10.2021 – Die Sonne scheint und bei uns ist heute Waschtag. Also fahren wir mit dem Dinghy an die Kaimauer, bepackt mit einer großen Tasche voller Dreckwäsche. Hier im Waschsalon gibt es nur große Maschinen und so reicht uns sogar eine Maschine aus um alles zu waschen. Die Laufzeit nutzen wir für einen Bummel durch die Stadt und über den Markt. Bei der Post kaufen wir eine Briefmarke für die Postkarte für Oma Christel. Die Karte hatten wir bereits in Santiago de Compostela gekauft. In der Post treffen wir Jenny mit der Kleinen. Gemeinsam laufen wir zur Kaimauer zurück, wo sich auch ein Spielplatz befindet. Und dort tummelt sich der Rest der Gaudis und Tut Tuts. Wir quatschen noch ein wenig und fahren dann mit unserer Wäsche zurück zur eMMa. Markus hängt die Wäsche auf, während Melanie ihren Online-Kurs hält. Zudem besorgt er im Ort noch ein Ersatzteil, was wir dringend brauchten. Und er bekommt es sogar zu einem erstaunlich günstigen Preis. Am Abend essen wir Möhreneintopf und fahren anschließend zur Nala rüber, die mit der Weile ebenfalls, genauso wie die Ariba, hier in der Bucht vor Anker liegt. So endet der Tag mit einer lustigen, ausgelassenen Runde Dogs.

Mittwoch, 06.10.2021 – Heute kommen wir mal wieder nicht besonders gut aus dem Bett. Das Dinghy hatten wir bereits gestern Abend verstaut, weil wir heute weiter fahren wollen. So frühstücken wir, räumen noch etwas auf und sind fast mit allem fertig fürs Losfahren, da klopft es an der Bordwand. Die Coast Patrol kommt zur Kontrolle der Papiere. Zwei der Männer kommen zu uns an Bord, der dritte bleibt im Schlauchboot sitzen und wartet. Wir legen unsere Schiffspapiere vor, zeigen unsere Reisepässe und müssen ein paar wenige Fragen beantworten. Der eine Beamte spricht relativ gut Englisch und so gibt es auch keine Verständigungsschwierigkeiten. Zum Abschluss erhalten wir dann noch die Kopie seines Zettels, den er fleißig ausgefüllt hat. Den können wir vorzeigen, sollten wir in Spanien ein weiteres Mal kontrolliert werden. Sie verabschieden sich ganz höflich und düsen dann rüber zur Nala. Wir bereiten die letzten Handgriffe vor und gehen anschließend Anker auf. Auch die Nala und die Ariba lichten ihre Anker und es geht im kleinen Konvoi raus aus der Bucht. Zwar setzen wir die Segel, aber der Wind ist heute zu schwach, so dass der Motor die ganze Zeit unterstützen muss. Wir fahren den Canal de Sagres entlang. Das ist eine schmale Durchfahrt zwischen vielen Felsen. Heute ist das Wetter ruhig, trotzdem brechen sich die Atlantikwellen an den Felsen. Aber die Durchfahrt ist hier gut möglich, wenn auch spannend. Nach der Durchfahrt kommt sogar für eine Dreiviertelstunde richtiger Segelwind auf. Das freut den Skipper und versöhnt ihn mit der Motorfahrt der vergangenen Stunden. Eigentlich wollen wir in der Bucht an der Isla de Arosa ankern, aber die Bucht stellt sich leider als völlig ungeeignet heraus. Denn die ganze Bucht ist mit Moringtonnen unterschiedlicher Größe ausgelegt. Kleine für die Angel- und Motorboote und riesige für die Fischkutter. Dazwischen ist kein Platz zum Ankern und so fahren wir wieder durch die Muschelbänke hinaus. Unsere nächste Wahl fällt auf die Bucht von Boiro. Und diese Wahl erweist sich hervorragend. Hier ist es ruhig und geschützt. Der Ankergrund ist super und es gibt einen tollen Sandstrand. Markus schlägt vor, dass wir heute Abend essen gehen. Sehr gerne! So machen wir uns mit dem Dinghy auf den Weg zum Stand, landen dort an, ziehen das Dinghy höher an den Strand und laufen in den Ort. Markus hat auf der Offlinekarte gesehen, dass es in der Straße, durch die wir laufen, gleich mehrere Restaurants geben soll. Leider haben alle heute geschlossen. Auch das Restaurant unten in Strandnähe ist komplett dunkel, aber hier hängt der QR-Code für die Speisekarte draußen. Auf der Homepage finden wir auch Angaben zu den Küchenöffnungszeiten. Sie öffnet erst ab 21 Uhr, also in einer halben Stunde. Wir vertreiben uns die Zeit am Strand, aber auch als wir zurückkommen, ist alles komplett dunkel. Ziemlich frustriert und mit knurrendem Magen, kehren wir zum Dinghy an den Strand zurück. Das Wasser ist noch weiter gefallen und so tragen wir unser Beiboot zum Wasser, starten den Motor und fahren los. Jedoch kommen wir nicht weit. Eine Sandbank hindert uns an der Weiterfahrt. Da hilft nur ziehen! Das heißt für Melanie aber Schuhe, Socken und Hose ausziehen, denn ihre Hosenbeine sind zu eng zum Hochkrempeln. Gut, dass es dunkel ist! Und wir hoffen mal, dass auch das Fluchen niemand gehört hat. Nach etwa der Hälfte der Strecke zur eMMa, ist es dann endlich tief genug zum Fahren. Wir kochen rasch ein paar Nudeln und öffnen eine Dose Gulasch.

Donnerstag, 07.10.2021 – Wir schlafen lange und frühstücken ganz in Ruhe im Cockpit. Die Sonne schein, es ist fast kein Wind und das Wasser ist total glatt. Hier kommt nicht einmal Schwell vom Atlantik hin. Markus überlegt sich rasch mal eben die verrosteten Splinte am Achterstag zu tauschen. Leider ist das nicht „mal eben“ zu machen, da der Splint im Bolzen fest gerottet ist. Also Achterstag lösen, Splint abbrechen, überstehende Ecken abfeilen, Bolzen raus, Splintreste aufbohren, Bohrer abbrechen, neuer Bohrer, weiter bohren, Bolzen wieder rein, neuen Splint (diesmal aus Edelstahl) einsetzen, Achterstag wieder spannen – eine Seite fertig, 2 Stunden Arbeit! Melanie hilft immer dann, wenn weine weitere Hand benötigt wird und bereitet parallel ihre nächsten Unterrichtseinheiten vor. Am Nachmittag ist wieder Online-Kurs. Zum Feierabend läuft die Ariba in die Bucht ein und ankert neben uns. Und kurze Zeit später folgt auch noch die Nala. Umgehend wird ein Spieleabend organisiert.

Freitag, 08.10.2021 – Wir schlafen aus und liegen dann noch im Bett, als in unserer WhatsApp-Gruppe von der Ariba die Meldung kommt, dass Delfine in der Bucht sind. Also raus aus dem Bett, rein in die Anziehsachen. So sitzen wir dann im Cockpit und beobachten einige Zeit lang die Delfine. Sie jagen hier ihr Frühstück und genießen es wohl, dass in der Bucht aufgrund der Muschelfarmen kein Fischen erlaubt ist. Auch wir bereiten unser Frühstück zu. Delfine zum Frühstück bei fantastischem Wetter! Was will man mehr? Auch nach dem Frühstück sind die Delfine noch in der Bucht und Melanie beobachtet sie mit dem Fernglas. Auf einmal kommt ein Dinghy auf eMMa zu. Es ist der weitere Segler, der in der Bucht ankert. Er ist ebenfalls Deutscher und war mit seinem kleinen Katamaran von 2006 bis 2015 auf Weltumsegelung. Wir quatschen noch eine Weile und erhalten einige Tipps für unseren weiteren Weg Richtung Süden.

Mittags beschießen wir, dass wir heute ein wenig wandern gehen wollen. Also fahren wir mit dem Dinghy an Land. Das ist aufgrund der Springtide zu Zeit bei Niedrigwasser aber gar nicht so einfach. Alle Treppen und Rampen am Hafen enden etwa 1/2 bis 1 Meter oberhalb der Wasserlinie. Ein freundlicher Einheimischer gibt uns den Tipp am Schwimmsteg der kleinen Fischerboote festzumachen. Das Tor am Ende der Rampe sei immer offen. Hoffen wir mal, dass das stimmt! Wir binden das Dinghy fest und wandern los. Der Ort liegt am Hang und es geht steil bergauf. Oben angekommen prustet Melanie wie eine alte Dampflok. Sie muss dringend was an ihrer Kondition machen! Die Aussicht von hier oben ist toll. Wir wandern im großen Bogen durch das Dorf bis nach Boiro. Zwischendurch machen wir auf einer Bank Rast und genießen die Aussicht. Uns gefällt die Gegend hier. Alte und neue Häuser wechseln sich mit Gärten und Kirchen ab. Wir kommen an zwei Trinkwasserbrunnen vorbei, an denen heute noch ein Teil der Bevölkerung ihr Trinkwasser zapfen. Zweimal überqueren wir den kleinen Fluss, der auch in unserer Bucht ins Meer mündet. Das Wasser ist glasklar. Wir machen noch einen Abstecher am Supermarkt vorbei und wandern dann zum Hafen zurück. Wir kommen auch am Strandrestaurant vorbei und stellen fest, dass dort heute auch Betrieb ist. Obwohl es nur eine Strecke von 6 km war, ist Melanie doch reichlich geschafft. Erleichtert stellen wir fest, dass die Tür zum Steg wirklich offen ist und wir mit unseren Einkäufen also problemlos ins Dinghy steigen können. Wir fahren nicht direkt zur eMMa zurück, sondern halten auf dem Rückweg bei den anderen beiden Yachten an und fragen sie, wer alles Lust hat am Abend essen zu gehen. 

Markus geht am Nachmittag mit den Nalas gemeinsam zum Schnorcheln an einer Untiefenstelle. Sie fahren zum Felsen und sehen viele kleine Fische und auch einen Schwarm größerer Fische. Deshalb waren heute Morgen also die Delfine dort! Melanie übernimmt in der Zwischenzeit den Abwasch. Der erledigt sich nämlich leider nicht von allein.

Um 21 Uhr setzen wir und die Nalas dann mit den Dingis zum Strand über. Das Lokal hat offen und wir bekommen auch einen Tisch für 6 Personen. Die Bedienung spricht kein Englisch, ist aber total freundlich und hilfsbereit. Das Essen schmeckt gut. Und der Abend ist richtig nett. Und je später der Abend wird, desto voller wird das Lokal. Satt gegessen laufen wir zu unseren Wassertaxis am Strand zurück. Wir finden sie auch sofort wieder, jedoch müssen wir die Dingis erst einmal fast die Hälfte der Strecke bis zur eMMa schleppen, da die Sandbank von Mittwoch jetzt komplett trocken gefallen ist. Die Kalorien des Essens dürften damit auch schon wieder abtrainiert sein. Zu 6 schaffen wir das ganz gut und so fahren wir dann alle zu unseren Segelschiffen zurück.

Samstag, 09.10.2021 – Auch heute lassen wir es entspannt angehen. Diese Bucht macht uns das aber auch wirklich leicht. Eigentlich wollten wir im Mittag einkaufen gehen, aber da ist wieder Niedrigwasser und so verabreden wir uns mit der Nala zu 14 Uhr zum Einkaufen gehen. Hier in der Bucht gibt es übrigens einen ganz aktiven Kanu- und Kajakverein. Sie trainieren ganz fleißig und nutzen eMMa mal als Wendeboje, mal als Startlinie und mal als Ziellinie. Es ist interessant ihnen dabei zuzuschauen.

Um 14 Uhr machen wir uns auf dem Weg zum Strand. Selbst da müssen wir noch ein kurzes Stück über die Sandbank schieben, aber können anschließend wieder fahren. Gemeinsam mit 50 % der Nala-Crew laufen wir zum großen Supermarkt. Auch frischen Fisch haben sie hier. Wir kaufen eine Dorade, lassen sie gleich filetieren und zahlen dafür 3,80 €. Auch Obst und Gemüse sind hier wirklich günstig. Milchprodukte sind zu ähnlichen Preisen wie in Deutschland erhältlich, lediglich Fleisch und Wurst sind teuer. Aber Fleisch holen wir nur wenig und auf Wurst wollen wir weitestgehend ganz verzichten. Als wir zu viert vollbepackt wieder am Strand ankommen, können wir unsere Dinghys bereits nach 2 Metern ins Wasser schieben. Und jetzt ist das Wasser auch tief genug, damit wir fahren können. 

Am Nachmittag sind wir, gemeinsam mit den Aribas, auf der Nala zum Kaffeetrinken eingeladen. Manuela hat einen Schokokuchen gebacken. Es ist ein netter Nachmittag.

Am Abend gibt es bei uns an Bord frischen, gebratenen Fisch und Kartoffelpüree. Obwohl der Wind deutlich zugenommen hat, liegt eMMa noch sehr ruhig vor Anker.

Sonntag, 10.10.2021 – Nach einem Frühstück im Cockpit machen wir alles segelklar. Wir starten die Maschine, heben den Anker, wenden und setzen die Segel. 10 Minuten später ist der Motor bereits wieder aus. Der Wind pustet kräftig, aber achterlich und so macht das Segeln wirklich Spaß. Es geht für uns heute eine Ría weiter, in die Ría de Pontevedra. Weniger als 1 sm vor dem geplanten Ankerplatz holen wir die Segel ein und starten den Motor. Vor dem Strand von Sanxenxo gehen wir vor Anker. eMMa bekommt eine Wellnesskur am Unterwasserschiff und Markus ersetzt die Opferanode am Propeller. 

Mit den Nalas spielen wir heute Abend Wizard. Wir genießen diese gemeinsamen Abende sehr. Das ist auch der Grund, warum dieser Wochenbericht nicht bereits am Sonntag Abend fertig war.

Wochenbericht 11 (KW 39)

vom 27.09.2021 bis zum 03.10.2021

Montag, 27.09.2021 – Heute klingelt bei uns seit langem mal wieder der Wecker, denn wir fahren mit der Nala Crew gemeinsam nach Santiago de Compostela. Um 9 Uhr treffen wir uns vor deren Marina, die etwa 10 Minuten zu Fuß von unserer Marina entfernt ist. Gemeinsam laufen wir zum Bahnhof von A Coruña. Die Fahrkarten hat Melanie gestern Abend bereits online gekauft. Und wir waren erstaunt, wie günstig die Fahrt ist. Melanie und Markus zahlen für den Hin- und Rückweg für beide keine 24 Euro. Der Zug soll um 10 Uhr abfahren. Da A Coruña aber Endstation ist, stehen die Züge dann bereits hier und warten. So auch unser Zug, als wir um 9:45 Uhr das Gleis erreichen. Wir steigen ein, suchen unsere reservierten Sitzplätze und machen es uns gemütlich. Die Fahrt dauert 40 Minuten und die Strecke verläuft durch viele Tunnel und durch die bergige Region Galiciens, die sich heute sehr nebelig zeigt. Als wir aber in Santiago de Compostela ankommen scheint die Sonne. Wir machen uns auf den Weg in die Altstadt. Bereits im Zug hat Christoph herausgefunden, dass die Markthallen am Montag leider nur bis 14 Uhr offen haben, deshalb suchen wir diese als erstes auf – und werden etwas enttäuscht. Der Komplex besteht aus 8 länglichen Markthallen, in denen jedes Unternehmen feste Marktstände hat. Leider scheint der Markt am Montag nicht nur deutlich eher zu schließen, sondern auch kaum geöffnete Läden zu haben. Wir schlendern also ziemlich schnell durch die Hallen und beschließen uns in der Altstadt umzusehen. Die gefällt uns schon deutlich besser. In einer Straße laufen wir an einer Konditorei vorbei, in der wir erst einmal leckere, süße Gebäckstücke erstehen. In der Sonne auf einem Platz stehend, werden diese auch sogleich von uns vertilgt. Wir laufen die alten Gassen entlang und landen so auf der Straße, über die die meisten Pilger des Jakobswegs zum Platz unterhalb der Kathedrale gelangen. Die Stimmung hier ist besonders. Natürlich gibt es auch Touristengruppen, die von Stadtführern begleitet werden. Es gibt die typischen kleinen Touristen-Bahnen, die für eine Stadtrundfahrt bereit stehen. Und es gibt natürlich die vielen Pilger, die auf diesem Platz vor der Kathedrale ankommen. Und deren Ankunft zu beobachten mit all ihren Gefühlen, ist einfach atemberaubend schön. Wir stehen kaum ein paar Minuten unterhalb des beeindruckenden Kirchenportals, als ein Pilgerpärchen, beide etwa 30 Jahre alt, ankommt. Er strahlt über das ganze Gesicht und sie ist von ihren Emotionen so überwältigt, dass sie in Tränen ausbricht. Man kann richtig die Erleichterung, die Freude und den Stolz der beiden spüren, aber auch wie die Strapazen und Tiefen dieses Weges von ihnen abfallen. Melanie steht da und die Tränen kullern ihr über die Wangen. Wir können es so gut nachvollziehen. Auch für uns ist diese Reise unser ganz persönlicher Jakobsweg.

Wir laufen um die Kathedrale herum, denn der Eingang für den Innenraum ist auf der anderen Seite. Die Schlange ist zwar lang, aber es geht zügig voran. Etwa 20 Meter vor dem Eingang wird leider die Tür verschlossen. Jetzt beginnt der Gottesdienst und die Kirche ist bis auf dem letzten Platz gefüllt. Mehr Leute dürfen nicht hinein und damit müssen wir warten, bis der Gottesdienst vorbei ist. An der Kirchenwand entlang gibt es eine Steinbank und so stehen immer ein paar von uns an und die anderen sitzen dort und ruhen sich aus. Nach einer knappen Stunde dürfen wir dann endlich eintreten. Die Luft ist noch erfüllt von Weihrauch. Vor dem Altarraum hängt von der Decke herab ein riesiges Weihrauchgefäß. Während dem täglichen Gottesdienst wird dieses Gefäß geschwenkt, mehrere Männer sind für die Bedienung notwendig. Wir gehen durch die Kirche. Die Aufteilung ist speziell und der Prunk und Protz, mit dem der Altarraum und die riesige Orgel verziert sind, ist kaum erträglich. Doch uns ist es wichtig drei Kerzen zu entzünden. Eine für die Verstorbenen unserer Familien, insbesondere für Melanies Papa, eine für unsere Kinder, unsere Familienmitglieder und unsere Freunde und eine für uns beide, eMMa und unsere Reise.

Diese Kathedrale hat eine gewisse, schöne und beruhigende Atmosphäre, auch wenn die Ausstattung nicht so unser Ding ist. Alles ist vergoldet, auf der riesigen Orgel sitzen überall kleine, pummelige, pausbäckige, fast nackte Engel. Nicht gerade unser Stil. Schön ist für uns anders.

Zurück auf dem Platz vor der Kathedrale treffen wir auch wieder auf die Nalas. Gemeinsam machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant, denn so langsam bekommen wir alle Hunger. Auf einem kleinen Platz finden wir einen Tisch in einem Bistro. Wir bestellen Getränke und Speisen und genießen das Zusammensein an diesem besonderen Ort. Nach dieser Stärkung geht es weiter durch die Altstadt. Wir kaufen noch ein Eis zum Nachtisch und gehen in den Park Alameda. Von hier aus hat man eine fantastische Sicht auf die Kathedrale. Wirkt sie auf dem Platz davor schon groß und beeindruckend, so wird einem von diesem Aussichtspunkt aus, erst einmal ihre gesamte Größe bewusst. Der Park ist toll. Hier gibt es hohe Palmen, genauso wie wunderschöne alte Kastanienbäume, ein Café aus Glas und Stahl mit eingebauten, alten Bäumen und eine Teichanlage mit Springbrunnen, Brücken und Enten. Nach dem Parkbesuch überlegen wir, was wir mit den verbleibenden Stunden noch anfangen wollen. Markus schlägt vor, dass wir auf einen anderen Weg noch einmal zum Platz vor der Kathedrale laufen, uns dort einen Platz auf einer Bank suchen, uns hinsetzen und die Atmosphäre dieses Ortes noch mal auf uns wirken lassen. Alle finden die Idee super und so machen wir es dann auch. Beschreiben lässt sich dieses Erlebnis nur sehr schlecht. Uns erfüllt eine angenehme Ruhe. Wir spüren die Euphorie und Freude der Pilger aus aller Welt, die nach ihrem Jakobsweg hier ankommen. Sie fallen sich in die Arme, machen gegenseitig Fotos vor der Kathedrale oder lassen sich einfach auf das Pflaster sinken. Überall sitzen oder liegen Menschen und genießen diesen Augenblick. Es gibt Menschen, die in Flipflops ankommen, weil sie unzählige Blasen an den Füßen haben oder welche, die ihre schweren Rucksäcke erst einmal in die Ecke werfen. Manche tanzen oder jubeln vor Freude, wieder andere stehen einfach nur da, als wenn sie es nicht glauben können, dass sie wirklich angekommen sind. Wir sind sehr dankbar dafür, dass all diese Menschen uns an diesen Momenten teilhaben lassen, einfach als stumme, dankbare Beobachter, die selbst ihren Gedanken nachhängen. So erfüllt mit diesen Eindrücken machen wir uns eine Stunde später dann wieder auf den Rückweg zum Bahnhof. Der Zug nach A Coruña hat ein paar Minuten Verspätung. Dafür gibt es diesmal keinen Zwischenhalt und so sind wir bereits nach 28 Minuten Fahrzeit wieder in A Coruña. Am Hafen unten verabschieden wir uns von der Nala Crew. Es war ein toller und sehr entspannter Tag mit euch! Vielen Dank dafür!

Markus und Melanie wollen noch etwas essen gehen. Das erweist sich auf einem Montag aber als nicht so einfach. Es haben nur wenige Lokale offen. Wir landen bei einem Bistro, essen dort eine Kleinigkeit (kleine Teigtaschen, die mit Soße und Fleisch gefüllt sind) und machen uns danach auf den Weg zurück zur eMMa. Müde, erschöpft und glücklich fallen wir heute ins Bett.

Dienstag, 28.09.2021 – Wir lassen den Morgen langsam beginnen. Während Markus an der Tauchbasis, die auf dem Marina Gelände ist, unsere Tauchflaschen füllen lässt, bereitet Melanie ihren Online-Kurs für heute Nachmittag vor. Auch der Müll muss noch weggebracht werden und unsere alte Mikrowelle können wir hier auch endlich entsorgen. Danach geht es für uns zum Ankerplatz in der Bucht von A Coruña, auf der gegenüberliegenden Seite von der der Marina. Leider stellt sich der als sehr rollig heraus, da die Atlantikdünung kräftig in die Bucht drückt. Doch eine richtige Alternative dazu gibt es heute einfach nicht und wir wollten nicht noch ein Tag in der Marina bleiben. Davon mal abgesehen, dass auch dort ordentlich Bewegung im Schiff ist. Aber hier am Ankerplatz ist gutes Mobiles Netz, so dass Melanie ganz tapfer ihren Kurs abhalten kann. Nach getaner Arbeit und einem raschen Abendessen landen wir erschöpft im Bett, schauen uns die Wettermodelle an und entscheiden uns dafür, dass wir erst morgen früh eine endgültige Entscheidung bezüglich der Weiterfahrt treffen.

Mittwoch, 29.09.2021 – Der Morgen beginnt mit genauso viel Bewegung im Schiff, wie der Abend gestern geendet hat. Es rollt unglaublich stark! Wir checken das Wetter und entscheiden uns dafür die Überfahrt nach Corme heute in Angriff zu nehmen. Wir tauschen uns per WhatsApp mit den Nalas aus. Sie haben gleiche Pläne wie wir. Im Mittag gehen wir Anker auf. Na ja, jedenfalls fast. Denn wir haben einen Reusenkorb mit dem Anker geangelt. Die Leine, an der mehrerer Reusenkörbe befestigt war, hat wohl quer über unserer Ankerkette gelegen. Vielen Dank lieber Fischer! Leider hat sich die Leine beim Anker aufholen so sehr um die Kette gewickelt, dass uns nichts anderes übrig bleibt als die Leine mit dem Leinencutter zu zerschneiden. Natürlich sichern wir den Rest der Leine, der ins Wasser geht, knoten den Reusenkorb wieder an und bringen ihn wieder aus. Dann können wir die restliche Kette aufholen und den Anker ganz heben. Wir fahren unter Motor aus der Bucht von A Coruña heraus. Die Wellen sind ordentlich. Auf dem AIS können wir sehen, dass die Nala etwa 4 sm vor uns ist. Leider ist auch nach der Ausfahrt aus der Bucht einfach nicht genug Wind zum Segeln da, so dass wir die Segel nur zur Unterstützung setzen und komplett unter Motor fahren müssen. Auf etwa halber Strecke kommt uns die Regina Laska entgegen und wir funken mit Leon. Eigentlich wollten wir uns treffen, aber er hat Chartergäste an Bord, die heute Segeln wollen und wir müssen schauen, dass wir weiter Richtung Atlantik kommen. Es ist eine unruhige Überfahrt. Bei weitem nicht so schlimm wie die Biskayaüberquerung, aber auch nicht besonders angenehm. Zum Sonnenuntergang fahren wir in die Bucht von Corme ein und lassen den Anker auf fünf Meter Wassertiefe fallen. Die Bucht bietet hier einen sehr geschützten Ankerplatz mit kaum Wellen. Die Nala ankert ebenfalls dort und wir verabreden uns für etwas später auf ein Glas Wein. So lassen wir in einer richtig netten Runde gemütlich den Abend ausklingen.

Donnerstag, 30.09.2021 – Wir haben super geschlafen, denn es war eine sehr ruhige Nacht vor Anker. Markus wollte eigentlich einkaufen im Mittag einkaufen, aber den Laden gibt es nicht mehr und auch keine Alternative. Gut, dass wir noch genügend Vorräte haben. Verhungern werden wir so schnell nicht. So fährt er unverrichteter Dinge zurück, macht aber für eine Wetterbesprechung einen Zwischenstop bei der Nala. Melanie hat am Nachmittag wieder Online-Kurs. Zurück an Bord besprechen wir zwei, was Markus mit den Nalas so überlegt hat. Wir beschließen heute Nacht Anker auf zu gehen und bis Morus durchzufahren. Zwar wird der Wind sehr schwach, aber dafür nimmt die Welle noch deutlich am Abend ab. So wären wir dann auch schon am Kap Fisterra vorbei. Das ist uns deshalb so wichtig, da für die nächsten Tage in der Biskaya Sturm angesagt ist. Nach der Arbeit fahren wir zwei noch mit dem Dinghy an den Strand. Es ist ein richtiger Feenstaub-Glitzer-Strand, sogar unsere Füße glitzern! Außerdem finden wir hier ganz viel Seeglas! Wir haben den Strand fast für uns alleine! Zurück an Bord machen wir Abendessen, räumen auf und bereiten alles für die Nachtfahrt vor. Um 22:30 Uhr gehen wir Anker auf, die Nalas folgen uns und es geht für uns in die dunkle Nacht. Es sind sehr viele Fischtrawler unterwegs. Trotzdem halten wir uns zwischen dem Festland und den Fischern auf, was erstaunlich gut funktioniert. Die großen Fischtrawler haben fast alle AIS an, aber es gibt halt auch immer wieder kleinere Fischerboote und vereinzelt auch große, die ihr AIS nicht eingeschaltet haben. Aber auf dem Radar sind sie alle gut zu sehen. Die Wellen sind heute deutlich ruhiger als vorgestern. Leider gibt es kaum Wind. So wird auch diese Überfahrt eine Motorfahrt. Aber an diesem Küstenabschnitt ist uns das auch ehrlich gesagt lieber so.

Freitag, 01.10.2021 – Wir wechseln uns in unserem bewährten 3-Stunden-Rhythmus am Steuerrad ab. Der Autopilot läuft zuverlässig, trotzdem halten wir gut Ausschau, denn es ist wirklich viel Schiffsverkehr hier unterwegs. Der Wind reicht leider nur kurzzeitig zum Segeln und so läuft die ganze Zeit der Motor mit. In den frühen Morgenstunden passieren wir dann das Kap Fisterra, früher auch das Ende der Welt genannt. Erst um 8 Uhr beginnt es wirklich zu dämmern. Um 10 Uhr machen wir in der Marina von Morus fest. Fast direkt neben der Nala, die etwa 20 Minuten vor uns angekommen ist. Auf der anderen Seite, zwei Boote weiter, liegt die Tut Tut. Am Nachmittag folgt dann noch die Ariba und so sind wieder alle Biskaya Nachzügler vereint. Wir melden uns im Marina Office an. Als die Ariba am Nachmittag hier ankommt, erzählen sie uns, dass sie unterwegs über Funk mitbekommen haben, wie ein Segler um Hilfe gebeten hat und dann mittels Schlepphilfe in den Hafen von Rebeira geschleppt worden ist. Was ist passiert? Wieder einmal haben Orcas das Ruderblatt attackiert und es kaputt gemacht. Seit etwa zwei Jahren treiben sie ihr Unwesen, mal mehr südlicher, mal mehr nördlicher. Wir alle wissen davon, doch etwas machen kann man da nicht wirklich. Wir haben alle Glück gehabt, dass wir keinen Orcas begegnet sind.

Um 15 Uhr laufen wir zum Gadis, eine spanische Supermarktkette, und stehen vor verschlossenen Türen. Es ist Siesta und der Laden macht erst um 17 Uhr wieder auf. Also kommen wir zwei Stunden später noch mal wieder. Jetzt ist der Laden geöffnet und wir bekommen hier alles was wir an Lebensmitteln brauchen.

Am Abend kommen die Nalas zu uns an Bord und wir spielen zu sechst das Spiel Dogs. Es macht unglaublich viel Spaß. Als das Spiel zu Ende ist, verabschieden sich die Jungs der Nala und lassen ihre Eltern noch bei uns. Wir reden viel über alles Mögliche. Natürlich sind auch die Orcas dabei wieder Thema, genauso wie das Wetter. Segler reden immer über das Wetter, weil es unser Leben nun mal sehr mitbestimmt.

Samstag, 02.10.2021 – Heute ist Sturm angesagt. Noch nicht direkt am Vormittag, aber ab nachmittags nimmt der Wind schon deutlich zu. Der Höhepunkt wird für die Nacht erst erwartet. Gestern Abend wurde schon überlegt einen Ausflug an die Atlantikküste zu machen. Markus findet die Idee super und macht sich gemeinsam mit den Nalas auf den Weg, nachdem er eMMa noch mit weiteren Leinen sturmfest vertäut hat. Melanie entschließt sich auf eMMa zu bleiben. Sie backt Knäckebrot, telefoniert mit zwei Freundinnen und erhält Besuch von den Aribas. So genießt jeder den Tag für sich. In der Nacht pfeift der Wind über eMMa hinweg. Durch die sehr geschützte Bucht ist er aber deutlich weniger stark, wie zunächst angesagt. Wir messen 39 kn in der Spitze. Die Windstärke hatten wir auch in Rostock schon häufiger im Hafen, das macht uns nicht mehr wirklich nervös.

Sonntag, 03.10.2021 – So erwachen wir auch sehr ausgeruht am Sonntag Morgen. Wir nutzen noch einmal ausgiebig die heißen Duschen und bereiten nach einem guten Frühstück schon mal das Abendessen für heute vor. Es soll Lasagne geben. Die lässt sich hervorragend vorbereiten. Melanie erkundet gemeinsam mit Manuela von der Nala den Ort. An einem Steinstrand finden sich Unmengen von Seeglas! Auf dem Rückweg will sie direkt beim Marina Office unser Liegegeld bezahlen (das zahlt man hier in der Regel erst bei Abfahrt), aber der Hafenmeister hat noch bis 16 Uhr Siesta. Dann kommen wir eben später noch einmal wieder. Nachdem wir dann endlich unsere Schulden beglichen habe, legen wir ab. Wir fahren allerdings lediglich um den Hafen herum und gehen vor der großen Hafenmole in einer kleinen Bucht vor Anker. Hier starten wir unseren Wassermacher, denn unsere Trinkwasserkanister sind leer. Wir haben mehrere Kanister, in die wir ausschließlich Trinkwasser einfüllen. Erst wenn die voll sind, produzieren wir Wasser, das in die großen Wassertanks eingeleitet wird. So können wir sicher sein, dass das Wasser zum Trinken immer frisch ist. Am Abend schreiben wir diesen Wochenbericht und telefonieren mit unseren lieben Freunden von der Sterna. Danke euch dafür! Wir genießen es immer sehr!

(Bilder folgen noch)

Wochenbericht 10 (KW 38)

vom 20.09.2021 bis zum 26.09.2021

Liebe Blog-Leser, vielen Dank für eure Geduld. Der Wochenbericht der letzten Woche hat ein wenig auf sich warten lassen. Das lag daran, dass wir unsere Gedanken und Gefühle erst ordnen und dann in Worte fassen mussten, was nicht ganz leicht war. Es ist immer leichter schöne Ereignisse und Erlebnisse in Worte zufassen und darüber zu berichten als über die nicht so schönen Erlebnisse. Unsere Biskaya Überquerung war aber, trotz aller Vorbereitungen, leider deutlich anstrengender und kräftezehrender als erwartet.

Montag, 20.09.2021 bis Mittwoch, 22.09.2021 – Biskayaüberquerung

Wir haben lange das Wetter verglichen, vorgekocht, alles noch einmal überprüft und geschaut, dass alles Seefest verstaut ist. 

Mit dem 2. Hochwasser ging es dann am Sonntag Nachmittag los. Windstärke und Windrichtung waren auch so wie vorhergesagt, nur die Wellen waren, nach Verlassen der Bucht von Brest deutlich höher als erwartet. eMMa wurde mächtig durchgeschüttelt, da die Atlantik Dünung aus einer anderen Richtung kam als der Wind. So ging es in die erste Nacht mit der Hoffnung, dass sich die Bedingungen noch bessern. Leider kam es aber ganz anders. Der Vollmond war noch nicht aufgegangen und in der dunklen Nacht hatte sich einen Regenfront genähert, ohne dass wir sie vorher gesehen haben. Es begann zu regnen und der Wind frischte deutlich auf. Innerhalb von kürzester Zeit verdoppelte und verdreifachte sich die Windstärke und hörte nicht auf zu steigen. Melanie wurde aus ihrer Freiwache geholt und wir pickten uns beide im Cockpit ein. Eine Maßnahme, die wir sonst nur machen, wenn wir das geschützte Cockpit verlassen. Der Wind hatte sich inzwischen vervierfacht und eMMa wurde sehr stark auf die Seite gelegt, so dass ihr Deck überspült wurde. Dabei hat sich unsere bewusste Kaufentscheidung für eMMa, gerade in solchen extremen Situationen, echt bewährt. Unser Cockpit ist recht klein im Vergleich zu anderen Booten gleicher Größe. Es ermöglicht uns aber dadurch, dass wir uns auch bei viel Schräglage gut verkeilen und abzustützen können. Und durch die höhere Lage des Mittelcockpits sind wir in solchen Situationen trotzdem gut geschützt,  da u.a. keine Wellen ins Cockpit einsteigen. eMMa ließ sich trotz dieser Bedingung noch gut kontrollieren. Unabhängig vom Kurs, ging es jetzt erst einmal nur darum aus dieser Regenfront heraus zu kommen. Und nach einer kurzen Pause, im Kern der Regenfront, war die Rückseite zwar auch noch einmal mit viel Regen und Wind anstrengend, aber nicht mehr so stark wie der erste Teil.

Als sich der Wind wieder etwas beruhigt hatte, kamen wir auch dazu, auf die Messwerte zu schauen und stellten fest, dass wir in der Spitze 49,2 kn (Windstärke 10) Wind hatten. Das entspricht 91 km/h und ist an Land in der Lage Bäume zu entwurzeln und Dächer abzudecken. 

Auch wenn das ganze nur einige Minuten gedauert hat, ist es auch Tage nach der Überfahrt immer noch sehr präsent und löst natürlich bei uns verschiedenste Emotionen aus.

Auf See hatten wir zwar rein theoretisch Zeit über vieles nachzudenken, waren aber leider mit anderen Dingen beschäftigt. Uns beide hatte zunehmend die Seekrankheit erwischt. Wobei es nicht DIE Seekrankheit gibt. Es ist eher so ähnlich, als wenn jemand Fieber hat. Da ist zwischen leicht erhöhter Temperatur und gefährlich hoher Körpertemperatur ja auch eine riesige Spannweite. Außerdem fühlt man sich mit Fieber ja nicht immer den ganzen Tag schrecklich krank, sondern es variiert zu unterschiedlichen Tageszeiten. Und so erging es uns auch mit der Seekrankheit. Wir haben die erste Phase mit leichter Übelkeit schnell übersprungen, aber auch die letzte Phase, wo man komplett außer Gefechte gesetzt ist, immer vermeiden können. Denn wir hatten es geschafft, dass wir jeweils dem Anderen genug Zeit zum Ausruhen geben konnten. 

Aber durchweg bis zur Ankunft in Spanien hatten wir mit Seekrankheit, ausgelöst durch die unruhige See, zu kämpfen. Am besten kamen wir beide damit zurecht, wenn wir im Salon auf der vorbereiteten Seekoje liegen konnten. Die Übelkeit wurde mit der Zeit zwar etwas besser, aber wenn der Körper nichts zu sich nehmen kann, dann schwindet auch rasch die Energie irgendetwas zu machen. Es ist sehr schwer zu beschreiben, wie kräftezehrend solche Bedingungen sind. Wir waren ja die ganze Zeit in Bewegung, auch beim Liegen. Wir wissen nicht, ob sich jemand, der so etwas noch nie erlebt hat, überhaupt vorstellen kann.

So fiel es dann um so schwere am 2. Tag die Passatsegel zu setzten. Es ist zwar immer einiges an Aufwand, gerade bei solchen Bedingungen, die Segel von normal auf Passatsegel zu ändern, 

aber wenn sie dann einmal stehen haben wir dann umso weniger Aufwand in den nächsten Stunden oder sogar Tagen. Solange der Wind stabil von Achtern kommt.

Wir teilten die Vorbereitung dazu in 3 Schritte auf und ruhten uns dazwischen immer wieder im Cockpit kurz aus. War das Setzten der Spibäume für uns am Anfang der Reise noch was Neues, so war es gerade in dieser Situation gut, dass wir auch hier unsere Abläufe bereits gefunden haben und als Team super zusammen arbeiten. Wir waren danach sehr geschafft, aber dafür konnten die Segel bis kurz vor Spanien so auch stehen bleiben. Und gemeinsam mit unserer Frieda, unserer Windsteueranlange, haben sie einen super Job gemacht.

In Spanien angekommen, brauchten wir erst einmal eine heiße Dusche, frische Anziehsachen und etwas was Warmes zu essen. Uns war zwar inzwischen nicht mehr übel, aber unsere Körper mussten erst langsam wieder an Nahrung gewohnt werden. Da gingen dann immer nur ein paar Löffel voll rein.

Wir sind natürlich sehr stolz auf uns, dass wir es trotz aller Umstände geschafft zu haben. 345 sm (639 km) in 2,5 Tagen (69,75 h) auf See, unserer erste Biskaya Überquerung.

Hier vor Anker nutzen wir die Zeit, um auszuruhen und zu Kräften zu kommen. Und um uns selbst und die letzten Tage zu reflektieren. Was war gut bzw. hat gut funktioniert:

Wir haben erneut Delfine gesehen, es war fast durchweg trocken und deutlich wärmer, die Passatsegel sind super, wenn sie einmal stehen, Autopilot und Windfahne funktionieren zuverlässig auch bei widrigen Bedingungen, der Vollmond hat uns in allen drei Nächten stets hell die Nacht erleuchtet, sobald er aufgegangen war, trotz Seekrankheit war immer einer von uns in der Lagen Wache zugehen, um z.B. Fischern auszuweichen, wir haben als Team wieder einmal super funktioniert.

Bei all dem Positiven, überwiegen trotzdem die Erinnerungen an die Anstrengungen. Und die eigenen Grenzen werden einem sehr bewusst. Gut vorbereitet, mit Vertrauen untereinander und in das Schiff, lassen sich auch solche Überfahrten meistern. Brauchen oder gar wünschen, tut man dies aber niemanden. Und bei weitem ist nicht jede Biskaya-Überquerung so wie unsere. Wir haben bereits einige Segler hier in Spanien getroffen, die zum Glück deutlich bessere Bedingungen hatten als wir. 

Donnerstag, 23.09.2021 – Eigentlich wollten wir heute Cedeira erkunden. Aber es gibt Starkwind. Die Ankerbucht liegt wirklich sehr gut geschützt. Doch auch wenn es nicht so sehr rollt, der Wind pustet kräftig die Berge hinunter und erreicht dabei immer wieder auch die 30 kn. Unser Anker hält super. Trotzdem möchten wir eMMa bei dem Wind nicht alleine hier liegen lassen. So vertreiben wir uns die Zeit an Bord. Melanie bereitet ihren Kurs für die nächste Woche vor und wir spielen Spiele. Außerdem sorgt Markus immer wieder für kleine Zwischenmahlzeiten, damit sich unsere Mägen wieder an die Essensaufnahme gewöhnt. Und so ganz langsam kommt auch die Kraft wieder. Was so ein paar kleine Kalorien ausmachen können!

Freitag, 24.09.2021 – Es pustet am Morgen noch immer, aber eMMa liegt vergleichsweise ruhig. Die Bucht ist echt toll geschützt und ruhig. Wir nutzen das und holen unsere Waage heraus. Okay, auch hier hat die Biskaya Spuren hinterlassen. Aber welche, die wir jetzt nicht ganz so schlimm finden. Ein paar Kilos weniger sind doch ganz nett. 

Wir sind bereit wieder ein paar sm zu Segeln. Der Wetterbericht hält, was er verkündet hat. Im Mittag lässt der Wind etwas nach, wie angekündigt und wir gehen Anker auf. Die Bäume für die Passatsegel haben wir bereits vor Anker vorbereitet. Wir fahren aus der Bucht raus, biegen nach Backbord (links) ab und setzen die Segel. Dann folgen mehrere Stunden schönstes Passatsegeln und wir können es so richtig genießen! Selbst als wir an der nächsten Landzunge Richtung A Coruña südlich abfallen müssen, können wir die Passatsegel stehen lassen, weil der Wind ebenfalls etwas mit dreht. Zwei weitere Yachten sind etwa gleich schnell wie wie unterwegs. 5 sm vor A Coruña zieht sich der Himmel zu. Die Stadt sehen wir nur kurz, dann verschwindet sie bereits hinter einem Regenvorhang. Es sieht nach Gewitter aus. Wir entscheiden uns Ölzeug anzuziehen, die Passatsegel einzurollen und den Motor zu starten. Kaum 5 Minuten später prasselt dichter Regen auf uns ein und es fängt an zu gewittern. Eine halbe Stunde motoren wir durch den Starkregen, dann ist das Gewitter endlich hinter uns und zieht weiter auf die See raus. Wir fahren die letzten zwei Seemeilen bis zu unserem heutigen Ankerplatz. Die See ist, bis auf den normalen Schwell, komplett glatt. Wir geben unseren Freunden von der Tut Tut Bescheid, dass wir morgen zu ihnen mit dem Dinghy kommen und unser Päckchen abholen.

Samstag, 25.09.2021 – Wir lassen den Tag langsam und gemütlich beginnen. Markus hat die tolle Idee eine kleine WhatsApp-Gruppe mit den Crews der Tut Tut, der Ariba, der Nala und uns zu erstellen und nachzufragen, ob sie Lust haben, dass wir uns alle gemeinsam treffen. Sofort kommt begeisterte Zustimmung von allen Seiten und wir einigen uns darauf am Abend gemeinsam irgendwo essen zu gehen. Nach einem Frühstück, der Magen nimmt so langsam wieder gewohnte Mengen auf, bringen wir unser Dinghy zu Wasser, hängen den Außenbordmotor an und fahren die 20 Minuten über die Bucht zur Marina von A Coruña. Nach einer kompletten Runde durch den Hafen finden wir die Tut Tut und werden total lieb begrüßt. Wir machen das Dinghy bei ihnen fest und sitzen anschließend im Salon, spielen mit den Kindern, quatschen mit den Erwachsenen. Nach zwei Stunden machen Markus und Melanie sich dann auf den Weg ein wenig die Stadt zu erkunden. Außerdem wollen wir ja auch einen Tisch für heute Abend reservieren. A Coruña gefällt uns. Wir suchen nach einem Lokal, was sich als schwieriger herausstellt, als wir gedacht haben. Denn wir brauchen einen Tisch für 11 Erwachsene und zwei Kinder. In vielen der kleinen Restaurants sind die Tische und Stühle aber so eingepasst, dass man sie nicht als Tafel zusammenstellen kann. Und in den ersten zwei Lokalen, wo wir nachfragen, bekommen wir die Antwort, dass alles besetzt ist. Melanie müht sich mit ihrem Spanisch ab und fragt noch mal explizit nach heute Abend. Sie bekommt die Antwort das doch „fin de semana“ sei, also Wochenende. Da erst fällt es uns wie Schuppen von den Augen! Heute ist Samstag! Also suchen wir weiter und werden sogar fündig. Eine Pizzeria stellt für uns 4 Tische draußen zusammen. Allerdings geht es erst um 20:15 Uhr. Das ist okay! Wir sind ja schon gar nicht mehr wählerisch. Nach der Reservierung informieren wir die anderen Crews über die WhatsApp-Gruppe. Alles sind damit einverstanden und freuen sich auf den gemeinsamen Abend.

Wir schlendern zunächst zur Eisdiele und gönnen uns ein leckeres Eis. Danach machen wir es uns auf einer Bank an der Promenade gemütlich. Markus ruht sich etwas aus und Melanie möchte nun endlich Reisetagebuch schreiben, damit sie die Gedanken und Gefühle der Biskayaüberquerung nicht vergisst. Nach einer Weile macht sich Markus auf und erkundet die Stadt. Er kommt mit tollen Fotos zurück. Melanie schreibt zunächst noch weiter, telefoniert mit einer Freundin und trifft sich mit Marion von der Ariba zu einem ersten persönlichen Kennenlernen. Es ist immer wieder schön, wenn man Menschen, mit denen man seit mehreren Wochen oder gar Monaten schreibt und über die verschiedenen Social Media Kanäle Kontakt hat, endlich persönlich kennenlernt. Und wenn man dann auch noch feststellt, dass man auf gleicher Wellenlänge liegt, ist es doppelt so schön. Wir quatschen einige Zeit und gehen dann gemeinsam zu ihnen an Bord. Dort lernen wir den zweiten Teil der Ariba Crew kennen und natürlich das Schiff. Und in Sichtweite liegt auch die Nala, aber wir sehen niemanden an Bord. Sie sind bestimmt noch unterwegs. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir machen uns auf den Weg zur Pizzeria. Es wird ein richtig schöner Abend mit leckerer Pizza und Sangria. Und zum Abschluss laufen wir um 23 Uhr noch an einer Eisdiele vorbei und kaufen Eis als Nachtisch. Es ist noch immer angenehm war in der Stadt. Erst wieder an der Hafenpromenade wird es deutlich kühler. An der Citymarina verabschieden wir uns von den Nalas und von den Aribas und schlendern gemeinsam mit den Tut Tuts zur anderen Marina herüber. Hier liegt ja noch unserer Dinghy. Es weht kein Wind und das Wasser ist glatt, bis auf einen leichten Schwell vom Atlantik her. Wir verabschieden uns von den Tut Tuts und düsen mit unserem Dinghy durch die Nacht zu eMMa zurück.

Sonntag, 26.09.2021 – Nach einem kleinen Frühstück, irgendwie sind wir beide heute morgen noch etwas müde, bauen wir den Außenborder vom Dinghy ab, befestigen ihn wieder am Geräteträger und verzurren das Beiboot an Deck. Für morgen haben wir einen Landausflug nach Santiago de Compostela, gemeinsam mit den Nalas, geplant. Lange diskutieren wir, wo wir eMMa lassen und entscheiden uns dann zusammen dafür, dass wir von heute bis Dienstag in die Marina gehen. Der Wind bläst kräftig mit 18 bis 20 Knoten. Trotzdem klappt das Anlegen in der Box mit Fingersteg ganz gut. Als wir fest und angemeldet sind, geben wir den Tut Tuts Bescheid, dass wir da sind und sie gerne später zum Gegenbesuch vorbeikommen dürfen. Markus will Landstrom anschließen, stellt aber fest, dass die Steckdosen für größere Yachten gedacht sind. Aber wir haben einen solchen Stecker an Bord, jedoch noch nicht montiert. Also kleine Heimwerkerarbeit so mal eben nebenbei und schwups, haben wir einen passenden Stecker. Die Tut Tuts kommen am späten Nachmittag. Wir Erwachsene unterhalten uns super und bespaßen fleißig immer wieder die beiden kleinen Kids von ihnen. Da wird eMMa dann zum Piratenschiff und wird geentert, in unserem Bett entsteht eine Höhle, mit Stirnlampe und Bilderbuch lässt es sich dort prima aushalten. Es wird Verstecken gespielt und geschaukelt. Und die Kleine zeigt uns ihre Roll- und Beinahe-Krabbel-Künste auf eMMas Fußboden. Später am Abend, die Kinder werden von den Eltern ins Bett gebracht und schlafen, spielen dann wir fünf Erwachsene auf der Tut Tut eine Runde Ligretto. Wir lieben dieses Spiel. Es ist ein Kartenspiel mit einfachen Regeln, lässt sich überall mit hinnehmen und macht unheimlich viel Spaß! Danke liebe Tut Tuts für diesen schönen Abend!

Wochenbericht 9 (KW 37)

vom 13.09.2021 bis zum 19.09.2021

Montag, 13.09.2021 – In der ganzen Aufregung mit dem Delphin gestern (Sonntag, 12.09.2021, siehe Wochenbericht KW 36), haben wir völlig vergessen zu erzählen, dass Melanie nur knapp einer bösen Verletzung entkommen ist. Als wir in Brest abgelegt haben, Markus am Ruder, Melanie an den Leinen, wollte sie natürlich auch die Leinen aufschießen (Seglersprache für ordentlich aufwickeln). Dabei nimmt man die Leine, zieht sie durch die Hand und legt immer Buchten in die andere Hand. Zum Glück hat sie sich dabei gewundert, was da komisches an der Leine ist und somit nicht mitten rein gefasst. Da hang nämlich ein Angelhaken in unserer Leine! Das wäre sonst sehr blutig ausgegangen. Natürlich ließ sich der Angelhaken auch nicht einfach so entfernen. Wir mussten ihn durchziehen (Widerhaken) und dann noch das Ende mit einem kleinen Seitenschneider abknipsen.

Heute ist der Himmel bedeckt. Wir lassen es an Bord ganz langsam und gemütlich angehen. Markus holt unsere Angel aus der Kiste und will sein Angelglück probieren. Am Nachmittag fahren wir mit dem Dinghy zu der kleinen Kaianlage rüber. Dort befestigen wir das Beiboot an einem Ring und machen einen Spaziergang. Durch den kleinen Ort geht es immer den Berg hinauf. Hier ist ordentlich Gefälle! Aber die Anstrengung ist den Ausblick auf die Bucht und eMMa echt wert.

Unterwegs finden wir große Brombeersträucher mit vielen reifen Früchten. Die Brombeeren schmecken köstlich. Markus hat einen Schokokuchen und etwas Zutrinken im Rucksack. Den Schokokuchen vernaschen wir zu 2/3, damit wir in der Schale noch ein paar Brombeeren sammeln können. Den Rest Kuchen nehmen wir natürlich ebenfalls wieder mit an Bord. Als wir zurück an der Kaianlage sind, liegt unser Dinghy auf dem Trockenen. Zum Glück haben wir dicke Kunststoffrollen am Heckspiegel des Dinghys. So kann Markus es einfach ins Wasser schieben und Melanie an der Treppe, die bis ins Wasser führt abholen.

An Bord genießen wir, dass die Sonne endlich herauskommt. Es gibt ein Glas Weißwein für jeden von uns und wir essen die Brombeeren und den Rest Schokokuchen. Die Kombination ist echt gut! Am Abend grillen wir, aber keinen selbstgefangenen Fisch. Gut, dass Markus vorher schon Grillfleisch mariniert hatte!

Dienstag, 14.09.2021 – Wir genießen es sehr vor Anker zu liegen. Frühstücken im Cockpit, lesen Bücher und genießen einfach den Augenblick. Am Nachmittag arbeitet Melanie. Sie hat eine Dozentenstelle auf Honorarbasis beim PECA-Institut bekommen (Fort- und Weiterbildungen für die Bereiche Pflege und Soziales). Sie darf zu unterschiedlichen Themen Pflegekräfte im Rahmen ihrer Weiterbildung zum Praxisanleiter unterrichten. Wenn irgendwer von euch eine Weiterbildung in diesem Bereich machen möchte, der sollte mal auf der Homepage des PECA-Instituts vorbeischauen.

Da Melanie ihre heutigen Teilnehmer noch nicht kennt, ist sie dementsprechend ziemlich nervös. Und wenn man aufgeregt ist, dann fallen einem natürlich auch gleich hunderttausend Dinge ein, die schief gehen könnten. Besonders, wenn es was mit Technik zu tun hat!

Es geht aber nichts schief. Alle Teilnehmer des Kurses sind sehr nett und die Technik funktioniert so, wie sie soll. Der Unterricht macht Melanie viel Spaß. 

Nach dem Kurs fällt die Anspannung von ihr ab und sie ist total müde. Wir essen im Cockpit und genießen gemeinsam den Sonnenuntergang. Auch heute hat Markus wieder die Angel ins Wasser gehalten. Aber auch heute beißt kein Fisch an!

Mittwoch, 15.09.2021 – Wir genießen es vor Anker zu liegen. Die Bucht ist total ruhig und geschützt. Schwell gibt es lediglich, wenn die Tide kippt und auch das nur sehr wenig. Wir frühstücken gemütlich im Cockpit und Markus hat bereits wieder die Angel ausgebracht. Das Kippen des Tidestroms hat er nur nicht bedacht und so hat sich die Angelschnur an eMMa verheddert. Also darf Markus gleich ins Wasser gehen. Er sucht sich seine Tauchsachen zusammen, Neoprenanzug, Flossen, Taucherbrille, Schnorchel und Bleigurt. Er taucht heute Apnoe, das heißt ohne Tauchflasche und Atemregler. Also nur durch Luft anhalten. Der Angelköder ist schnell befreit und da er ja schon mal im 17° C kaltem Wasser plantscht, kümmert er sich auch gleich darum, eMMas Rumpf von Algen und Muscheln zu befreien. Anschließend wird auf der Badeplattform geduscht. Da die Sonne heute aber nur wenig durch die Wolken bricht, bleibt nur die Dusche mit kaltem Wasser. Erst Markus, dann Melanie. 

Den Nachmittag verbringen wir mit Lesen, Faulenzen und kleinen Heimwerkerarbeiten, so zwischendurch. Wir statten unsere Seitenfenster im Salon mit Sonnenschutz-Spiegelfolie aus. Am Abend fahren wir mit dem Dinghy an den Strand. Na gut, kein Strand. Es sind Steine, die außerdem auch noch sehr häufig von Muscheln besetzt sind. Gut, dass wir ein Festboden-Beiboot haben. Mit dem Schlauchboot kann man hier nicht anlanden. Unser Plan war es eigentlich bis zum Buchtende zu laufen. In unserer Offline-Karte gibt es hier dann einen Fußweg über die Insel zurück. So die Theorie. Die Praxis sieht leider so aus, dass wir zunächst bis fast zu dieser Stelle hinwandern. Klettern wäre eigentlich die korrekte Bezeichnung! Aber kurz vor der eingezeichneten Stelle, geht es für uns nicht mehr weiter. Die Felsen fallen hier sehr steil ab und so fühlen wir uns ein wenig wie die zwei Königskinder, die nicht zueinander kommen konnten, weil das Wasser zu tief war. In unserem Fall trennt uns der Felsen und ganz viel Gestrüpp vom Wanderweg. Wir klettern also am Strand zurück bis zum Dinghy. Zurück an Bord, darf Melanie dann erst einmal Muschelreste aus Markus Fuß pulen. Er hat das Dinghy wieder ins Wasser geschoben und dafür Schuhe und Socken ausgezogen. Die Wunden werden gereinigt und desinfiziert. 

Donnerstag, 16.09.2021 – Nach dem Frühstück gehen wir Anker auf. Es ist komplett windstill und die Wolken spiegeln sich im Wasser. Wir sind gut gelaunt, auch wenn die paar sm in die Marina Brest nur unter Motor gefahren werden. Markus möchte zwischen der kleinen Insel und dem Festland hindurchfahren. Wenn er das unbedingt möchte, bitte schön! Melanie wäre außen herum gefahren. Aber soll er mal machen. Tief genug ist es dort, allerdings lieben die Angler in ihren kleinen Booten diesen Bereich und so fährt er mit eMMa Zick-Zack zwischen den Angelbooten her. In Brest angekommen legen wir wieder längsseits an. Direkt gegenüber von liegt die Orizaba. Wir verabreden uns für den Abend. Aber zunächst arbeitet Melanie heute wieder ein paar Stunden.

Zum Feierabend kommt die Orizaba-Crew zu uns an Bord. Wir trinken ein Glas Wein und reden über Gott und die Welt. Als die beiden sich verabschieden, zaubert Markus ein leckeres Abendessen.

Freitag, 17.09.2021 – Melanie kommt heute irgendwie schlecht in die Gänge. Markus geht zum Bäcker und wir frühstücken sehr spät. Wir sprechen über ein mögliches Wetterfenster für die Biskayaüberquerung. Im Moment sieht es so aus, dass es Anfang der Woche etwas werden könnte. Wir planen also unseren Essensplan für die nächsten Tage und gehen einkaufen. Der Carrefour City in der Stadt ist gut sortiert. Bis auf Kohlrabi bekommen wir alles, was auf unserer Einkaufsliste steht. Als Kohlrabi-Ersatz müssen Mairübchen, die hier übersetzt nur Rüben heißen, herhalten. Da sie so ähnlich wie Kohlrabi schmecken, müsste das gehen. Wir gehen mit unseren Einkäufen zur Kasse, stellen den Korb aufs Mini-Band und die Kassiererin quatscht uns sofort auf Französisch an. Wir sagen ihr, dass wir kein Französisch können, und fragen sie, ob sie Englisch kann. Dies verneint sie, rollt die Augen, klingelt nach einer Kollegin für eine weitere Kasse und beginnt unsere Sachen zu scannen. Wir vermuten, dass sie uns sagen wollte, dass wir die Sachen einzeln aufs Band legen sollten, aber die Mühe macht sie sich dann nicht einmal mehr. Wir packen alles in unsere Rucksäcke, verstauen den Einkaufskorb an der vorgesehenen Stelle und machen uns auf den Heimweg. Aber nicht ohne vorher noch bei einer Konditorei Halt zu machen und Macarons zu kaufen. Natürlich nehmen wir unterschiedliche Sorten. An Bord kochen wir uns einen Tee und machen es uns unter Deck gemütlich, denn bereits auf dem Rückweg hat es kräftig zu regnen begonnen. Die Macarons sind ein Traum. Markus Favorit ist der mit Schokolade, Melanies Favorit besteht aus Salzbuttercreme und Karamell. Dann legt Markus sich für ein Mittagsschläfchen hin. Nach seinem Nap sucht er das Waschhaus auf. Es regnet noch immer, wenn auch nicht mehr so feste. Auf dem Rückweg sieht er, dass bei einer unserer Stegnachbarn die Vorschiffluke 90° nach oben offen steht. Da regnet es also seit mehr als 2 Stunden fleißig rein. Markus klopft dort an und gibt der Crew Bescheid. Die sind sehr dankbar für den Tipp, denn sie saßen alle zusammen im Salon und haben da überhaupt nicht dran gedacht. Hoffentlich muss da heute niemand im nassen Bett schlafen!

Zum Abendessen gibt es bei uns heute Flammkuchen. Damit weihen wir unseren Ofen ein, den wir letzte Woche gekauft und danach nur zur Probe aufgeheizt haben. Der Flammkuchen wird super. Nach dem Essen gibt es noch ein Familientelefonat und wir lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Samstag, 18.09.2021 – Heute hat Pia Geburtstag. Wir sitzen am Frühstückstisch und rufen das Geburtstagskind an. Sie ist bei Melanies Schwester Mareike zu Besuch und Oma Dorothee ist als Überraschungsgast auch da. Das freut uns sehr für Pia! Es ist schön, mit ihr zu telefonieren!

Melanie ist vor der Biskayaüberquerung echt nervös und Pia beruhigt sie und sagt: „Ihr habt schon mehrfach so lange Strecken gemacht. Das schafft ihr!“ Es ist wirklich süß von ihr!

Melanie geht nach dem Telefonat erst einmal duschen. Anschließend setzen wir uns zusammen, besprechen das Wetter, planen, verwerfen, diskutieren neu darüber. Dann lassen wir es erst einmal so sacken und Markus geht duschen. Melanie schaut sich in der Zwischenzeit noch einmal die Wetterdaten an und schreibt Segelfreunde an, wie sie das Wetter einschätzen würden. Als Markus aus der Dusche kommt, fällt einstimmig die Entscheidung heute noch mal einen Tag den Liegeplatz zu verlängern und morgen Nachmittag zu starten.

Im Mittag ist es windstill. Die Orizaba geht zum Tanken und wir finden, dass das eine gute Idee ist. Als die Orizaba wieder an ihrem Platz liegt, fahren wir mit eMMa zur Tankstelle. Kaum stehen wir vor der Zapfsäule beginnt es zu nieseln. Wir gucken uns verdutzt an, dann nach oben in den Himmel. Die Sonne scheint, aber direkt über uns regnet sich eine freche, kleine Wolke aus. Ganz sacht fällt der Nieselregen auf uns. Wir füllen unseren Dieseltank wieder auf und füllen auch die Benzinkanister für den Dinghymotor wieder auf. Wir legen vor der Orizaba am Steg wieder an und beginnen unsere Liste für die Biskayaüberquerung abzuarbeiten. Wir kontrollieren das Rigg, ziehen das Vorliek etwas nach (das neue Segel hat sich etwas gereckt, darf es auch nach bereits mehr als 1000 sm) und kochen vor. Auch auf der Orizaba laufen die Vorbereitungen, allerdings nicht für die Biskaya, sondern deren Urlaub ist zu Ende. Sie kommen aber bald wieder. Auch wenn wir dann mit eMMa nicht mehr hier sind, wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt. Sie sind zwei so tolle und liebe Menschen!

Am Abend essen wir Melanies Mairübchen-Karotten-Hack-Auflauf. Mit unserer Entscheidung für morgen fühlt sie sich wohl und das merkt man auch deutlich.

Sonntag, 19.09.2021 – Ein letztes Mal gehen wir zusammen zur Bäckerei und kaufen Croissants. Wir frühstücken an Bord und dabei klingelt Markus Wecker. Ach ja, es ist Sonntag und somit Funkrundenzeit. In den letzten Wochen kam leider nie eine Verbindung zustande. Heute klappt es. Wir hören die Heimkehr, die gerade in Dänemark verweilt. Zwar ist die Verbindung sehr leise und immer mal wieder fehlen Wörter, aber es ist fast wie nach Zuhause telefonieren!

Danach arbeiten wir weiter unsere Vorbereitungsliste ab und Melanie kann sich jetzt auch endlich auf die Biskaya freuen. Wir checken den Motor, schmieren die Welle, räumen auf und verstauen alles seefest. Ein Stegnachbar, die schwedische Yacht hat gestern hier angelegt, kommt vorbei und spricht uns auf Englisch an, ob wir wüssten, wie das hier mit dem Wasser funktioniert. Mit der Weile können wir dabei helfen. Markus hat damals in Marseille genauso blöd vor der Säule gestanden. Unten an den Stromsäulen gibt es so silberne Anschlüsse, an die aber auf dem ersten Blick kein normaler Schlauch passt. Der Trick dabei ist, man nimmt einen sogenannten Doppelnippel, also einen Adapter mit dem man eigentlich zwei Gartenschläuche miteinander verbinden kann. Das eine Ende kommt in den normalen Schlauchadapter, das andere Ende steckt man in diese silbernen Anschlüsse. Dabei sollte man unbedingt darauf achten, dass man den Schlauch so hinlegt, dass er einen nicht direkt nass spritzt. Denn auf der Leitung ist immer Druck und das Wasser läuft sofort. Es gibt auch keinen Hahn, womit man es regulieren oder abdrehen kann. Es geht nur an oder aus, durch Schlauch reinstecken oder abziehen.

So, auch wenn der Sonntag erst etwas mehr als die Hälfte um ist, endet heute hier unser Wochenbericht. Wie wir ja schon erzählt haben, werden wir uns gleich auf den Weg über die Biskaya machen. Das wird ein Seestück von etwa 340 sm werden (also etwa 620 km). Das heißt für uns, dass wir ungefähr drei Tage (Tag und Nacht) unterwegs sein werden. Wenn ihr auf der Homepage oder bei Marine Traffic oder Vesselfinder verfolgt, wo wir gerade sind, dann wundert euch bitte nicht, wenn da eventuell keine aktuelle Position angezeigt wird. Die Übermittlung erfolgt nur in Landnähe immer zeitnah. Auf langen Seestücken kann es mal etwas anzeigen und mal nichts. Wir schreiben im Whatsapp-Status eine Meldung, sobald wir in Spanien angekommen sind.

Wochenbericht 8 (KW 36)

vom 06.09.2021 bis zum 12.09.2021

Montag, 06.09.2021 – Der Tag beginnt heute früh, sehr früh! Markus besorgt für ein letztes gemeinsames Frühstück mit Lara Baguette und Croissant. Wir sitzen uns alle müde am Frühstückstisch gegenüber, aber es ist uns wichtig. Melanie verabschiedet sich noch an Bord von Lara, denn die Strecke von gestern steckt ihr noch ordentlich in den Knochen und Gelenken. Markus und Lara machen sich dann auf dem Weg zum Bahnhof. Am Bahnhof angekommen steht in der Vorhalle eine Menschentraube und schaut hoch zur Anzeige. Mit einem Blick wird klar, warum. An der Anzeigetafel sind zwar alle Züge angeschlagen, aber die Gleisanzeigen sind leer. Nach ein paar wenigen Minuten füllen sie sich mit Buchstaben und alle setzten sich in Bewegung. Als wir am Bahnsteig ankommen, steht sowohl hier, als auch auf dem Nachbargleis schon ein Zug. Lara sucht ihr Ticket heraus und versucht darauf herauszufinden, wo ihre Platzreservierung vermerkt ist. Die ersten Leute steigen schon ein, als von hinten ein Mann, auf Französisch palavern und wild mit den Händen fuchtelnd auf uns und die anderen Menschen zu gerannt kommt. Es stellt sich nämlich heraus, dass die Gleisanzeige verkehrt eingestellt wurde und Laras zu auf dem Gleis direkt gegenüber steht und wartet. Das war also wirklich knapp, denn hätte sie im Zug gesessen, hätte ihr ja auch eine Durchsage auf Französisch nichts mehr geholfen. Aber so erwischt sie noch ihren richtigen Zug und dieser fährt auch sehr pünktlich ab.

Zurück an Bord planen wir gemeinsam den Tag. Wir erledigen Kleinigkeiten, räumen auf, waschen Wäsche und legen am späten Nachmittag ab. Es ist nur schwachwindig und nicht zum Segeln geeignet. So geht es unter Motor wieder bis nach Camaret-su-Mer, in die Bucht, in der wir in der Nacht von Samstag auf Sonntag bei Nebel angekommen sind. Diesmal lassen wir den Anker etwas südlicher fallen. Die Sonne scheint und es ist fast windstill, also ist es auch warm! Wir gehen schwimmen. Das Wasser ist ordentlich kalt, aber es tut auch gut. Eine Runde ums Boot schaffen wir. Wir duschen uns mit Süßwasser einmal auf der Badeplattform ab. Dafür haben wir eine sogenannte Solardusche. Das ist ein großer, fester, schwarzer Kunststoffbeutel mit einem Einfüllstutzen und einem Ablasshahn. An diesen Hahn steckt man einfach einen kleinen Schlauch an, an dessen Ende sich eine Tülle befindet, wie bei einer Gießkanne im Mini-Format. Wenn man den Beutel füllt und in die Sonne legt, heizt die Sonne das Duschwasser auf. Wir befestigen den Beutel am Geräteträger und können so wunderbar duschen. Nach dieser Erfrischung hängen wir unsere gewaschene Wäsche auf die Leine, oder genauer gesagt auf den Relingsdraht. Wir essen gemütlich im Cockpit und genießen einen wunderschönen, kitschigen Sonnenuntergang.

Dienstag, 07.09.2021 – Der Wind hat heute Nacht, wie angekündigt, auf Ost gedreht und deutlich zugenommen. Unser Anker hält gut und wir beginnen den Tag langsam und gemütlich. Zunächst einmal hängen wir die Wäsche wieder auf die Reling. Gestern Abend waren nur wenige Teile noch komplett trocken geworden. Und da es nachts sehr feucht wird, haben wir sie lieber abgenommen. Heute sichern wir jedes Wäschestück aber mit einer Klammer mehr, denn es pustet ordentlich. Die Sonne scheint und wir starten unseren Wassermacher, um Trinkwasser zu produzieren. Am Nachmittag machen wir uns wieder auf den Weg in die Marina, da wir dort Seglerfreunde treffen möchten. Der Wind hat ordentlich zugenommen und kommt aus Ost. So können wir bis zur Einfahrt in die Bucht von Brest wunderbar segeln. Nur unter Genua fliegen wir dahin. In der Marina ist der Platz an dem wir gestern lagen noch frei. Die Lücke ist eng, aber Melanie parkt eMMa perfekt ein. Markus bringt rasch die Leinen über, damit uns der Wind nicht auf eines der nebenliegenden Boote drückt. Alles passt perfekt!

Mittwoch bis Samstag – Melanie ist Moderatorin für eine Facebook-Gruppe. Diese Gruppe hat jeden Mittwoch einen Motto-Tag und damit dieser nicht vergessen wird und keine Thema durch die Lappen rutschen, sammelt das Moderatorenteam immer alle Vorschläge der Gruppenmitglieder, legt die Reihenfolge fest, formuliert den Text und Melanie setzt die Themen dann per Terminfreigabe bei Facebook ein. So wird also an jedem Mittwoch Morgen um 6 Uhr ein neues Thema automatisch veröffentlicht, ohne, dass jemand vom Team daran denken muss. Die Themen stehen also bereits seit Monaten fest. Und wie Murphys Law es so will, wird am Mittwoch in dieser Woche das Thema „Krisen im Paradies – wie geht ihr mit Streitigkeiten, Stress und Ärger an Bord um, egal ob mit Gästen oder als Eignerpaar“. Und so einen Fall gab es ausgerechnet zum Wochenbeginn auf dem Boot eines befreundeten Pärchen, bei dem eine rote Linie ganz klar überschritten wurde, was dazu führte, dass dort ein Lebenstraum unwiderruflich zerstört wurde. Sie baten uns gestern um Hilfe und natürlich waren wir sofort für sie zur Stelle. Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, auch wenn die Woche für uns körperlich und emotional sehr Kräfte zehrend war. Freundschaft unter Seglern bedeutet für uns Nehmen und Geben. Aber nicht immer nimmt und gibt man von der selben Person. Aber wir glauben fest daran, dass es sich irgendwie im Großen und Ganzen wieder ausgleicht. Wir haben auch schon in Rostock von der Hilfe anderer Segler sehr profitiert und so ist es für uns natürlich ebenfalls selbstverständlich zu helfen.

Donnerstag, 08.09.2021 – Um einfach mal etwas anderes zu sehen und uns abzulenken besuchen wir heute das Aquarium in Brest. Océanopolis heißt es und ist laut Homepage das größte Aquarium Frankreichs. Die Bewertungen und Kommentare im Internet haben unsere Erwartungen extrem nach unten geschraubt. Da heißt es zum Beispiel, dass es die Infotafeln nur auf Französisch gibt. Audioguides gibt es gar nicht und Führungen sind ebenfalls nur in Französisch zu bekommen. Was definitiv stimmt, die Eintrittspreise sind gesalzen! Zum Glück haben wir in der Marina eine Freikarte geschenkt bekommen, so müssen wir nur eine Erwachsenenkarte zum Preis von 21,60 € kaufen. Pro Person wäre das schon wirklich heftig und als Familie ist es schon fast nicht bezahlbar (auch wenn Kinder etwas weniger zahlen). Was bei den Kommentaren nicht stimmt, ist die Verfügbarkeit von Informationen in Englisch. Jede größere Infotafel ist in Französisch und in Englisch geschrieben. Und an allen interaktiven Tablets kann man die Sprache auf Englisch umstellen. Ob es auch Führungen in Englisch gibt, können wir nicht sagen. Von den Räumlichkeiten ist das Aquarium gut aufgeteilt, nur die Toiletten darf man sich wirklich nicht näher anschauen. Wir haben schon viele Rastplätze an der Autobahn gesehen, die deutlich sauberer waren. Positiv überrascht waren wir von der MyOcéapolis App. Sie kann man in unterschiedlichen Sprachen einstellen, auch in Deutsch. Im Aquarium gibt es gutes WiFi, so dass man auch hierfür nicht das eigene Datenvolumen nutzen muss. Die App bietet viele interessante Informationen. Leider funktionierte bei uns der Audioguide nicht und wenn man die Rundgangfunktion einschaltete, stürzte die App immer wieder komplett ab. Aber im Großen und Ganzen war das Aquarium wirklich sehenswert und bot uns eine gute Abwechslung.

Anschließend machen wir uns noch auf den Weg zu Decathlon. Wir haben heute morgen Tageskarten für Brest gekauft. Sie kostet 4 € pro Person. Die nutzen wir jetzt noch aus. Markus braucht neue Neoprenhandschuhe. Der Bus füllt sich rasch, denn es ist später Nachmittag und die Schulkinder haben nun Schulschluss. Der Decathlon ist riesig. Wer schon mal im Decathlon in Herne in Deutschland war, der nehme diesen Laden mal drei! Wir finden, was wir suchen und machen uns auf den Rückweg.

Freitag, 09.09.2021 – Wir sind zum Kaffeetrinken auf der Segelyacht Nala eingeladen. Manuela hat ihren Gasherd zum ersten Mal zum Kuchenbacken genutzt und der Kuchen schmeckt fantastisch. Kein Krümel bleibt davon übrig. Wir sitzen zusammen und quatschen. Schade, dass sie morgen früh ablegen und über die Biskaya fahren. Hoffentlich sehen wir uns bald in Spanien wieder! 

Melanie nutzt heute die Zeit zwischendurch um Knäckebrot zu backen. Leider stellt sich dabei heraus, dass unsere Mikrowelle, die ja auch unser Backofen ist, defekt ist. Vor einigen Wochen fiel uns das schon einmal auf. Sie wechselt dann einfach das Programm und das führt dazu, dass dann plötzlich die Mikrowelle oder der Grill zugeschaltet ist. So wird eine kleine Lage Knäckebrot etwas dunkler, aber der Rest wird gut.

Samstag, 10.09.2021 – Wir nutzen heute noch mal den ÖPNV von Brest und fahren zur anderen Marina rüber. Wir benötigen noch ein paar kleine Ersatzteile und vor allem einen Ersatzfilter für unseren Wassermacher. Im Bus werden wir angenehm überrascht, denn es stellt sich heraus, dass wir am Wochenende zu zweit auf einem Tagesticket fahren dürfen. 4 € Tagesticket für zwei Personen! Wir bekommen fast alles, was wir suchen. Nur die Ersatzfilterpatrone für unseren Wassermacher leider nicht. Aber der Mitarbeiter ist sehr bemüht und sucht nach Lösungen. Eventuell kann er es uns bestellen, das müsse er aber am Montag erst mit dem Chef klären. Wir sollen eine Email schreiben. Danach fahren wir mit dem Bus wieder in die Innenstadt. Bei einem Elektronikladen, ähnlich wie in Deutschland Mediamarkt, suchen wir nach einer Mikrowelle. Hier gibt es aber nur Elektro-Kleingeräte. Wir fragen uns durch und treffen wieder mal auf viele sehr hilfsbereite, aber leider nur französisch sprechende, Menschen. Aber die moderne Technik ist da sehr hilfreich und wir machen uns mit der Tram auf in Richtung Elektro-Depot. Die Auswahl ist groß und fällt schwer, aber letztendlich entscheiden wir uns für einen reinen Ofen. Den Karton statten wir mit zwei Handgriffen aus, in dem wir an den Seiten zwei Löcher rein drücken. Das klappt super. So geht es zurück zur Tram-Station. Das letzte Stück müssen wir dann noch zur Marina laufen, aber das hat alles wirklich gut funktioniert. Zurück an Bord beginnt das Umräumen. Umrücken, umräumen, umplanen. Irgendwann hat dann endlich alles seinen (provisorischen) Platz. Jetzt werden wir es in den nächsten Tagen so testen und wenn es sich bewährt, dann wird es so dauerhaft montiert. Während wir am Umräumen waren, hören wir, dass ein Boot anlegt. Oder besser gesagt anlegen möchte. Die Langfahrtyacht, die bereits letzten Sonntag vor uns lag ist in dieser Woche verkauft worden. Die neuen Eigner sind nun an Bord und erkunden das Boot. Als sie jetzt von ihrem Tagesausflug wieder kommen, ist deren Liegeplatz besetzt und sie wollen in eine andere Box. Es ist nicht viel Wind, aber der Wind, der weht, kommt genau so, dass sie Seitenwind in der Box haben. Viele Anläufe und Fehlversuche später holen wir die beiden zu uns längsseits. Sie sind sehr glücklich und dankbar endlich fest zu sein.

Sonntag, 11.09.2021 – Unsere neuen Liegeplatznachbarn laden uns zu sich zum Frühstück im Cockpit ein. Wir sitzen gemütlich zusammen und reden über alles rund ums Segeln. Sie überlegen das Boot in die Ostsee zu verlegen und wir erzählen von Rostock. Wir sind gespannt, wie sie sich entscheiden werden. Am Nachmittag geht es für uns raus aus dem Hafen. Es ist wieder einmal ganz wenig Wind und wir wollen nur knapp 6 sm entfernt ankern. Wir haben uns eine schöne Bucht ausgesucht. Als wir in die Bucht reinfahren, kommt uns ein Delphin entgegen. Er schwimmt an uns vorbei, wendet und hängt sich in unsere Heckwelle. Immer wieder springt er etwas raus. Markus steht am Ruder und Melanie ist eigentlich gerade dabei vorne den Anker vorzubereiten. Unser gewählte Ankerplatz kommt immer näher und so müssen wir Fahrt aus dem Boot nehmen. Meistens verschwinden die Delphine dann, aber dieser Delphin dreht einfach eine Runde zwischen den anderen Ankerliegern. Melanie lässt die ersten Meter Kette herunter und erschrickt sich tierisch, denn der Delphin hat sich genau unter die Kette gestellt. Sie stoppt sofort den Vorgang, der Delphin schwimmt etwas zur Seite und wir können unser Ankermanöver fortführen. Aber der Delphin weicht nicht von unserer Seite. Auch als der Anker eingefahren ist, kommt er immer wieder zu uns, taucht aus der Tiefe an der Kette entlang, schubbelt sich dabei den Bauch an der Kette, schwimmt bis hoch zur Oberfläche, um dann wieder abzutauchen und das Spiel von neuen zu beginnen. Das ganze wiederholt sich so 30 – 40 mal! Wir sitzen am Bug und können uns nicht sattsehen! Wir machen Fotos mit dem Handy und Videos. Irgendwann sagt Markus, er wolle die GoPro holen. Es ist, als wenn der Delphin das gehört hat. Er taucht wieder auf, dreht sich um und schwimmt aus der Bucht! Was für ein Erlebnis! Was für ein grandioser Abend. Markus kocht Essen und wir genießen es im Cockpit zu sitzen. Das Grinsen im Gesicht!

Am Abend möchte Melanie noch einmal die Technik testen, denn sie hat am Dienstag ein Online-Seminar. So machen wir also ein Zoom-Meeting mit Dorothee und Klaus. Auch das ist richtig nett und tut gut!

Wochenbericht 7 (KW 35)

vom 30.08.2021 bis zum 05.09.2021

Montag, 30.08.2021 –  Nach dem wunderschönen Sonntag gestern in Querqueville bei Cherbourg drehte nachts der Wind und die Wellen laufen nun in die Bucht rein. Es ist rollig am Ankerplatz. Der Wind hat kräftig zugelegt und so soll er auch in den nächsten Tagen leider bleiben. Wir entscheiden uns also für eine Fahrt nach hinüber nach Cherbourg in die Marina. Die Strecke beträgt knapp 3 Seemeilen und verläuft hinter der riesigen Außenmole mit ihren beiden Einfahrten. Trotzdem steht dort ordentlich Seegang. Im Vorhafen vor der Marina wird es dann ein wenig ruhiger, zumindest die großen Wellen bleiben draußen. Die Marina ist riesig und erst einmal sehr unübersichtlich. Wir legen an einem Warteponton an und gehen uns erst einmal anmelden. Na ja, eigentlich fahren wir zum Anmelden, denn vom Warteponton aus gibt es keine Landverbindung. Und so kommt wieder unser Dinghy zum Einsatz. Nach etwas Suchen finden wir das Hafenmeisterbüro. Melanie begrüßt die Dame hinter dem Tresen mit einem freundlichen „Bonjour“ und fragt anschließend nach, ob sie Englisch spricht. „Ein bisschen“ sagt diese und legt uns den Anmeldebogen hin. Wir unterhalten uns kurz auf Deutsch und zu unserer Verwunderung fragt uns die Dame dann, ob wir nicht lieber auf Deutsch weitersprechen könnten, das könne sie besser als Englisch. Aber gerne doch! Wir erledigen die Anmeldeformalitäten und Melanie fragt sie, wie es kommt, dass sie so gut Deutsch spricht. Sie hatte es in der Schule und war im Studium für 2 Monate in Deutschland zum Arbeiten. Wir erhalten unseren Liegeplatz, den Code für Duschen und Toiletten, eine Willkommenstüte mit Informationsbroschüren (alles leider nur auf Französisch), Stadtplan und Plätzchen und erfahren, dass das WiFi frei ist. Zurück an Bord geht es wieder mit dem Beiboot, aber nicht ohne vorher einen Blick auf unseren zugewiesenen Liegeplatz zu werfen. Wir verstauen den Außenbordmotor und das Dinghy wieder an Deck und besprechen das Ab- und Anlegemanöver. Der Wind weht kräftig. Alles klappt gut und am Steg stehen freundlicherweise bereits vier helfende Hände von Liegeplatznachbarn bereit. Lara und Melanie wollen erst mal Duschen gehen. Die Duschen sind warm und kostenlos. Man sollte allerdings Zeit mitbringen, denn es dauert fast 5 Minuten, bis man vom Wasser ganz bedeckt ist. Die Leitung hat kaum Druck und der Rest wird relativ fein in alle Richtungen zerstäubt. Irgendwie schaffen wir es trotzdem frisch geduscht und mit gewaschenen Haaren das Waschhaus wieder zu verlassen. Wir wollen uns in der Stadt erst einmal Baguettes kaufen und dann in Ruhe frühstücken. Die Karte zeigt eine Bäckerei an, aber dort gibt es keine mehr. Generell wirkt das Viertel eher wie Clubszene oder Rotlichtviertel. Ziemlich heruntergekommen, einige, jetzt natürlich geschlossene, Bars und Clubs und es laufen doch sehr merkwürdige Gestalten herum (wenn man überhaupt irgend jemanden sieht). Ein Stückchen weiter in die andere Richtung finden wir dann doch noch eine Bäckerei, kaufen frische Croissants und Baguette und frühstücken erst einmal an Bord. Eigentlich ist es ein Mittagsimbiss. Zum Einkaufen geht es anschließend zum großen Carrefour. Ein sehr großer Supermarkt, ähnlich wie in Deutschland Real oder Kaufland, wo man so ziemlich alles bekommt, was man sucht. Heute kaufen wir zunächst mal Lebensmittel ein und füllen unsere Vorräte auf. Mit drei gefüllten Taschen landen wir am Abend wieder an Bord. Und überlegen die weitere Planung, denn Lara muss ja auch irgendwann leider nach Hause und dafür müssen Zugtickets gebucht werden.

Dienstag, 31.08.2021 – Für den heutigen Tag steht die Erkundung der Burg auf dem Plan. Und wir wollen am Automaten im Bahnhof Laras Rückfahrtickets kaufen. Sie wird aber nicht von Cherbourg zurückfahren, sondern erst von Brest. Das freut uns natürlich sehr, denn es heißt, dass sie noch bis kommenden Montag bei uns an Bord sein wird. Den Bahnhof finden wir problemlos, das Buchen am Automaten ist zum Glück auch sehr einfach, da er sich auf Englisch umstellen lässt. Lediglich die letzten zwei Bedienfelder nach erfolgreicher Buchung sind mal wieder nur auf Französisch. Mit den Bahnfahrkarten in der Tasche wandern wir die Serpentinen hoch zur Burg. Der Ausblick von dort oben ist toll, denn die Sicht ist heute ganz klar. In der Festung gibt es ein Museum. Leider scheint es keinerlei Audioguide oder Informationen in einer anderen Sprache als Französisch zu geben. Und auch wenn der Eintritt mit 4 Euro wirklich nicht teuer ist, sparen wir uns das Geld. Wir wandern den gleichen Weg wieder runter, den wir gekommen sind. Die Hänge blühen lila. Zurück am Fuß des Berges stehen wir direkt vor dem Carrefour. Diesmal kaufen wir nur andere Kleinigkeiten ein, wie zum Beispiel Sonnencreme. Cherbourg ist weder pittoresk noch hübsch. Irgendwie fehlt der Stadt der Charme. Viele Geschäfte stehen leer. Man bekommt alles wichtige (und unwichtige), aber es fehlt an Flair. So verziehen wir uns relativ schnell wieder an Bord. Melanie nutzt das WiFi und die Zeit um die Bilder zu den Wochenberichten einzufügen. Es wird spät in der Nacht, bis sie damit fertig ist.

Mittwoch, 01.09.2021 – Wir lassen den Tag langsam beginnen. Chillen nennt es die Jugend. Markus und Lara laufen am Nachmittag noch einmal durch die Stadt, kaufen Schoko-Crossiants, die wirklich himmlisch schmecken, für die Tea-Time und Melanie nutzt den Tag als Bürotag. Ja, auch an Bord gibt es Aufgaben die mal einen Homeoffice-Tag benötigen. Außerdem bereitet sie ihren Onlinekurs vor. Den Abend verbringen wir dann alle gemeinsam und spielen Mario Kart auf der Switch, natürlich mit angeschlossenem Monitor. Ohne wäre es sonst etwas zu klein!

Donnerstag, 02.09.2021 – Das Schöne an Frankreich ist definitiv die leckere Backkunst! Croissants und Baguettes zum Frühstück schmecken schon sehr gut. Die Sonne scheint. Und auch wenn die Temperaturen nicht wirklich warm sind und der Wind kräftig weht, so wollen wir doch der Stadt noch einmal eine Chance geben. Es gibt sie, die paar wenigen Ecken in Cherbourg, die so etwas wie Flair versprühen, aber man muss sie suchen. Am Abend gehen wir in ein Bistro zum Essen. Das Fleisch und der Fisch sind lecker, die Pommes leider in Fett ertränkt. Was uns auch hier wieder auffällt, kaum jemand spricht Englisch, gerade auch die jungen Leute nicht. Unser Englisch ist bestimmt nicht gut, aber wir können uns damit einigermaßen verständigen. Wir können im Restaurant etwas bestellen, einkaufen gehen, nach dem Weg fragen. Unser Französisch beschränkt sich auf wenige Vokabeln, aber wir sind bemüht. Zurück an Bord räumen wir auf und fallen ins Bett. Morgen früh soll es weitergehen.

Freitag, 03.09.2021 – Cherbourg verabschiedet uns mit grauem Wetter. Kurz hinter der Hafenausfahrt setzen wir die Segel. Rund 180 sm Strecke liegen vor uns. Wir können den Strom und Wind gut für uns nutzen und so machen wir ordentlich Strecke. Rasch sind wir an den Kanalinseln vorbei. Der Wind weht stabil aus NO. Ab den Kanalinseln bedeutet das für uns, dass er somit genau achterlich kommt. Also werden die Passatsegel ausgebaumt. Und auch die Windfahnensteuerung nehmen wir zum ersten Mal in Betrieb. Markus braucht ein wenig Zeit um sie korrekt einzustellen, dann steuert sie allerdings ganz zuverlässig.  eMMa läuft gut, der Wind ist stabil, die Wellen nicht zu hoch – alles super also. Wenn da nicht Melanies Bauchprobleme wären. Wahrscheinlich ist es das fettige Essen von gestern gewesen, jedenfalls lässt ihr Darm sie ständig zur Toilette rennen. Appetit hat sie natürlich auch keinen. Aber sie schlägt sich tapfer. Wir wechseln uns wieder alle drei Stunden am Ruder ab. Genauer gesagt beaufsichtigen wir „Frieda“, denn so haben wir unsere Windfahne getauft. Sie soll für ein friedliches Segeln sorgen! Als die Sonne untergeht und Melanie ihre Wache übernimmt sehen wir zum erstes Mal auf dieser Reise Delphine. Sie schwimmen eine kurze Zeit neben eMMa her und verschwinden dann wieder im weiten Blau. Melanie fühlt sich im Umgang mit der Windfahne noch nicht fit genug, deshalb nutzen wir für die Nacht noch mal den Autopilot. Die Passatsegel bleiben aber ausgebaumt so stehen. Es läuft gut.

Samstag, 04.09.2021 – Natürlich kippt irgendwann der Strom und steht gegen uns. Das führt dazu, dass wir nur noch mit 2 kn Fahrt unterwegs sind. Die Nacht ist dunkel. Kein Mond, nur zeitweise kann man die Sterne sehen, dann allerdings sehr klar und wunderschön. Das sind diese magischen Moment auf See, in denen man nur mit sich ist. Alles andere wird dann unwichtig. Dieses friedvolle Gefühl, diese Mischung aus sich Groß und doch so Klein fühlen, kann man kaum in Worte fassen. Das sind die Momente, für die man gerne so manche Strapaze in Kauf nimmt.

Zum Beispiel immer wieder Begegnungen mit Fischerbooten. Damit sind nicht kleine Angelboote gemeint, wie sie zuhauf am Fahrwasserrand in Warnemünde sitzen, sondern große oder kleinere Fischtrawler. Sie haben als Signal Grün über Weiß gesetzt und erkaufen sich dadurch die ständige Vorfahrt, denn sie gelten als manövrierbehindert. Jetzt ist es aber leider nicht so, dass man deren Lichterführung immer optimal sieht, denn durch ihre Decksscheinwerfer leuchten sie oft wie Weihnachtsbäume. Außerdem begegnen uns immer wieder Fischer, die ohne AIS unterwegs sind, was die Identifizierung noch zusätzlich erschwert. Und um das Chaos dann noch zu komplettieren, ändert das fischende Fahrzeug auch gerne mal (für uns völlig wahllos) die Richtung. Und genau so ein Fischtrawler sorgt in dieser Nacht für einen zeitweise hohen Puls bei Melanie und Markus. Kein AIS, die Sicht ist diesig, auf dem Radar keine klare Richtung zu sehen und dazu machen wir wenig Fahrt, weil der Strom gegen uns steht. Wir werfen die Maschine kurzzeitig an und sorgen mit Motorkraft dafür aus seinem Umfeld zu verschwinden. Danach setzen wir unseren Weg nur unter Segel weiter fort. 

Am Morgen kommt die Sonne kommt, aber nur über uns. Drumherum sind nur etwa 2-3 sm Sicht, alles verschwindet in Dunst. Und obwohl wir gar nicht mehr soweit von Land entfernt sind, kommt keine Küstenlinie in Sicht. Melanie geht es deutlich besser, der Darm hat sich beruhigt. Jetzt muss nur noch der Appetit wieder zurück kommen. Und dann ziehen wieder Delphine diagonal hinter eMMas Heck durch. Eine größere Gruppe, wir sehen immer wieder ihre Rückenflossen. Die Segelstellung verändern wir kein bisschen, der Wind kommt stabil aus Nordost und variiert nur etwas in der Stärke. Am Nachmittag fallen wir weiter vom Kurs ab und müssen die Passatsegel wegnehmen. Der Rückbau der Bäume klappt super. Es ist wie so vieles im Leben einfach eine Übungssache. Routine haben wir noch nicht darin, aber es kommt so langsam. Melanie legt sich zur Freiwache hin, als plötzlich der Ruf „Delphine“ durch das Boot schallt. Rasch stehen wir alle drei am Bug und können uns gar nicht satt sehen. 25 Minuten lang spielt eine Gruppe Delphine am Bug von eMMa. Es ist ein so super tolles Erlebnis! Diese Tiere in Freiheit beobachten zu können, so nahe, dass man nur den Arm ausstrecken müsste. Ihre Lebensfreude, Kraft und Energie zu spüren, zu sehen, wie schnell sie schwimmen können! Dann ziehen sie weiter und lassen uns drei mit glücklich glänzenden Augen und einem Lächeln im Gesicht zurück. Am späten Nachmittag steht dann wieder der Strom gegen uns und der Wind hat deutlich abgenommen. Wir starten den Motor. Die richtige Entscheidung, denn der Wind nimmt immer weiter ab. Aber das war auch so angekündigt. 

Endlich kommt auch mal das Land in Sicht, auch wenn es noch immer sehr diesig ist. Wir werden also mal wieder im Dunkeln in der Ankerbucht ankommen. Melanie fragt Markus, ob die Fahrwassertonnen beleuchtet sind. Ja, es sind alles befeuerte Tonnen, also kein Problem. Die Küste hier ist sehr schroff und felsig. Die Seekarte wird geziert von zahlreichen Schiffswracks. Gut, dass das Wetter so ruhig gerade ist. Wir genießen einen wunderschönen Sonnenuntergang und Markus verabschiedet sich in seine Freiwache. Eine Viertelstunde später haben wir den dicksten Nebel. Melanie steht am Ruder und übernimmt die Fahrt unter Radar und Plotter. Sie sitzt dabei vor dem Bildschirm und achtet darauf, dass unsere Kurslinie schön im Fahrwasser bleibt. Markus ist recht angespannt, denn er kann ja nichts tun. Nicht einmal Ausschau halten, denn außer eine weiße Wolkenwand (unser Hecklicht reflektiert darin) und schwarzer Nacht, sieht man halt nichts. Selbst die Leuchttonnen werden nicht gesehen, denn der Nebel ist zu dicht. Natürlich ist es inzwischen stockdunkel, aber selbst wenn es hell wäre, würden wir nicht mehr sehen. Wir sitzen in einer Wolke und so fühlt es sich auch an. Nass, kühl, aber erstaunlicherweise nicht richtig kalt. Lara putzt immer wieder Melanies Brille, weil sich die klitzekleinen Wassertropfen des Nebels darauf absetzen.

Sonntag, 05.09.2021 – Um 0:30 Uhr fällt unser Anker dann auf 10 m Wassertiefe. In der Bucht liegen noch zwei weitere Boote. Auf dem Radar sind sie gut zu erkennen. Ihre Ankerlichter schimmern erst bei weniger als 200 m Entfernung durch die Nebelwand. Wir fallen müde in die Kojen und schlafen erst einmal aus. Beim Aufwachen ist der Nebel immer noch da, aber immerhin können wir schon unsere Nachbarlieger sehen und die ersten Strukturen von Land sind erkennbar. Wir frühstücken etwas, danach hat sich der Nebel noch mehr gelichtet, auch wenn er noch nicht verschwunden ist. Die See ist spiegelglatt. Überall in der Bucht und am Fahrwasserrand halten sich kleine Angler-Boote auf. Die Wasserschutzpolizei kontrolliert die Angler. Wir holen den Anker auf und fahren Richtung Brest.

In der Brest-Marina du Château legen wir längsseits am Steg an. Markus und Melanie melden uns beim Hafenmeisterbüro an. Wir haben wieder mal Glück, denn die Dame am Tresen spricht sehr gut Englisch, ist super nett und hilft uns in allen Fragen weiter. Und so ganz langsam kommt die Sonne heraus und endlich wird es warm! Lara und Melanie gehen erst einmal Duschen. Anschließend darf Lara das Programm für heute bestimmen. Es ist ihr letzter Tag bei uns an Bord. Morgen früh geht ihr Zug nach Hause. Sie entscheidet sich für den Gang durch die Stadt und den Besuch des Botanischen Gartens. Wir erfahren von der freundlichen Hafenmitarbeiterin, dass der Eintritt dort frei ist und man nur für den Eintritt in die Gewächshäuser etwas bezahlen muss. Wie viel das ist, kann sie uns leider auch nicht sagen. Wir haben es vorher auch schon versucht zu recherchieren, aber die Internetseite ist leider komplett nur in Französisch. Nun sitzt die Hafenmitarbeiterin davor und sucht. Kann uns aber leider ebenfalls nur die Auskunft geben, dass sie keine Preise findet. Sie findet etwas für den Zeitraum Juli/August und ab Ende Oktober, aber dazwischen leider nichts. Aber der Garten sei riesig und wunderschön. Also machen wir uns dahin auf den Weg. Brest ist hügelig! Wir laufen Treppen und einige Straßen ziehen sich ganz schön den Berg hinauf. Immer wieder hat man einen tollen Ausblick über die Bucht. Es gefällt uns. Und natürlich gefällt es uns, dass endlich T-Shirt-Wetter ist! Wir haben den Sommer gefunden! In der Stadt halten wir an einem Imbissladen an und kaufen uns belegte Baguette. Nach etwa einer Stunde zu Fuß (wir hätten auch die Tram nehmen können) erreichen wir den Botanischen Garten. Aber auch der Weg dorthin gefällt uns. Immer wieder gibt es kleinere und größere Parks mit Sitzgelegenheiten, Boule-Bahn und Spielplätzen. Das Ambiente gefällt uns deutlich besser als in Cherbourg. Und der Botanische Garten ist ein Traum! Man findet ganz viel Schatten, viele Wiesen, auf denen man auch sitzen darf, einen tollen Bachlauf mit Wasserfall quer durch das Gelände, viele Wege auch abseits der Hauptwege und ganz viele große, alte Bäume! Blumen blühen um diese Jahreszeit eher weniger, aber allein diese grüne Vielfalt ist schon fantastisch. Wir kraxeln einen Hügel hoch, suchen uns eine Bank im Schatten und genießen die Ruhe.

Wir laufen bis zum Port du Moulin Blanc. Dort gibt es einen Sandstrand und Melanie nutzt die Gelegenheit um bis zu den Knien ins Wasser zu warten. Tut das gut! Ein Eis bekommen wir auch um die Ecke. Und so gestärkt starten wir den Rückweg. Wir überlegen kurz mit dem Bus zurück zu fahren, aber es ist Sonntag und da fahren die Busse nicht so häufig. Wir entscheiden uns für den Rückweg zu Fuß, auch wenn das zum Schluss doch ganz schön viel ist. Ein Blick auf die Fitnessuhr sagt uns, dass wir heute 18 km gelaufen sind! Zurück an Bord essen wir Reis und Hühnerfrikassee und genießen den Sonnenuntergang im Cockpit. Den Abend lassen wir gemütlich ausklingen, nach dem Lara ihren Koffer schon mal soweit gepackt hat.

Wochenbericht 6 (KW 34)

vom 23.08.2021 bis zum 29.08.2021

Montag, 23.08.2021 – Wir haben beide schlecht geschlafen und von längst vergangenen Arbeitgebern geträumt. Was will uns das denn bitte schön sagen? Im Status mehrerer Freunde sehen wir Vollmond-Fotos. Okay, dass erklärt es wohl. Wir legen nach dem Aufstehen auch gleich ab. Markus steht am Ruder, Melanie an den Leinen, eindampfen in die Vorspring, dann dreht das Heck von eMMa langsam herum, rückwärts gedreht und los. Mit der Weile wissen wir sehr gut wie eMMa reagiert. Markus fährt unter Maschine das Fahrwasser entlang, während Melanie Reisetagebuch schreibt. Dass ihr dabei plötzlich unerwarteter Weise auffällt, dass heute Montag ist und sie den Wochenbericht noch nicht online, geschweige denn geschrieben hat, ist euch ja bereits bekannt. Aber der Bericht muss jetzt noch bis Middelburg warten, denn in der Ankerbucht war das Internet nicht so gut. So fahren wir also zunächst das Fahrwasser des Versemeers entlang bis Veere. Dort müssen wir durch die Schleuse. Melanie funkt den Schleusenwärter an, der uns die Information gibt, dass wir in 10 Minuten geschleust werden können. Nach dieser Wartezeit öffnet sich auch wie versprochen das Schleusentor, aber im Schneckentempo. Ein so langsames Schleusentor hatten wir auf der ganzen Reise noch nicht gehabt. Der Schleusenhub geht dieses Mal immerhin knapp 80 cm nach oben. Auch auf der anderen Seite geht das Schleusentor nur im Schneckentempo auf. Nach dem Auslaufen aus der Schleuse setzen wir die Genua (unser Vorsegel). Den Motor lassen wir in Standby mitlaufen, denn ganz ohne traut Melanie sich in dem sehr schmalen Kanal dann doch nicht. Die Genua zieht uns mit 3-4 kn vorwärts und eigentlich ist es schon fast schade, als wir sie in Middelburg wegrollen müssen. Aber Weiterfahren wäre sowieso nicht gegangen, denn als nächstes kommen mehrere Klapp- und Drehbrücken. Aber für heute biegen wir unter Motor nach rechts ab und machen am Meldesteiger des WV Arne in Middelburg fest. Bei der Hafenmeisterin bekommen wir einen Platz zugewiesen, zahlen unser Liegegeld, erhalten den WiFi Code und können dort den Chip für die Müllcontainer ausleihen. Die Klappbrücke in den Hafen öffnet erst in 15 Minuten. Wir nutzen die Zeit um den Müll wegzubringen. An vielen Stellen findet man in den niederländischen Städten solche Müllcontainer. Sie werden mit einem Chip bedient (über den wohl auch beim Entsorgungsunternehmen abgerechnet wird). Man hält den Chip vor ein Lesegerät im Mülleimer, dann kann man die Klappe öffnen und den Müllbeutel einwerfen, anschließend verriegelt die Klappe direkt wieder. Der eigentliche Müllcontainer befindet sich unterhalb des Gehwegs und kann von der Müllabfuhr elektrisch hochgefahren werden, wie bei einem Aufzug. Nach der Müllentsorgung schauen wir uns schon mal den Platz an, wohin eMMa gleich verlegt wird, von Land an. Kurz darauf öffnet sich die Brücke und wir fahren in den pittoresken Hafen. Wirklich schön hier!

Auch an Bord gibt es so etwas wie Haushalt. Wäsche waschen, aufräumen, Einkaufen, dazwischen ein Gang zum Yachtausrüster. Wir haben eine Einkaufsliste für eMMa. Jedes Mal, wenn uns etwas einfällt, kommt das darauf und wenn wir in einer Stadt einen Yachtzubehörladen finden, dann schauen wir, was wir von dieser Liste akut brauchen und was wir dort bekommen können. Danach entscheiden wir, was jetzt angeschafft wird und was auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden kann.

Natürlich steht heute auch noch Stadt angucken und schauen, wo der Bahnhof ist auf unserem Programm, aber zuvor nutzt Melanie ausgiebig die Duschen des Hafens. Mit frisch gewaschenen Haaren und gut duftend machen wir uns also auf den Weg in die Altstadt. Auch Middelburg hat eine mächtig alte Geschichte mit vielen tollen alten Häusern, Kirchen, einem Kloster und aber auch einer tollen Fußgängerzone mit ganz vielen unterschiedlichen Geschäften. Uns fällt auf, dass es bisher in jeder Stadt, in der wir in den Niederlande waren, mindestens ein Musikfachgeschäft gibt. Die Niederländer müssen sehr musikalisch sein! Melanies Aufmerksamkeit erlangt allerdings diesmal mehr ein Kreativ-Fachgeschäft. Sie fühlt sich sofort in ihre Kindheit zurückversetzt. Hier bekommt man alles, was das Herz begehrt. Egal ob fürs Basteln, Malen mit den unterschiedlichsten Materialen, Fimo, Ton, Handarbeiten, Häkeln, Filzen, Patchwork, Zeichnen, Malen nach Zahlen, Kerzengießen, Keramik bemalen, Holzbrennerei und auch neuere Trends wie Scrapbooking, Sketchbooking und vieles mehr. 

Auf dem Weg Richtung Bahnhof bleiben wir kurz stehen um auf unsere Offline-Karte auf dem Handy zu schauen. Die App heißt übrigens Guru Maps und ist sehr zu empfehlen. Melanie fährt sich mit der linken Hand durch die Haare, weil sie dort etwas krabbelte. Tja, die frisch gewaschenen Haare haben dazu geführt, dass eine Biene sie mit einer wohlriechenden Blume verwechselte. Sie war gerade dabei hinter Melanies Ohr unter das Stirnband zu krabbeln. Dass Melanie sie dabei stört, findet sie nicht so toll und sticht ihr in den Daumen. Das tut weh! Der Stachel ist zum Glück nicht steckengeblieben, aber der Daumen wird rasch dick. Wir finden den Bahnhof, wo wir morgen Lara einsammeln müssen, und an Bord kommt erst einmal ein Kühlakku auf den Daumen.

Dienstag, 24.08.2021 – Wir beginnen den Tag ganz langsam und gemütlich. Haushalt machen, die gewaschene Wäsche von gestern zusammen legen und die Gästekabine vorbereiten. Und Markus geht joggen. Wieder mal 10 km! Melanie hat keine Ahnung, wie er das immer wieder schafft. Pünktlich, nicht wie die Deutsche Bahn, kommt Laras Zug am Mittag um 13:31 Uhr in Middelburg an. Es ist so schön, sie wiederzusehen! Markus läuft noch einmal zum Supermarkt und besorgt weitere Getränke, während Melanie mit Lara zusammen schon mal Richtung Boot läuft. Sie beobachten das Geschehen rund um die Drehbrücke. Es ist immer wieder faszinierend die Abläufe zu beobachten. Die Drehbrücke ist nur für Fußgänger, Radfahrer und Rollerfahrer freigegeben, außerdem dürfen die Linienbusse sie nutzen. Der Verkehr wird auf beiden Seiten durch jeweils einen Verkehrspolizisten geregelt. Und zwar so richtig mit Trillerpfeife und Handzeichen! Verkehrsballett vom Feinsten! 

Am Nachmittag schlendern wir gemeinsam mit Lara durch die Altstadt, schauen uns die Klostergebäude an und essen eine Portion Kibbelinge. Außerdem kaufen wir zwei Postkarten, eine für Oma Christel und eine für Sara (Melanies Bezugspflegekind aus ihrer alten Arbeit). Wieder an Bord schreibt Melanie sie fertig, die Briefmarken hat sie auch gleich mit gekauft. Jetzt nur noch abschicken, aber wo ist der nächste Briefkasten? Wir suchen auf der Handykarte – Fehlanzeige. Auch die Offlinekarte gibt uns keine befriedigende Auskunft. Also fragt Melanie kurzerhand unseren neuen Nebenlieger, ein Niederländer, der auch Deutsch sprechen kann. Er kommt zwar nicht von hier, sucht aber auf der Homepage der niederländischen Post für uns und zeigt den Briefkastenstandort auf der Karte an. Lara und Melanie machen sich auf die Suche und werden am genannten Ort auch fündig. 

Zurück an Bord besprechen wir gemeinsam die Pläne für die nächsten Tage. Morgen werden wir das allerletzte Stück Staandemastroute fahren und dann wieder auf die Nordsee rausgehen. Melanie ist nervös davor und kann selbst gar nicht so genau sagen, warum.

Mittwoch, 25.08.2021 – Wir stehen zeitig auf, weil wir die Brückenöffnung um 8:15 Uhr mitnehmen müssen. Unser Nachbarlieger, der uns gestern mit dem Briefkasten geholfen hat, hat bis Vlissingen heute den gleichen Plan wie wir. Und so fahren wir gemeinsam durch die kleine Hafenbrücke und danach den Kanal bis Vlissingen entlang. Unterwegs kommen noch ein paar Brücken hinzu. In Vlissingen trennen sich dann unsere Wege, das andere Boot sucht sich einen Liegeplatz und wir gehen durch die Schleuse weiter in die Nordsee. Wir werden gemeinsam mit einem Fischkutter in der kleinen Schleusenkammer geschleust. Die füllen die beiden Schiffe auch gut aus. Der Schleusenhub beträgt gute 2 m und es geht abwärts. Aus Vlissingen heraus machen wir ordentlich Fahrt, denn der Strom schiebt uns. Wir müssen das breite und gut befahrene Fahrwasser queren und so beginnt für uns  ein Zick-Zack-Lauf zwischen den großen Pötten durch. Auf der anderen Seite des Fahrwassers, natürlich außerhalb der Tonnenmarkierung, also quasi auf dem Seitenstreifen, setzen wir die Segel. Es folgt ein toller Segeltag. Irgendwann kippt der Strom und nun wird das Wellenbild abgehakt und unruhig. Markus schaut sich noch mal die Häfen von Belgien im Reeds an. Das bekommt ihn noch nicht so gut und er benötigt erst einmal eine Erholungspause für seinen Magen. Melanie segelt eMMa Richtung Nieuwpoort. Wir können den Kurs nicht ganz anliegen lassen und entscheiden uns etwa 4 sm vor der Einfahrt dazu die Segel wegzunehmen und unter Motor den direkten Kurs zu fahren. Nächstes Mal kreuzen wir wieder vor dem Wind, denn das Gerolle ist wirklich ätzend! Es erfordert viel Aufmerksamkeit nach Nieuwpoort einzulaufen, da die Wellen noch weit hinein rollen. Und da steht doch tatsächlich an der Einfahrt Geschwindigkeitsbegrenzung 5 kn! Aufgrund der Wellen ist es unmöglich diese einzuhalten. Aber hinter den langgezogenen Molen und der Baustelle für ein neues Sperrtor beruhigen sich die Wellen sehr schnell. Wir legen am Meldesteg für die „Visitors“ im riesigen Yachthafen von Nieuwpoort an. Gar nicht so einfach, denn dort ist nur wenig Platz und vor uns am Längssteg liegt bereits eine Yacht. Markus und Melanie machen sich auf den Weg zum Hafenmeisterbüro. Der Hafenmeister legt für eMMa ein neues Profil an, denn natürlich waren wir bisher noch nie hier. Er schaut im System nach und weist uns einen Platz zu. Steg E vor Kopf als zweites Boot hinter einem Motorboot. Wir schauen uns den Platz zunächst vom Steg aus an, besprechen das Manöver und gehen dann zurück an Bord. Lara ist so lieb und geht über den Steg an den neuen Platz. Das ist hilfreich, da sie dann die Leinen direkt an Land annehmen kann, denn viel Platz haben wir nicht. Danach wird alles gut vertäut. Wir haben direkt für zwei Tage bezahlt, da für morgen viel Wind und Regen angesagt ist.

Donnerstag, 26.08.2021 – Wir schlafen aus. Markus und Melanie machen sich gemeinsam auf den Weg zum Waschhaus. Die Marina ist riesig. Laut Reeds hat sie mehr als 1000 Liegeplätze! Wir beschließen vom Waschhaus aus direkt zum Bäcker zu laufen und Brot und Brötchen zu kaufen. Ein Fußweg von 15 Minuten, einfacher Weg. Wir haben wohl den beliebtesten Bäcker der Stadt erwischt, denn die Schlange davor ist viele Meter lang. Hier in Belgien tragen auch wieder alle Masken und halten schön Abstand. Mit den Backwaren unter dem Arm kommen wir wieder an Bord an. Passend, denn da fängt es auch schon an zu schütten! Lara hatte sich schon gedacht, dass wir Brötchen holen waren, denn warum sollten wir sonst so lange wegbleiben! Wir frühstücken gemütlich. Das Wetter lädt eigentlich nicht zum Spazierengehen ein, aber wir brauchen alle etwas Bewegung und frische Luft. Auf gehts, Nieuwpoort wartet! Es gibt einen Altstadtbereich, wo sich eine interessante, wenn auch etwas düstere Kirche und ein weiterer „Kirchturm“ befindet. Dieser entpuppt sich allerdings als ein Wehrturm mit angrenzendem Ratssaal. An vielen Ecken findet man Kunst. Und wie das so mit Kunst ist, bei manchen Sachen fragt man sich „Ist das Kunst oder kann das weg?“. Auch hier finden wir interessante kleine Fachgeschäfte, die man in Deutschland nur noch selten findet. Die Geschäfte haben allerdings alle Mittagspause und so bewundern wir nur ausgiebig ihre Schaufenster. Melanie gerät fast aus dem Häuschen, als sie ein Patchworkfachgeschäft entdeckt und an den Fenstern eines Modellbaugeschäfts können wir uns kaum sattsehen an den vielen Details mehrerer Puppenstuben.

Wir trotzen dem Regen und laufen noch etwas an der Promenade entlang. Auch hier landen wir wieder einmal in einem Yachtausrüster-Geschäft und können hier endlich eine Gastlandflagge für Spanien erwerben. Als es dann zum vierten Mal regnet, entscheiden wir uns für den Rückweg. Bei der Bäckerei vom Morgen kaufen wir Tortenstücke zum Mitnehmen. Zurück an Bord kochen wir dazu einen Tee, machen es uns unter unserer Kuchenbude im Cockpit gemütlich und genießen die belgische Kuchenkunst. Sehr lecker! Dabei besprechen wir den großen Plan für die nächsten Tage. Das Wetterfenster passt für die Fahrt durch den englischen Kanal. Also werden wir es nutzen. Wie oft wir heute schon die Tide berechnet haben, die Abfahrtszeit festgelegt haben und die Wind- und Wellendaten gecheckt habe – wir wissen es nicht mehr! Wir rechnen mit ca. 48 h auf See! Es ist nicht das erste Mal, dass wir so lange unterwegs sein werden, aber das erste Mal im englischen Kanal. Und vor dem Schiffsverkehr dort, hat vor allem Melanie einen Heidenrespekt!

Freitag, 27.08.2021 – Wir stehen um 7 Uhr auf um alles in Ruhe vorzubereiten. Um 9 Uhr bringt Markus noch die Waschhaus-Karte ins Hafenmeisterbüro. Um 9:40 Uhr legen wir ab. Sogar die Sonne lässt sich blicken! Tide und Strom wurden von uns korrekt berechnet bzw. abgelesen und so geht es mit ordentlich Tempo Richtung Calais. Damit wir die Stunden gut schaffen, beginnen wir sofort nach dem Segelsetzen mit unserem bewährten Wachrhythmus. Alle drei Stunden wird gewechselt. 

Wir haben die Wind- und Wellenvorhersage mehrfach diskutiert und uns dazu entschieden uns nach Calais auf der englischen Seite des Kanals aufzuhalten, da die Welle auf der französischen Seite durch den anhaltenden Nordwind deutlich ruppiger ausfallen wird. So biegen wir nach Calais also wir rechts ab, denn der englische Kanal besteht aus einem riesigen Verkehrstrennungsgebiet. Man muss sich das etwa so vorstellen wie eine mehrspurige Autobahn für Schiffe. Das ganze wird von einem Mittelstreifen getrennt und jede Spur ist etwa 4 bis 5 sm breit. Mit einem Segelboot von einer Seite auf die andere zu fahren ist also wie zu Fuß eine Autobahn zu überqueren. Allerdings ist unsere Variante erlaubt, wenn es auch bestimmten Regeln unterliegt. An die halten wir uns sehr genau. Melanie hatte unglaublich viel Respekt davor und ausgerechnet sie hat nun ihre Wache genau in diesem Reiseabschnitt. Aber es stellt sich heraus, dass es gar nicht so schlimm wird, wie sie es befürchtet hatte. Es sind einige große Frachter und Tanker unterwegs, aber sie sind ebenso gut auf dem AIS sichtbar, wie die großen Fähren zwischen Calais und Dover auch. Dadurch, dass wir heute so gut Fahrt gemacht haben, haben wir diesen Streckenabschnitt nun noch vor Sonnenuntergang hinter uns. Auf der englischen Seite angekommen hissen wir die englische Gastlandflagge und machen ein Foto. Denn es ist schon etwas besonderes, dass wir mit eMMa nun hier sind, auch wenn wir England aus unterschiedlichen Gründen nicht anlaufen werden. eMMa ist in England gebaut worden und der Vorbesitzer kommt aus England. Unsere Wettertaktik geht auf und so haben wir eine relativ ruhige Fahrt durch die Nacht an der englischen Küste entlang. 

Was wirklich ätzend ist, ist der Strom im englischen Kanal! Etwa alle 6 Stunden kippt die Tide und damit auch die Strömung. Das ist bei Wind aus Nord bis Nordost so lange schön, wie der Strom mit einem läuft. Aber in den anderen 6 Stunden läuft er gegen den Wind und dann wird die Welle unruhig, kurz, hakelig und ätzend. Es ist dann unglaublich viel Bewegung im Schiff. Bewegungen, die auch oft nicht vorhersehbar sind. Der Körper ist also dauerhaft in Bewegung, gleicht jede Schiffsbewegung aus, auch im Schlaf. Melanie ist innerlich sehr angespannt. Ihr ist nicht übel und sie ist auch nicht seekrank, aber ihr Körper ist so fest, dass sie einfach nichts essen kann. Markus bietet ihr immer wieder etwas an, aber bis auf kleine Bisse, bringt sie nichts runter. Trinken geht aber zum Glück ganz gut. So geht es in die Nacht. Zunächst können Melanie und Lara noch die Sterne beobachten. Es ist so schön, wenn man die Milchstraße so klar und deutlich über einen stehen sehen kann! Später dann, als Lara ins Bett verschwindet, geht der Mond auf. Hier auf dem Wasser wirkt die Nacht dann ganz schön hell.

Samstag, 28.08.2021 – Am frühen Morgen rächt sich die verminderte Kalorienzufuhr bei Melanie. Der Schlafmangel tut sein übriges und sie muss Markus bitten, seine Wache eine Stunde eher zu übernehmen. Sie versucht in der Koje etwas Schlaf nachzuholen und isst am Morgen eine Nektarine. Markus genießt den Sonnenaufgang auf See, auch wenn es wirklich kalt geworden ist. Die nächste Wache übernimmt Melanie dann wieder wie geplant. Viel Schlaf bekommt keiner von uns, da es immer wieder zu ekeligen Wellenbildern kommt. Am Tag lassen wir dann das Verkehrstrennungsgebiet hinter uns und queren diagonal von der englischen auf die französischen Seite. Das hört sich nach „mal eben“ an, bedeutet aber viele Stunden Segeln. Und immer wieder kreuzen große Schiffe unseren Weg. Viele sind so freundlich und passen ihren Kurs an, so dass wir unter Segeln unseren Kurs bei behalten können. Zwischendurch schläft der Wind mal für zwei Stunden ein, die See ist total ruppig und wir fahren diese Zeit unter Motor, damit wir überhaupt etwas Fahrt in die richtige Richtung machen, denn der Strom steht wieder mal gegen uns. Zum Abend hin sind wir schon wieder auf der französischen Seite und wechseln schon mal die Gastlandflagge. Die Nacht fühlt sich sich deutlich wärmer an, als die letzte.

Sonntag, 29.08.2021 – Der Wind hat weiter auf Nordost gedreht, was für uns heißt, dass wir vor dem Wind kreuzen müssen. Wir hätten auch unser Passatsegel setzen können, aber es gibt zwei Dinge, die dagegen sprechen. Nummer eins ist das Wellenbild, denn dadurch ist deutlich weniger Druck im Segel und es wird noch schaukeliger. Nummer zwei ist Melanie, sie schafft es wenigstens bis zum Morgen eine Banane zu essen. Es fehlt ihr einfach an Energie und für das Passatsegel müssen wir bei diesem Wind die Bäume ausrichten, dafür fehlt ihr aber heute einfach die Kraft und die Geduld und so verwerfen wir das ganze für dieses Mal. Für denjenigen, der am Ruder steht ist es zwar anstrengend, weil er ständig jede Bewegung mit dem gesamten Körper ausgleicht, aber für die Leute in der Freiwache ist es nicht weniger anstrengend, weil sie zum einen im Liegen trotzdem die Bewegungen ausgleichen, zum anderen die Geräuschkulisse einen oft aus dem Schlaf reißt. Wir segeln bis knapp eine sm vor die Hafeneinfahrt. Dort bergen wir die Segel und fahren unter Motor durch die riesige, westliche Durchfahrt in die Bucht von Cherbourg. Das erste Morgenlicht hilft uns bei der Auswahl des Ankerplatzes. Der Anker fällt auf 5 m Wassertiefe. Die riesigen Befestigungsmauern halten die ruppigen Wellen weitestgehend draußen. Wir setzen den Ankerball, machen vorsorglich noch das Ankerlicht an, da die Sonne noch nicht aufgegangen ist. Danach fallen wir in die Kojen und holen erst einmal etwas Schlaf nach.

Nach einem späten Frühstück wird erst einmal aufgeräumt. Später machen wir das Dinghy fertig. Der Außenborder springt dieses Mal sofort an. Da hat Markus beim letzten Mal gute Arbeit geleistet. Er freut sich und düst erst einmal eine Runde und erkundet die Umgebung. Lara und Melanie sehen neben eMMa einen Seehund auftauchen, der sich erst einmal neugierig umschaut, bevor er wieder abtaucht.

Wir machen uns mit dem Dinghy auf den Weg zum Land. Zu Fuß umrunden wir das Militärgelände, schauen uns den breiten Sandstrand, es ist Niedrigwasser, an und wollen uns ein Eis kaufen. Aber die Schlange am Kiosk ist uns einfach zu lang. Wir erkunden die alten Gassen dieses kleinen Ortes, der zu Cherbourg gehört. Die Sonne scheint und es ist warm. Wir kraxeln hoch zur Kirche und dem örtlichen Friedhof. Drumherum gibt es viele kleine, enge Gassen, tolle Blumen und viel Grün. Die Aussicht von dort oben ist einfach toll! Und wir sehen eMMa in der Bucht unter uns liegen. Auf dem Rückweg zur Bucht halten wir Ausschau nach einem Bäcker, Kiosk oder Eiscafé, aber es kommt nichts mehr. Unser Dinghy liegt, angeschlossen und festgebunden, noch immer an der Stelle, wo wir es hinterlassen haben. Nur ein paar Meter tiefer als zuvor, aber das hatten wir eingeplant. Vorsichtig laufen wir über die rutschige Steinrampe, klettern ins Beiboot und düsen zurück zur eMMa. Wieder an Bord sitzen wir gemütlich in der Sonne im Cockpit. Markus macht den Grill an und Lara traut sich echt schwimmen zu gehen. Das Wasser ist ganz schön kalt, aber sie schwimmt tapfer einige Runden um eMMa herum. So lässt es sich aushalten!

Wochenbericht 5 (KW 33)

vom 16.08.2021 bis zum 22.08.2021

Keine Sorge, liebe Blogleser, wir haben euch – vergessen! Oder genauer gesagt, wir haben ganz vergessen, welcher Wochentag ist. Bei uns fühlt sich eigentlich fast jeder Tag wie Samstag an. Judith und Sönke Rövers haben ihr Buch nicht umsonst „1200 Tage Samstag“ genannt. Das Buch ist übrigens sehr zu empfehlen! Und wir wissen auch nun warum. Man kann ausschlafen, hat dann ein paar Sachen zu erledigen wie Wäsche waschen oder Einkaufen oder Routenplanung oder Haushalt oder oder oder. Dann segelt man ein Stück, oder auch ein längeres Stück, legt irgendwo an, entdeckt etwas Neues und man kann lange aufbleiben, also all das, was man sonst immer nur am Samstag gemacht hat.

Nun schreibt Melanie ja zum Glück Reisetagebuch und dadurch kann sie unseren Samstag meistens auch einem Datum zuordnen. Allerdings ist das gestern irgendwie durchgerutscht und so erhaltet ihr diesen Wochenrückblick erst am Montag Abend statt schon am Sonntag Abend.

Samstag (Montag), 16.08.2021 – Wir legen um 9:40 Uhr von unserem Liegeplatz in Dordrecht, längsseits an einem großen Motorboot, ab und passieren um 9:50 Uhr die kleine, sehr schmale Durchfahrt durch die Klappbrücke des Hafens. Leider zeigt die große Eisenbahnbrücke bereits grün, als wir um die Ecke biegen. Das schaffen wir nicht, dafür ist die Strecke zu lang! Also eine Stunde warten! Am Wartesteiger liegt eMMa sehr unruhig, weil ständig Berufsschiffe auf der Oude Maas entlang fahren und die Waterbusse entlang düsen. Der Wind ist heute kräftig und der Himmel grau. Und Melanies Laune ist auf einem Tiefpunkt, denn ihr Tag hat nicht so gut angefangen. Sie ist vom Regen geweckt worden. Gestern haben wir schlauerweise noch die Kuchenbude geschlossen, aber alle Luken offen gelassen. So war Melanie heute morgen von 0 auf 100 in drei Sekunden, ist durchs ganze Boot geflitzt und hat alle Luken geschlossen und Regenwasser aufgewischt.

Als die Eisenbahnbrücke endlich das Zeichen gibt, dass sie gleich öffnet, sind wir abfahrbereit. Rasch abgelegt und durch die Brücke. Es bleibt an diesem Tag wieder nicht die Einzigste. Immer wieder ergießen sich Regenschauer über uns. Melanie verzieht sich unter Deck und schreibt mit ihrer Freundin Susi WhatsApp Nachrichten, die sie etwas aufmuntern sollen. Aber so richtig wird ihre Laune nicht besser und so gibt es zum ersten Mal seit Abreise zwischen uns Stress, denn auch Markus schlägt dieses dauergraue Wetter aufs Gemüt und die Laune.

Vor der Volkerak-Schleuse beschließen wir, dass es heute keinen Sinn mehr für uns macht, heute noch weiterzufahren. Dafür müssen wir an die Übernachtungsseite des Stegs verlegen. Wir laufen gemeinsam den Steg rauf und finden noch eine sehr enge Lücke. Dreimal schreiten wir die Lücke ab, zählen die Schritte, gehen zurück zur eMMa, zählen wieder Schritte. Es müsste passen. Und es passt auch, dank eines perfekten Anlegemanöver der beiden, Melanie am Rad, Markus an den Leinen! Das hebt die Stimmung gleich etwas. Bei einem Gin Tonic sprechen wir noch mal über den Tag und räumen die Missverständnisse aus dem Weg. Wir lassen den Abend dann mit Chips, Gummibärchen, Getränken und einer Runde Mario Party auf der Switch ausklingen. Gibt das Leben dir Zitronen – mach Limonade draus!

Samstag (Dienstag), 17.08.2021 – Melanies Laune ist heute zum Glück besser, das Wetter leider nicht. 16 Grad und immer wieder dicke Regenschauer, häufig Nieselregen, man könnte meinen, es ist Herbst! Wir sprechen über die Gegensprechanlage am Steg mit der Schleuse. Die Dame auf der anderen Seite der Leitung ist sehr nett und bestätigt uns, dass wir mit unserer Masthöhe nicht in der Yachtschleuse geschleust werden können, weil wir anschließend nicht unter der Autobahnbrücke durch passen. Wir sollen zur Berufsschleuse rüber fahren, dort die Schleuse anfunken und dann werden wir dort mit geschleust und das Brückenteil der Autobahnbrücke ist dort klappbar. So machen wir es also! Vor uns fährt ein großes Frachtschiff in die Schleuse ein und wir erhalten die Anweisung über Funk, dass wir am Schleusenende festmachen sollen. Der Höhe des Schleusenhubs beträgt 60 cm. Als der Schleusenvorgang beendet ist, fährt das Berufsschiff heraus und wir müssen noch warten. Denn nun wird für uns wird die Autobahn nun lahmgelegt, zumindest für ein paar Minuten. Als die Brücke oben ist, fahren wir raus und ein anderer Segler von der Gegenrichtung wieder rein.

Auf dem Volkerak herrscht starker Schiffsverkehr. Wir folgen diesem flußähnlichen Gewässer etwa 5 sm und biegen dann bei Benedensas Richtung Steenbergen in einen kleinen Seitenarm ab. Eigentlich wollen wir am Ufer vor der kleinen Schleusen-/Fußgängerbrücke festmachen. Das darf man auch, aber wir finden keine Möglichkeit die Leinen vernünftig zu befestigen. Und unsere Schärennägel werden hier in dem sumpfigen Boden auch keinen Halt finden, so dass die 12 Tonnen eMMa sicher auch bei kräftigen Böen liegt und fest ist. Erst am nächsten Tag sehen wir, dass es eine Befestigungsmöglichkeit unter dem überwucherten Rand gibt. Auf die Idee dort zu suchen wären wir beide nicht gekommen. So fahren wir eMMa also wieder ein Stück zurück, wenden und nehmen dieses Mal den Weg durch die offene Schleusenkammer. Einzig eine kleine Fußgängerbrücke, die sich auf Anforderung von Fußgängern oder Radfahrern über denn Kanal schiebt, versperrt von Zeit zu Zeit für einige Minuten den Weg. So landen wir also im kleinen, idyllischen Yachthafen De Vliet, zahlen unser Liegegeld brav mittels Briefumschlag und werfen diesen in den Briefkasten beim Hafenmeisterbüro. 13,50 € kostet uns hier die Nacht, WiFi inklusive. So günstig haben wir schon lange nicht mehr irgendwo gelegen. Duschen und Strom kosten extra, aber auch über deren Preise ist nicht zu meckern. Einzig über das Wetter können wir schon wieder meckern, denn es ist mit 14,8 Grad tagsüber einfach zu kalt für diese Jahreszeit. Und dazu der Dauerregen! Wir hören Musik für die gute Laune, schreiben Reisetagebuch, nutzen das WiFi und entspannen genüßlich!

Samstag (Mittwoch), 18.08.2021 – Wir beschließen heute noch hier im Yachthafen De Vliet zu bleiben. Das WiFi ist gut und Melanie braucht dringend Bewegung. Markus möchte nicht mit und so macht Melanie sich nach dem Frühstück und zwei missratenden Versuchen, mit dem eigentlich richtigen Code das Gelände zu verlassen, auf dem Weg in die nächstgrößere Stadt. Sie läuft über Den Heen weiter nach Steenbergen. Die beiden Kirchen, die sie eigentlich besichtigen wollte sind leider geschlossen, doch auch von außen sind sie sehr imposant. Danach macht sie sich auf die Suche nach einem Bankautomat. Unsere App sagt, es gibt dort keinen. Aber sie fragt mehrere Passanten und es zeigt sich, dass die Bankautomaten hier in Geschäften stehen. So landet sie in einem Buch- und Zeitschriftengeschäft und wartet geduldig, bis sie an der Reihe ist. Anschließend kauft sie noch für uns beim örtlichen Aldi ein und macht sich dann mit dem Rucksack voller Einkäufe auf den Heimweg. Unterwegs kommt sie dabei am Fort Henricus vorbei. Von dem ehemaligen Fort sind nur noch die Wallanlage und die Wassergräben. Hin und zurück macht das dann eine Strecke von 17 km! So kommt sie völlig erschöpft, mit Blasen an den Füßen, aber glücklich wieder bei uns an Bord an. Und bis auf zwei kurze Nieselregenschauer war es heute auch echt trocken unterwegs!

Nach einer wohlverdienten, heißen Dusche kuscheln wir uns bei wieder eingesetztem Dauerregen unter Deck in den Salon und nutzen das spitzenmäßige WiFi für einen Serienabend. Wir mögen diese Art von Fernsehen. Normales Fernsehen haben wir bereits seit Januar 2021 nicht mehr und ehrlich gesagt, wir vermissen es auch nicht. Wenn wir mal einen Film schauen wollen, nehmen wir unser MacBook, schließen den externen Monitor an und suchen uns eine DvD oder einen Film von unserer Festplatte aus. Haben wir gutes Internet, dann nutzen wir Online-Filmdienste. Das ganze natürlich ohne Werbung. Eine Wohltat! Auch die Tagesschau gucken wir schon lange nur online über die ARD-Mediathek und zwar zu Zeiten, die uns passen.

Samstag (Donnerstag), 19.08.2021 – Heute frühstücken wir nicht, sondern machen uns gleich zum Ablegen fertig. Wie soll es anders sein – es ist kalt und grau. Und auch wenn es uns kleine Nieselregenschauer echt schwer machen, versuchen wir uns, eingepackt in Ölzeug und Zwiebellook, die Laune nicht verderben zu lassen. Zunächst geht es zur Kramerschleuse. Auch hier ist eMMas Mast zu hoch für die Yachtenschleuse und wir werden wieder in der großen Berufsschleuse geschleust. Vor uns fährt ein Kanalschiff ein und wir folgen etwas später, denn für uns muss am Schleusenanfang zunächst die Straßenbrücke aufgeklappt werden. Kaum sind wir in die Schleuse eingefahren, schließt sich das Schleusentor und die Brücke geht zu. Der Wasserstand wird in der Schleusenkammer um 60 cm angehoben, aber nach 20 cm geht es erst einmal wieder nach unten, begleitet von einem schrillen Alarmton. An der Schleusenpumpe ist wohl etwas nicht in Ordnung. Es dauert einen Moment, dann ertönt ein weiterer Alarmton und anschließend kann der Schleusenvorgang regelrecht ablaufen. Die Ampel ist noch auf rot, als das Kanalschiff bereits seine Leinen löst. Wir warten ganz geduldig auf grün, lösen die Leinen und tuckern aus der Schleuse auf die Oosterschelde hinaus. Nach knapp 2 sm kommt jedoch bereits die nächste Schleuse, die uns ins Grevelingenmeer führt. Mit insgesamt 20 Booten werden wir gleichzeitig geschleust. Die Schleusenwärter sortieren die Schiffe nach Größe und lassen sie im Päckchen über die gesamte Schleusenbreite liegen. Dadurch bleibt bei unserem Schleusenvorgang sogar das letzte Drittel hinten frei. Es hätten bestimmt noch weitere 10 bis 12 Boote hineingepasst!. Damit die Autos nicht warten müssen, gibt es an der Schleuse eine Art Bypass. Ist das vordere Schleusentor offen, fahren die Autos über die normale Klappbrücke neben dem hinteren Schleusentor. Schließt das vordere Schleusentor und die Schleusung beginnt, dann werden die Schranken für die Klappbrücke schon einmal geschlossen und dafür gehen die Schranken für eine Art Umgehung, die über das vordere Schleusentor führt, auf. So kann der Landverkehr aufrechterhalten werden. Ganz schön pfiffig diese Holländer! Im Grevelingenmeer setzen wir die Segel, allerdings gerefft. Immer wieder sorgen kräftige Böen für ordentlich Druck in den Segeln. Wir düsen mit 6 kn dahin, den Wind auf die Nase, also kreuzen wir im Fahrwasser so lange, bis wir den Kurs anliegen lassen können. Kurz vor dem Archipel bergen wir die Segel und legen an der kleinen Insel mit Naturanleger an. Diese kleinen, künstlichen Inseln bieten keinen Strom, kein Wasser und keine Sanitäranlagen. Manchmal findet man dort Mülltonnen. Man darf dort festmachen und sich auf den Inseln frei bewegen. Auch das Grillen ist erlaubt. Hier wollen wir um die Insel schnorcheln oder tauchen.

Hinter uns liegt ein kleines Segelschiff, vielleicht 28 Fuß lang. Belgier, die gemeinsam mit ihren beiden Kindern Urlaub machen. Kurzzeitig haben wir ein schlechtes Gewissen, weil wir zu zweit 44 Fuß zur Verfügung haben. Das sind dann die Momente, wo wir uns selbst sagen müssen, dass wir aber mit unserem Zuhause unterwegs sind!

Samstag (Freitag), 20.08.2021 – Melanie wacht mal wieder vor 8 Uhr auf. Draußen scheint echt die Sonne! Und das, obwohl eigentlich Regen angesagt war! Nicht einmal auf den Wetterbericht kann man sich verlassen. Wir lassen den Tag langsam beginnen. Frühstück im Cockpit, dank Kuchenbude ist es hier kuschelig warm. Nach dem Essen besprechen wir den Tag. Heute wollen wir tauchen und schnorcheln gehen. Markus sagt, dass er zunächst die Flaschen füllen muss. Er baut alles auf, der Generator springt auch gleich an, aber der Kompressor nicht. Er versucht unterschiedlichste Einstellungen und Konfigurationen, aber nichts führt zum Erfolg. Nun ist guter Rat teuer, denn die Einzelkomponenten funktionieren ohne Probleme. Der Fehler ist irgendwie nicht ersichtlich. Melanie versucht Markus zu trösten, aber die Stimmung ist trotz schönem Wetter gedämpft. Wir sprechen die unterschiedlichsten Szenarien durch und Markus schreibt eine Email an einen Spezialisten. Während wir auf Antwort warten, beschließen wir erst einmal Schnorcheln zu gehen. Vom Boot aus geht es los, einmal um die kleine Insel herum und wieder zurück zum Boot. Es gibt Unmengen an Austernmuscheln, Krebse, Babyhummer, Quallen, Pflanzen, Algen, Korallen und immer wieder Schwärme von kleinen Fischen zu sehen. Das Wasser ist trotz Lavacor echt kalt und Markus gibt auf den letzten Metern noch mal ordentlich Gas, weil er raus möchte. Die Belgier von gestern sind heute morgen bereits nach ihrem Frühstück abgelegt. Kurzzeitig lag ein Segelboot mit einem älteren Pärchen und Hund hinter uns. Als wir vom Schnorcheln zurückkommen legen die aber auch schon wieder ab. Am Nachmittag liegt ein kleines Motorboot mit vier Personen an Bord zum Sonnenbaden dort an. Als es kurzzeitig mal wieder etwas regnet, verschwindet auch das offene Motorboot ganz schnell. Dann kommt eine Familie mit vier Kindern ebenfalls nur für einen Badestop hier vorbei. Das Anlegen läuft schon sehr chaotisch ab, aber das Ablegen ist noch chaotischer. Von Leinenarbeit scheinen sie noch nie etwas gehört zu haben und prompt sitzen sie im seichten Wasser fest. Die armen Muscheln!

Wir genießen den restlichen Tag. Markus erhält vom angeschriebenen Spezialisten eine Antwort. Er rät uns ein weiteres Bauteil ins System einzusetzen, dann müsste auch alles wieder funktionieren. Wir erledigen kleinere Aufgaben, die an Bord angefallen sind, grillen und lassen den Abend gemütlich ausklingen. 

Samstag (diesmal wirklich Samstag, 21.08.2021 – Wir haben ausgeschlafen! Wir beginnen den Tag heute mit Hausputz. Alle Flächen werden abgeledert und es wird Staubgesaugt. Nach 45 Minuten sind wir mit allem fertig. Es hat auch Vorteile wenig Wohnraum zu haben! 

Danach sitzen wir gemütlich im Cockpit beim Frühstück. Nach dem Frühstück macht Melanie den Abwasch und Markus trocknet ab, allerdings nutzt er ganz schnell die Chance beim Leinen annehmen zu helfen, als hinter uns ein Segelboot anlegen möchte. Kurze Zeit später ist es sehr lustig vier Erwachsene dabei zu beobachten, wie sie Wäscheklammer, in denen ein Stück Speck klemmt, an Schnüren ins Wasser halten und Krebse damit fangen. 

Wir gehen erst noch mal eine Runde Schnorcheln. Heute scheint dabei so schön die Sonne und wir nehmen die GoPro mit und machen viele Bilder. Hoffentlich sind ein paar davon auch was geworden. Am Nachmittag bekommen wir Besuch. Ein Seglerpaar, das wir beim Medizin an Bord Kurs im letzten Jahr kennengelernt haben, kommt mit ihrer Charlie hierher. Wir freuen uns riesig darüber, dass dieses Treffen klappt! Sie legen längsseits an und nach gegenseitigen Bordbesuchen und einer Baderunde quatschen wir natürlich sofort über all die Ideen, Projekte, Ausstattungsgegenstände, Bürokratisches, die den Langfahrtsegler dringend interessiert. Dabei wandern wir vom Cockpit der Charlie in eMMas Cockpit und später in unseren Salon. Irgendwann gewinnt die Müdigkeit, obwohl wir wahrscheinlich noch stundenlang hätten zusammensitzen können, ist für heute Schluss!

Samstag (Sonntag), 22.08.2021 – Diesen Tag hat Melanie in ihrem Reisetagebuch nur in Stichpunkten verfasst, denn mehr hat er eigentlich nicht verdient. 

  • Verabschiedung Charlie-Crew (das Schwerste, wenn man unterwegs ist -> es war soooo schön mit euch!
  • Dicker Regenschauern
  • Ablegen im Regen
  • Gewitter hinter uns
  • Wenigstens ein kurzes Stück unter Segeln zurückgelegt, Passatsegel fliegend gefahren
  • Schleuse Grevelingenmeer: freundlicher Schleusenwärter „Welcome, eMMa! You can go wherever you want!“ Es ist total leer in der Schleuse. Es werden mit uns nur 5 weitere Boote geschleust.
  • kurz Sonne, kurz Segelsetzen
  • Starke Böen, starker Strom gegenan, Melanie hat schlechte Laune, unter Motor weiter bis zur Schleuse am Versemeer. Schleusen ist für uns mit der Weile Routine, wir sind ein eingespieltes Team.
  • Markus kocht unterwegs noch Chili-con-carne und Reis. Wir essen nach dem Anlegen an einen Natursteg im Versemeer
  • Gewitter
  • Früh schlafen gehen und den Tag ganz schnell abschließen!!!
  • Es schüttet schon wieder!

Wochenbericht 4 (KW 32)

Vom 09.08.2021 bis zum 15.08.2021

Und schon wieder ist eine Woche um. An alle Blogleser, die auch gerne zwischendurch ein paar Bilder von uns sehen möchten. Abonniert uns doch einfach auf Instagram. Unter melanie_segelt und unter markus_segelt posten wir immer wieder aktuelle Bilder. Alternativ könnt ihr uns über „Kontakt“ einfach eine Email mit eurer Handynummer schicken. Melanie nimmt euch dann in ihre Kontaktliste auf und ihr könnt die tagesaktuellen Bilder in ihrem Status bei WhatsApp bewundern.

Montag, 09.08.2021 – Melanie war gestern zu müde und so schreibt sie morgens im Bett sitzend den Wochenbericht der letzten Woche zu Ende. Da das WiFi hier wirklich gut ist, kann sie auch gleich alles hochladen. Noch schnell eine kurze Meldung in den Status und schon können sich alle darüber freuen, die es lesen möchten. So schaut sie aufs Handy und sieht, dass per WhatsApp eine Meldung von ihrer Mama eingegangen ist: „Sind wahrscheinlich um 12 Uhr in Stavoren!“ Okay! Dann sehen wir jetzt mal zu, dass wir aus den Federn kommen. Es ist 10 Uhr, Melanie will noch Duschen und die Gästekojen müssen auch vorbereitet werden. Wenigstens klärt sich nach einem kurzen Telefonat, dass wir sie nicht am Bahnhof in Stavoren abholen müssen. Sie kommen direkt mit dem Auto zum Hafen und werden dann von unterwegs in den nächsten Tagen klären, mit welcher Verbindung an öffentlichen Verkehrsmitteln sie dann wieder zurück zu ihrem Wagen kommen. Melanie verbindet den Gang zu den Duschen gleich damit beim Hafenmeister um eine weitere Nacht zu verlängern und fragt auch gleich mal nach, ob Dorothee und Klaus ihr Auto hier auf dem Parkplatz der Marina abstellen dürfen. Natürlich würden sie das auch bezahlen. Aber das ist gar nicht notwendig. Die Marinamitarbeiter sagen, sie dürfen ihr Auto hier abstellen und müssen nichts dafür bezahlen. Sie fragen lediglich wie lange sie dort stehen bleiben. Als sie hören, dass es ja nur bis Freitag oder Samstag ist, ist die Sache ganz schnell und unbürokratisch geklärt. So holen wir die zwei also direkt am Marina-Parkplatz ab. Es ist gerade mal trocken und wir nutzen das Wetterfenster um noch ein bisschen im Cockpit zu sitzen und zu quatschen. Am Nachmittag spazieren wir in den Ort und schauen gleich mal am Bahnhof nach, woher denn die Züge kommen die Stavoren anfahren. Das Angebot ist sehr überschaubar, denn nur eine einzige Regionalbahn pendelt zwischen Stavoren und Leeuwarden. Da werden sie sicherlich eine Verbindung finden. Wir essen Kibbelinge und holländische Pommes. Sehr lecker! Anschließend schlendern wir durch die Gassen in Richtung Supermarkt. Kaum sind wir drin, fängt es draußen an zu schütten. Wir kaufen also erst einmal in Ruhe ein. Nach der Kasse befindet sich eine Sitzecke, dort machen wir es uns noch etwas gemütlich, quatschen, schauen Fotos auf den Handys an und warten ab, dass der dicke Schauer vorüberzieht. Als es nur noch wenig regnet laufen wir zurück zum Boot. Dort vertilgen wir den gerade gekauften Kuchen und Melanie zeigt anschließend Dorothee und Klaus alle Bilder, die wir seit Abfahrt gemacht haben. Markus bereitet Essen vor. Es soll heute Blumenkohl, Kartoffeln und Schnitzel geben. Blumenkohl und Kartoffeln gibt es auch, allerdings mit Bockwürstchen. Denn die vermeintlichen Schnitzel, die in der Packung auch nach Schnitzel aussahen, entpuppen sich als so etwas wie Suppenfleisch und sind gebraten zäh wie Schuhsohlen. Das Fleisch verarbeiten wir einige Tage später zu Nudelsuppe und dadrin schmeckt es dann auch richtig gut! 

Abends spielen wir noch ein Gesellschaftsspiel. Markus und Melanie spielen sehr gerne Gesellschaftsspiele, egal ob Brettspiel oder Kartenspiel. Auch an Bord haben wir viele Spiele dabei, wenn wir natürlich aus Platzgründen leider auf so manches Brettspiel verzichten mussten.

Dienstag, 10.08.2021 – Wir frühstücken gemeinsam in Ruhe und machen uns anschließend zum Ablegen bereit. Eine Sicherheitseinweisung benötigen Klaus und Dorothee nicht, sie sind schon mehrfach bei uns an Bord gewesen. Kaum ist alles klar um die Leinen zu Lösen, da fängt es an zu Regnen. Wir beschließen den Schauer erst einmal unter Deck abzuwettern. Das war eine gute Entscheidung, denn zwischenzeitlich schüttet es noch mal wie aus Kübeln. Normalerweise legt Markus ja immer ab und Melanie an, aber heute legt Melanie auch ab, da es für uns erst einmal nur auf die andere Seite geht. Dort gibt es eine Tankstelle und eMMas Tank wird noch komplett voll gemacht, denn durch die vielen Motorstunden in der Staande Mast Route hat der sich schon gut geleert. 140 Liter und 220 € später legt Markus dann von der Tankstelle aus ab. Aber auch die folgende Strecke ist nicht besonders weit. Kaum aus dem Hafen raus, biegen wir links ab Richtung Schleuse, aber direkt vor uns springt die Ampel auf Rot, so dass wir am Wartebereich festmachen und auf die nächste Schleusung warten müssen. Wir hätten auch nicht mehr in die Schleuse gepasst. Bis auf den letzten Platz sind beide Schleusenkammern gefüllt mit Booten. Ein Motorboot hatte schon keinen Platz mehr gefunden und wartet nun gemeinsam mit uns geduldig bis die Ampel wieder auf Rot/Grün springt. Bei Grün fahren wir los. Die Schleuse füllt sich komplett mit insgesamt 8 Booten, aber es läuft bei allen sehr ruhig und entspannt ab. Wir fahren aufs IJsselmeer hinaus und setzen dort endlich wieder die Segel. Zunächst haben wir relativ wenig Wind, aber immerhin können wir segeln. Der Wind kommt allerdings aus der Richtung, in die unserer erster Wegpunkt liegt und so kreuzen wir zunächst in die andere Richtung auf. Etwas später können wir dann wieder auf den Backbordbug wechseln und unseren Wegpunkt direkt anliegen lassen. Wir nutzen die Segelphase um unserem Wassermacher zu starten und frisches Trinkwasser zu produzieren. Da wir beide uns mit dem Wassermacher vertraut machen wollen, stellen wir Klaus ans Ruder. Es macht ihm Spaß, aber es ist auch anstrengend, weil man nur ein kleines Windfenster hat, in dem die Segel dann korrekt stehen. Der Wassermacher läuft super und so übernimmt Melanie wieder das Ruder. Der Wind frischt weiter auf. Bei Wind aus SW mit 12-18 kn läuft eMMa einen guten Amwindkurs. Und mit der neuen Genua machen wir sogar Höhe!

Wir segeln 15 sm und kommen am Nachmittag in Enkhuizen an. Wir schlendern durch die wunderschöne Altstadt. Die Häuser hier sind teilweise mehr als 450 Jahre alt! Die kleine Stadt hat Flair, der uns gefällt. Wir gönnen uns ein Eis und bewundern die vielen kleinen, liebevollen Details. Wir besichtigen eine Kirche, die Zuiderkerk, deren 75 m hoher Südturm zwischen 1450 und 1533 erbaut wurde. Die ältesten Orgelwerke der Kirchenorgel stammen aus dem 16. Jahrhundert! Die Deckengewölbe der Kirche erinnern an Holzplanken eines Schiffsrumpf und waren mal mit einer sehr aufwendigen Malereien verziert, die aus dem 15. Jahrhundert stammen. Da sie noch nicht restauriert sind, sind davon nur noch ganz blasse Bilder erkennbar. Wir finden diese Kirche toll, denn neben den geschichtlichen Fakten bietet sie auch sehr moderne Elemente, wie eine Meditationszone, einen Veranstaltungsraum in einer zweiten Ebene (komplett verglast) und moderne Technik für die Gottesdienstgestaltung. Diese Kirche und ihre Gemeinde lebt! Es gibt Bereiche zum Quatschen, einen Kinderspieltisch und Tische zum Malen und Gestalten. Da kann sich so manche deutsche Gemeinde mal eine dicke Scheibe von abschneiden!

Nach einem Bummel durch die Fußgängerzone entscheiden wir uns zum Pizza-Essen. Die Pizza schmeckt fantastisch und ist so reichlich, dass Dorothee und Melanie ihre gar nicht schaffen. Wir lassen die Reste einpacken und schlendern zurück an Bord.

Dort besprechen wir die Routenplanung für die nächsten zwei Tage. Es soll sehr schwachwindig werden und so beschließen wir, es langsam bis Amsterdam angehen zu lassen, nämlich in zwei kürzeren Etappen.

Mittwoch, 11.08.2021 – Wir liegen hier in Enkhuizen im Buitenhaven, als zweite Yacht im Päckchen. Gestern Abend kam noch ein drittes Segelboot längsseits zu uns. Die erste Yacht am Steg ist eine 50 Fuß Yacht aus Köln, was wir allerdings erst gestern auf dem Rückweg aus der Stadt gesehen haben. Die Crew kam uns da gerade entgegen und gingen zum Essen. Bis wir ins Bett gingen waren sie noch nicht zurück, so dass wir noch nichts mit ihnen wegen Ablegen absprechen konnten. Mit dem dritten Boot haben wir gestern Abend schon besprochen, dass wir das Ablegen mit dem ersten Boot zusammen koordinieren, damit wir nicht alle mehrfach aufscheuchen müssen.

Wir stehen um 8 Uhr auf und frühstücken erst einmal. Auf Boot 1 regt sich noch nichts, auf Boot 3 auch nicht. Um 9:40 Uhr erscheint dann doch mal jemand von dem Boot 1 im Cockpit und Markus nutzt gleich mal die Chance um zu fragen, wann sie denn Ablegen wollen. In einer Stunde. Gut, dass wir drüber gesprochen haben! Dorothee und Melanie nutzen die Zeit um noch einmal auf die andere Hafenseite zu laufen, einige Fotos zu machen und die Toiletten aufzusuchen. Außerdem geben sie die WC-Chip-Karte am Automaten ab. Dies gestaltet sich schwieriger als gedacht. Immer wieder gibt der Automat eine Fehlermeldung ab. Erst nach dem 6. Versuch spuckt er, das noch vorhandene Guthaben aus. 5 € in 50 Cent Stücke, Kleingeld kann man als Segler nicht genug haben.

Als die zwei nach 40 Minuten wieder an Bord sind, scharrt die Crew von Boot 1 schon ungeduldig mit den Hufen. Dann hätten sie ja auch gleich 30 Minuten sagen können! Innerhalb von 10 Minuten sind auch wir komplett abfahrbereit. Unser Weg führt uns aus dem Hafen Richtung Schleuse zwischen IJsselmeer und Markermeer, wo Boot 1 bereits im Wartebereich liegt und für Hafenkino sorgt. Nachdem sie sich sortiert haben, werden wir gemeinsam mit 10 anderen Schiffen geschleust. Der Wasserpegel verändert sich um sagenhafte 10 cm!

Nach der Schleuse folgen wir noch einen Moment dem Fahrwasserverlauf unter Motor bevor wir Segel setzen. Darüber freuen wir uns sehr, denn eigentlich war gar kein Wind angesagt. Da nehmen wir es auch gerne in Kauf, dass der Wind wieder einmal genau aus der Richtung kommt, in die wir wollen. Das heißt für uns also wieder einmal kreuzen. Aber bei gutem Segelwind und Sonnenschein nimmt der Segler dies gerne in Kauf. 22 sm später nehmen wir die Segel weg und fahren die letzte Seemeile unter Motor in den Buitenhaven von Edam. Und endlich ist es auch einigermaßen warm. Zumindest warm genug um im Strandbad des Campingplatzes in der direkten Nachbarschaft einige Bahnen zu ziehen. Brr, das Wasser ist aber doch noch ordentlich kalt, aber die Dorothee und Melanie ziehen es durch. Anschließend nutzen sie noch die Duschen und waschen sich die Haare.

Nach dieser Erfrischung machen wir uns noch zu einem Stadtrundgang durch Edam auf. Edam ist ebenfalls ein hübsches Städtchen mit vielen alten Häusern und ganz viel Grün in der Stadt und definitiv empfehlenswert. Mittwochs ist immer Käsemarkt, den haben wir aber verpasst, weil wir erst abends in der Stadt waren.

Donnerstag, 12.08.2021 – Wir werden um 8 Uhr von einem Generatoren-/Motorgeräusch geweckt. Im Halbschlaf geht man dann alle möglichen Quellen an Bord durch. Die sind es aber nicht. Vor eMMa auf dem Weg neben dem Kai steht ein Lieferwagen, der das Restaurant beliefert. Er steht dort mit laufendem Motor, offner Ladeluke und auf Hochtouren arbeitendem Kühlaggregat. Für Melanie ist diese Uhrzeit ein echter Erfolg! Endlich mal länger als 7 Uhr schlafen! Sie nutzt die Gunst der Stunde und verschwindet in die Pantry. Dort schnippelt sie Pilze, Paprika, Tomaten, Zwiebeln, Schinken und Käse, quirlt und würzt Eier und brät Omeletts. Beim Frühstück im Cockpit, ja es ist endlich warm genug dafür, schaut die Hafenmeisterin vorbei und kassiert das Liegegeld. Gestern Abend habe sie es einfach nicht geschafft. Sie wird dabei von drei großen Hunden begleitet. Einer davon findet eMMa super, springt an Bord, läuft eine Runde, beschnüffelt alles und springt wieder herunter. Ob das ein Drogenspürhund war?!

Zum Segelklar machen gehört heute morgen auch das Eincremen mit LSF 50 + und zwar mehr als nur das Gesicht. Dann legen wir ab. Kaum sind wir aus dem engen Fahrwasser heraus, setzen wir wieder die Segel. Auch für heute war eigentlich überhaupt kein Wind angesagt. Wir nehmen dieses Geschenk sehr gerne an.

Erst im enger werdenden Fahrwasser Richtung Amsterdam schläft der Wind kurzzeitig komplett ein. Wir starten den Motor und halten auf die erste Brücke vor Amsterdam zu. Nach der Brücke kommt sofort eine Schleuse. Die rechte Schleusenkammer ist schon vorbereitet und so fahren wir gleich hinein. Nach und nach füllt sich die Schleuse, so dass wir mit 11 Booten, zwei Dinghys und einem Jetski warten. Zunächst schließt sich das Schleusentor. Dann geht es wieder auf und die Wasserschutzpolizei kommt herein und holt das Jetski heraus. Danach können wir endlich geschleust werden. Wir reden von 20 cm Höhenunterschied und dafür haben wir jetzt fast eine Stunde gewartet! Dem Gewässerverlauf folgend, kommen wir in der WSV Aeolus Marina an. Im Törnführer steht, dass es an Steuerbord einen Meldesteiger (Steg zum Anmelden) gibt. Rechtsseitig befindet sich auch ein kleiner Steg, der aber leider mittig von einem kleinen Motorboot blockiert wird. Da der Hafen sich schlauchförmig und sehr eng in die Länge zieht und wir mit eMMa nicht auf gut Glück einfach reinfahren möchten, legen wir uns erst einmal an Backbord längsseits. Markus steigt über und kundschaftet die Lage aus. Nach seinem Lagebericht fährt Melanie ganz langsam in den eigentlichen Hafenbereich ein. Der diensthabende Hafenmeister sagt uns, dass wir an Steuerbord am Steg festmachen sollen, aber bitte so, dass die Bugspitze zur Hafeneinfahrt zeigt. Kein Problem. Melanie dreht eMMa ganz langsam mit viel Gefühl, Nutzen des Radeffektes, Bugstrahlruder und zum Schluss noch mit Leinenarbeit, in die Position, wie der Hafenmeister es gerne möchte.

Die Temperaturen hier in der Marina sind etwa 5°C höher als noch vorhin auf dem Markermeer. Gefühlt sogar 10°C! Nach dem Anmelden beim Hafenmeister erkunden wir Amsterdam. Wir kehren in ein argentinisches Steakhaus ein, genießen vorzügliches Essen und schlendern durch die Gassen und an den Grachten entlang wieder zurück. Dabei biegen wir irgendwann in eine Seitengasse und landen im Rotlichtviertel mit sehr leichtbekleideten Damen und roten Lampen in den Schaufenstern. Zurück an Bord fallen wir alle rasch in unsere Kojen.

Freitag, 13.08.2021 – Wir frühstücken noch gemeinsam, bevor Dorothee und Klaus sich auf dem Weg zum Bahnhof machen müssen. Wir begleiten sie noch bis zur Fähre. Es wird ein tränenreicher Abschied. Markus und Melanie gehen auf dem Weg zurück noch eben einkaufen. Im Hafen werden wir bereits vom diensthabenden Hafenmeister erwartet. Wie lange wir noch bleiben wollen, fragt er uns. Wir müssten eigentlich um 12 Uhr den Platz geräumt haben. Wir dürfen aber noch eine Stunde bleiben. Vielen Dank! Wir räumen unsere Einkäufe weg und bereiten alles fürs Ablegen vor. Die Strecke, die wir nun erst einmal zurücklegen, ist überhaupt nicht lang. Nach einer kurzen Motorfahrt biegen wir in den Hourthaven ein und haben Glück, denn die Brücke wartet auf uns mit Grün. Der Brückenwärter steht ob, winkt uns zu, notiert sich den Namen von eMMa in seinem Tablet und sagt uns, dass wir uns ab 23 Uhr bereit halten und den Funkverkehr abhören sollen. Den Nachmittag verbinden wir mit Schlafen, Essen kochen, Abwasch erledigen, Dösen, Spielen, Telefonaten mit unseren Kindern und Bürokram. Zwischendurch kommt von Klaus und Dorothee die Meldung, dass bei denen mit dem Zug alles gut gepasst hat und sie jetzt im Auto sitzen und nach Hause fahren. Schön, dass alles gut geklappt hat! Und schön, dass ihr hier bei uns an Bord wart. Wir haben uns darüber sehr gefreut.

Samstag, 14.08.2021 – Um 1:30 Uhr klopft die Brückenbegleitung an eMMas Rumpf, in 4 Minuten geht es los! Wir sind startklar, also raus, Motor an und Leinen los. Die Uhrzeit für den Start der Staande Mast Route durch Amsterdam von Nord nach Süd kann keiner genau vorher sagen, denn zunächst startet die Route von Süd nach Nord. Sind diese vor der letzten Brücke, dann muss sich die Nordroute startklar machen. Denn die letzte bzw. für uns die erste Brücke ist eine Eisenbahnbrücke, die direkt zum Amsterdamer Hauptbahnhof führt. Diese Hauptverkehrsader wird also für einige Minuten lahm gelegt um die Boote passieren zu lassen. Die Brücke hebt sich, die Südtour als Gegenverkehr fährt raus und nun sind wir dran. Es geht durch 10 Brücken. Zwei Brückenwärter begleiten den Konvoi. Immer im Wechsel bedienen sie die Brücken. Sie fahren mit dem Fahrrad oder dem Motorroller zur Brücke, öffnen sie, lassen alle Schiffe passieren, schließen die Brücke wieder und fahren zur übernächsten Brücke weiter. Dabei entstehen vor den Brücken immer wieder kurze Wartezeiten in denen die Boote sich wie eine Ziehharmonika zusammenschieben und nach der Brückendurchfahrt wieder auseinander gezogen werden. Gut, dass es trocken und fast windstill ist! Um halb drei nachts erreichen wir die letzte Schleuse und damit für heute Nacht auch die letzten beiden Brücken. Alle 15 Boote quetschen sich in die Schleuse. Wieder einmal sind es nur 20 cm Höhenunterschied, die es zu überwinden gilt. An der Einfahrt in die Schleuse stehen zwei mobile Toiletten. Ein Mann von einem Plattbodenschiff hat wohl ein dringendes Bedürfnis und flitzt, kaum sind die Leinen fest, um die Ecke. Als die Öffnungsvorbereitung der Schleuse und der Brücken, die dahinter liegen, mit Rot/Grün angekündigt werden, sieht man ein weibliches Crewmitglied in seine Richtung rennen und schon vom Weitem ruft sie ihm zu, schnell, es geht los! Die ganze Schleuse lacht, denn jeder stellt sich gerade vor, wie der arme Kerl sich beim Pinkeln beeilen muss. Dann kommt er um die Ecke geflitzt und stopft sich noch im Laufen das T-Shirt in die Hose.

Nach der Brücke gibt es rechts einen langen Wartesteg, an den auch drei oder vier der Yachten erst einmal anlegen. Wir entscheiden uns bis zur Autobahnbrücke, Zubringer Flughafen Amsterdam/Schirphol, weiterzufahren und uns dort in den Wartebereich zu legen. Diese Entscheidung erweist sich knapp 2 sm später als die schlechtere Wahl. Die Lautstärke der Autobahn ist ohrenbetäubend. Aber schlimmer noch sind die fehlenden Anlegemöglichkeiten. Der eingezeichnete Kai ist von lauter „Dauerbaustellen“ belegt, an denen man nur begrenzt festmachen kann. Auf der anderen Seite gibt es eine lange Spuntwand, die aber nur Gefahrgutschiffen das Anlegen erlaubt. Direkt vor der Brücke gibt es einen kleinen Holzdalben, eigentlich ist hier Parkverbot, aber wo sollen wir sonst hin? Die Brücke öffnet erst um 7 Uhr und wir brauchen bis dahin dringend noch ein bisschen Schlaf. Also legen wir eMMa dort fest und fallen umgehend in die Kojen.

Pünktlich 10 Minuten vor Brückenöffnung läuft unser Motor schon wieder und wir stehen, noch etwas müde, aber glücklich, im Cockpit. Wir drehen eine kleine Runde vor der Brücke und reihen uns bei den anderen Yachten ein. Die haben übrigens ebenfalls an den unterschiedlichsten verbotenen Stellen festgemacht und gewartet. Um 7 Uhr stoppt auf der Autobahn der Verkehr und die Klappbrücke öffnet sich. Die Niederländer machen also für Segelboote sogar absichtlich Staus! Hinter der Autobahnbrücke beginnt das riesige Gelände des Flughafens. Von Amsterdam/Schirphol sind wir schon zweimal geflogen. Einmal sind wir mit dem Auto hier angekommen, einmal mit der Bahn. Und nun tuckern wir mit eMMa auf eigenem Kiel hier entlang! Melanie ist todmüde und so schickt Markus, der gestern Nachmittag viel geschlafen hat, sie in die Koje. 2 1/2 Stunden später beschließen wir bis Alphen aan den Rijn weiterzufahren. Dort finden wir dann um 11 Uhr einen freien Anleger und machen fest. Nach weiteren 2 Stunden Schlaf, frühstücken wir gemütlich bevor wir die Stadt erkunden. Alphen hat nette schmale Straßen, einen tollen Markt, der heute stattfindet, eine Bibliothek mit freiem Internet, ein verzweigte, hübsche Fußgängerzone, sowohl mit den üblichen großen Ketten, als auch mit sehr vielen kleinen, besonderen Geschäften. Zum Beispiel finden wir hier ein Paradies für alle Brettspiel-Fans und einen Secondhandladen für Musikinstrumente, DvDs, Elektronik, Spielkonsolen und diversen anderen Sachen. Unser Rückweg führt uns durch einen wunderschönen Park. Ein Graureiher steht am Ufer eines Wasserlaufes und lässt sich weder durch uns, noch von einem übergewichtigen Labrador, der dort Gassi geht, stören. Wir genießen den Sommer! Zurück an Bord wird heute gegrillt. War der Himmel am Vormittag noch bedeckt, so strahlt jetzt die Sonne und wir genießen es sehr.

Sonntag, 15.08.2021 – Markus hat heute Geburtstag! Melanie hängt im Salon ein bisschen Geburtstagsdekoration auf, bevor er aufsteht. Wir legen um halb zehn ab und fahren bis zur nächsten Brücke, aber die öffnet erst um 10 Uhr. Also warten wir am Wartesteiger und bewundern das imposante Bauwerk. Es handelt sich um eine Hubbrücke. Davon werden wir heute noch einige durchfahren. Bei diesen Brücken klappt also nicht ein Teil der Straße auf, sondern an allen vier Ecken stehen „Türme“ und das Straßenteil wird, wie bei einem Aufzug, nach oben gefahren. 24 m misst dann die Durchfahrtshöhe, also etwa so hoch, wie die Fehmarnsundbrücke!

Wir kommen durch Gauda, oder besser gesagt, wir fahren die Ortsumgehung Gauda entlang. Liegeplätze sind hier nicht zu finden und so beschließen wir noch ein wenig Strecke zu machen. Aber auch auf dem ganzen kommenden Stück gibt es keine Liegeplätze. Vor Rotterdam biegen wir links ab. Hier sind es jetzt keine kleinen Kanäle mehr, sondern breite Flüsse, mit Strömung und Tidenhub. Durch den langen Fahrtag haben wir zeitweise 2 kn Strömung gegen an.

Wir kommen am Abend in Dordrecht an und wollen in eine Marina gehen. Leichter gesagt als getan! Die ersten zwei Marinas, die wir anfunken, sind voll. In der dritten Marina haben sie noch einen Platz im Päckchen für uns. Den nehmen wir! So liegt eMMa nun neben einer großen Motoryacht. Der Hafenmeister kommt an den Steg zum Kassieren und danach laufen wir durch die Altstadt. Dordrecht war für die Region hier DIE Handelsmetropole schlecht hin! Den Reichtum der Stadt sieht man auch noch in den vielen uralten und prunkvollen Gebäuden. Immer wieder gibt es Fußwege durch Torbögen, die dann in Innenhöfe führen. Es macht Spaß diese Stadt zu entdecken. Nach diesem Spaziergang packen wir unser Duschzeug ein und wandern eine Straße weiter zum Vereinsheim des Hafens. Dort gibt es gute Sanitärräume, mit richtig heißen Duschen und freies WiFi.

Wochenbericht 3 (KW 31)

vom 02.08.2021 bis 08.08.2021

Montag 02.08.2021 und Dienstag 03.08.2021 – Um halb acht wacht Melanie bereits auf. Hinter uns, also quasi direkt vor unserem Schlafzimmerfenster, legt eine dunkelblaue Segelyacht an. Joss heißt das Schiff. Joss? Das ist doch das Segelboot mit der Claus Aktoprak (thesailingbassman, luvgier.de) zurzeit gemeinsam mit Todde unterwegs ist! Kurz auf Instagram nachgeschaut und siehe da, Claus hatte schon vor drei Stunden gepostet „Helgoland in Sicht!“ Na was für ein Zufall! Während Markus noch in der Koje liegt, hält Melanie schon mal einen kurzen Schnack von Bord zu Bord mit den Zweien. Und auch gleich mit unseren neuen Nachbarn, einer niederländischen Segelyacht. Das Pärchen ist ebenfalls in den frühen Morgenstunden auf Helgoland eingelaufen und fällt jetzt nach einem Frühstück erst einmal für ein paar Stunden in die Kojen. Claus und Todde verabschieden sich ebenfalls und werden ein wenig Schlaf nachholen.

Wir frühstücken in Ruhe und wollen uns anschließend noch einmal auf den Weg zu den Basstölpeln und einen Abstecher in den Ort machen. Doch wir bleiben zunächst bei der Heimkehr hängen. Zu viele Fragen zum technischen Musik-Support sind von gestern noch übrig geblieben oder haben sich am Vormittag neu ergeben. So nach und nach bringt Markus Licht ins Dunkel oder in diesem Falle Musik auf die unterschiedlichen Geräte und damit auch in die Heimkehr. Aber irgendwann sind dann alle Musikfragen geklärt und auch wenn es sehr gemütlich bei den Beiden ist, wollen wir doch noch mal hoch aufs Oberland. Also los!

Zurück an Bord bereiten wir alles für unser Auslaufen und die Route vor. Dabei kommen wir wieder ins Gespräch mit den Niederländern neben uns. Sie bewundern unseren Superwind (Windgenerator) und fragen ob wir damit zufrieden sind. Und ob! Hier auf Helgoland hat er in den letzten Tagen gezeigt, was in ihm steckt und wie er dafür sorgt, dass wir auch ohne Landstromanschluss immer volle Batterien haben. Und leise ist er auch noch dabei. Bis auf ein leises Summen, wie bei einem kleinen Ventilator, hört man nichts. Da sind die Umgebungsgeräusche wie Wasserplätschern, Wind und Regen eigentlich sogar immer lauter. Wir können ihn also sehr empfehlen (und bekommen keine Provision für diese kostenlose Werbung durch Namensnennung).

Um 16 Uhr verabschieden wir uns ganz herzlich von Bert und Marlene. Gute Reise! Fair winds! Mal sehen wann, wie und wo wir uns wiedersehen werden. Es war eine sehr schöne Zeit mit den Beiden. Das Abschiednehmen ist die andere Seite der Medaille des Reisens. Immer wieder lernt man jemanden kennen und dann trennen sich die Wege der Crews auch wieder. Wir versuchen dabei immer das Positive zu sehen, z.B. dass wir diese Menschen wahrscheinlich nie kennengelernt hätten, wenn wir nicht losgefahren wären.

Also legen wir wieder mal mit einem lachenden und einem weinenden Auge ab. Aber es bleibt auch gar nicht viel Zeit zum Trübsal blasen, weil wir zunächst nur um die Ecke bis zur Bunkerstation fahren um unseren Dieseltank aufzufüllen. Das lohnt sich hier auf Helgoland, da der Diesel hier steuerfrei ist. Bei unseren 350 Litern die wir tanken, macht sich das im Portemonnaie deutlich bemerkbar! Eine Dreiviertelstunde später dreht Melanie im Hafenbecken Kreise und Markus klariert das Deck und bereitet das Großsegel zum Setzen vor. Der Wind kommt achterlich (für die Nichtsegler: von hinten) und so segeln wir bereits direkt hinter der Hafenausfahrt nur mit dem Großsegel dahin. Nachdem wir ein kleines Kreuzfahrtschiff, das direkt vor Helgoland vor Anker liegt, umschifft haben, rollen wir auch noch die Genua aus. Durch den Wind der letzten Tage sind die Wellen noch recht hoch, aber lang gezogen, und sie kommen dieses Mal nicht von vorne. Rollig ist es dabei schon. Doch der Wind schiebt uns vorwärts. Vorbei an ankernden und wartenden Frachtern und Tankern, zunächst mit einem Kurs Richtung Süden, da wir das Verkehrstrennungsgebiet nicht einfach irgendwie kreuzen dürfen. Man muss sich solche Gebiete wie riesige Autobahnen für Schiffe vorstellen. Für das Befahren gibt es strenge Regeln, die man auch wirklich einhalten muss. Wir fahren soweit, dass wir mit unserer eMMa quasi den Grünstreifen der Autobahn, den sogenannten Inshore-Bereich, erreichen. Erst dann biegen wir Richtung Westen ab und segeln in die Nacht. Der Wind hat freundlicherweise ebenfalls etwas gedreht und so können wir unseren gewählten Wegpunkt vor Borkum fast genau anliegen lassen. Irgendwann in den frühen Morgenstunden schläft der Wind dann so ein, dass wir den Motor zur Unterstützung mitlaufen lassen müssen. Und als wir dann endlich bei Borkum in die Ems-Mündung einbiegen können, ist es so Schwachwindig, dass wir die Segel komplett weg rollen müssen. Da der Tidenstrom noch gegen uns steht, machen wir nur wenig Strecke gut. Doch nach zwei Stunden kippt die Tide und der Strom schiebt Richtung Delfzijl. Dort entscheiden wir uns ganz spontan auch noch die erste Schleuse mitzunehmen. Hinter der Schleuse gibt es einen kleinen Anlegebereich für Sportboote im Ortsteil Farmsum, an dem noch genau ein Platz für eMMa frei ist. Es ist erst früher Abend, als wir gut vertäut festliegen. Uns ist jetzt nach einer Runde spazieren gehen. Und so machen wir uns zu Fuß auf den Weg in Richtung Ortskern Delfzijl. Das Städtchen hinterlässt ein merkwürdiges Bild bei uns. Da gibt es wirklich schöne Ecken, tolle Häuser unterschiedlichen Alters, jede Menge Grachten mit viele kleine Boote und da gibt es die häßlichen Ecken mit beschmierten Wänden, häßlichen modernen Gebäuden, viele leerstehende Geschäfte in der Fußgängerzone und jede Menge liegen gelassener Hundehaufen. Auf unserem Rückweg wollen wir ungern die gleiche Strecke zurücklaufen. Ein Blick auf unsere Offline-Karte sagt uns, dass es auch anderes herum geht. Leider sagt uns die Karte nichts über die Attraktivität der Umgebung aus. Und so laufen wir an einer Verbindungsstraße ohne Bürgersteig entlang und gelangen zurück an den Kanal, wo eMMa lieb auf uns wartet. Viele Binnenschiffe liegen nun entlang der Spuntwand und warten auf die nächste passende Tide am kommenden Morgen. Auch die beiden kleinen Motorboote, die hinter uns liegen, wollen erst am nächsten Morgen früh mit der ersten Schleusung in Richtung Emden aufbrechen. Sie entschuldigen sich bereits im Vorfeld bei uns, dass sie morgen sehr früh ablegen werden. Sie versuchen auch so leise wie nur möglich dabei zu sein!

Mittwoch 04.08.2021 – Als wir morgens aufwachen, sind die beiden Motorboote bereits weg. Wir haben davon nichts mitbekommen. Lag sicherlich am Schlafmangel der letzten 36 h. Auch wir machen uns direkt zum Ablegen bereit, denn gefrühstückt wird unterwegs. Die Strecke bis Groningen weist erst einmal keine besonderen Vorkommnisse auf, außer dass wir hier alles unter Motor fahren müssen. Die Brücken (alles Klapp- oder Drehbrücken) können über VHF (mit einem Funkgerät) angerufen werden. Jedoch werden die allermeisten Brücken sowieso aus der Ferne gesteuert und deshalb videoüberwacht. Das hat in diesem Fall den Vorteil, dass wir uns der jeweiligen Brücke meistens nur nähern müssen, dann springt die Ampel schon auf Rot/Grün (Zeichen dafür, dass die Brückenöffnung vorbereitet wird). Kurz vor unserer Ankunft an der Brücke sind die Schranken für die Autos oder Fußgänger und Fahrradfahrer dann geschlossen, die Brücke geöffnet und die Ampel auf Grün. Manchmal kommt von vorne auch Gegenverkehr, der entweder erst warten muss bis wir hindurchgefahren sind oder wir haben noch Rot und müssen erst warten, bis der Gegenverkehr durch ist. Lediglich an einer vielbefahrenen Verbindungsstraße müssen wir etwa 25 Minuten warten. So erreichen wir bereits am frühen Nachmittag Groningen. Wir suchen uns einen freien Liegeplatz vor Groningen. Von hier aus sind es zu Fuß etwa 1,5 km bis in die Innenstadt, also gut machbar, und den Baumarkt haben wir direkt vor der Haustür!

Festmachen, kurz aufräumen und los geht es in die Stadt. Groningen gefällt uns gut. Es gibt viele unterschiedliche Geschäfte, große und kleine, die bekannten Ketten, die in jeder Großstadt zu finden sind, aber auch kleine Boutiquen und Trödelläden, dazu jede Menge netter Cafés. Das Wetter ist schön und so tummeln sich reichlich Menschen in den Straßen. Für uns ist es schon fast zu viel, zumal hier so gut wie keine Masken getragen werden, auch nicht in den Geschäften. Die Niederländer scheinen Corona durch Abstand und Handhygiene begegnen zu wollen. Bei uns hinterlässt es ein etwas mulmiges Gefühl (trotz durch geimpft), auch wenn der Inzidenzwert hier in den letzten Wochen deutlich nach unten gegangen ist. Wir finden ein freies WiFi und laden uns erst einmal die Offlinekarten für Guru Maps für die kommenden Regionen herunter. Den Rest des Tages verbringen wir im Baumarkt, der deutlich leerer ist als die Innenstadt, im Supermarkt, da unsere Vorräte wieder aufgestockt werden müssen und im Waschsalon, denn so langsam gehen uns die langen Sachen aus.

Donnerstag 05.08.2021 – Wir schlafen bis 8 Uhr, stehen dann auf, machen uns fertig und legen nach einer kurzen Lagebesprechung ab. Die Route um Groningen herum können wir leider nicht fahren, da zwei feste Brücken für uns mit Mast nicht genügend Durchfahrtshöhe haben. So müssen wir die Strecke durch die Stadt fahren. Markus schaltet die Go Pro ein und nimmt ein Zeitraffervideo der Fahrt auf. Er wird es schneiden und auf unserem YouTube-Kanal einstellen. Nach den ersten zwei Brücken sammelt sich ein kleiner Konvoi aus Motor- und Segelbooten zusammen. Melanie steht am Ruder und ist zunächst ganz schön nervös, denn der Raum zwischen den Brücken wird ganz schön eng zum Manövrieren. Der Ablauf ist eigentlich immer der gleiche. Die Brücke schaltet auf Rot/Grün (Öffnung wird Vorbereitet), die Schranken für die Autos, Fußgänger und Fahrräder schließen sich mit einem Klingeln, die Klapp- oder Drehbrücke öffnet sich, alle wartenden Boote fahren hindurch und die Brücke schließt sich direkt nach dem letzten Boot wieder. Je nach Entfernung zur nächsten Brücke, meistens sieht man sie bereits, nimmt man mehr oder weniger viel Fahrt auf. Der Brückenwärter schwingt sich auf sein Fahrrad, radelt zur nächsten Brücke und das Spiel geht von vorne los. Begleitetes Fahren nennen das die Holländer. Während der Fahrt ist es Pflicht über Funk den jeweiligen Funkkanal abzuhören. Und so bekommen wir mit, dass ein Deutscher sich erst auf Englisch zu verständigen versucht, diesen Versuch aber abbricht und dann auf Deutsch verzweifelt fragt, wo er denn gerade sei und ob es dort zum Reitdiep geht. Der Brückenbegleiter ist sehr höflich und versucht gemeinsam mit ihm herauszufinden, wo sich dieses Boot denn nun gerade aufhält. Der Skipper kann es ihm aber überhaupt nicht sagen. Zu guter letzt sagt der Brückenwärter, er gehe davon aus, dass das Boot verkehrt gefahren sei. Er solle umdrehen und zurück zur Hauptroute fahren, bis er sich auskennt. Kurz darauf kommt aus einem Seitenarm ein großes Motorboot durch die Klappbrücke, ob es sich dabei um dieses Boot handelt können wir nur erahnen. Das Boot führt die niederländische Flagge, was aber nichts heißt, wenn es sich um ein Charterboot handelt. Diesem Motorboot geht aber der Konvoi aus mit der Weile 8 Booten nicht schnell genug. Auf den nächsten km hupt und drängelt er mehrfach und überholt an völlig unmöglichen Stellen, behindert den Gegenverkehr und zieht den Unmut sämtlicher Skipper im Konvoi auf sich! Viele Kilometer weiter überholen wir ihn wieder. Er hat an einen der kleinen Naturanlegern festgemacht und einen Badestop eingelegt. Warum macht er sich dann so einen Stress? Wir verstehen es einfach nicht.

Die Strecke erfordert viel Konzentration ist aber landschaftlich sehr reizvoll. Teilweise fährt man mitten durch die Stadt oder wie Markus immer sagt „Fast durchs Wohnzimmer der Leute“. Die Natur ist abwechslungsreich und wir können viele Tiere beobachten. Immer wieder müssen wir uns erst einmal orientieren, da die Strecke nicht gut beschildert ist, wir aber nur einem bestimmten Verlauf folgen können und immer wieder Seitenarme und andere Kanäle abgehen.

Man sollte meinen, dass man sich bei einer solchen Strecke gut entspannen kann. Markus kann das auch gut. Melanie ist aber irgendwie noch immer in einer dauerhaften Stand-by-Haltung und da fällt Entspannung dann sehr schwer. Das wird sie noch lernen müssen.

Die Wettervorhersage für die nächsten Tage sieht nicht so toll aus, viel Wind und Regen sind angesagt. Aber das zeigt uns deutlich, dass wir mit der Staande Mast Route die richtige Wahl getroffen haben. Am Abend legen wir an einen der Naturanleger an. Das sind kleine Liegestellen, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, ohne jeglicher Ausstattung. Aber wir haben ja alles dabei was wir für ein autarkes Leben brauchen.

Freitag 06.08.2021 – Der Tag beginnt grau! Nach dem Ablegen übernimmt Markus. Er hat bereits seine Ölzeugjacke angezogen, denn es sieht stark nach Regen aus. Und damit Melanie heute mal etwas mehr entspannt und sich mehr Ruhe gönnt, übernimmt er das Ruder. Doch mit der Entspannung hat sie es irgendwie einfach noch nicht so richtig. Sie wuselt im Salon herum, rettet ein Buch, was vom Regen im Cockpit nass geworden ist, kocht Tee, füllt Wasserflaschen auf, sucht Brückengeld zusammen, macht Fotos und den Abwasch von gestern Abend. Das Brückengeld wird oft für zwei Brücken gleichzeitig bezahlt. Der Brückenwärter schwingt dann an einer Angel einen Holzklotschen herüber, man fängt diesen auf, steckt das Geld rein und lässt ihn an der Angel wieder zurückschwingen. Erst als die Strecke wieder ländlicher wird, kommt auch Melanie etwas zur Ruhe. Liebe ist übrigens, wenn er für sie im Regenschauern am Ruder steht!

Um 12 Uhr ist Mittagspause, nicht bei uns, sondern bei den Brückenwärtern. Und somit haben wir ebenfalls Fahrpause, die wir zum Frühstücken nutzen. Danach geht es gestärkt weiter. Als die Umgebung wieder ländlich wird, macht Markus die weitere Routenplanung während Melanie am Ruder steht. Wir passieren die Stadt Leeuwarder. Sie ist sehr pittoresk mit viel Grün und noch viel mehr Booten gesäumt. Wir wollen aber noch etwas Strecke machen und fahren weiter. Der Wind hat deutlich zugenommen. Nach der letzten, sehr futuristischen Klappbrücke, die gesamte Straßenplatte wird über ein großes Gegengewicht wie eine Raute nach oben befördert, zieht sich der Himmel massiv zu. Windböen lassen eMMa selbst hier im Inland schaukeln. Vor einer Eisenbahnbrücke müssen wir warten. Ausgerechnet dort brechen Böen mit mehr als 31 kn über uns herein. Zur Entspannung tragen solche Situationen nicht gerade bei, wenn das Boot quer zum Wind und dem Kanal steht und der Anlegesteg von zwei kleinen Booten belegt ist, an denen wir mit eMMa ja nicht längsseits gehen können. Dann heißt es tief durchatmen, Ruhe und einen kühlen Kopf bewahren und abwarten. Nach der Eisenbahnbrücke fahren noch einige Kilometer weiter. Kurz nach Grou machen wir vor einer weiteren Eisenbahnbrücke halt und verbringen dort die Nacht.

Samstag 07.08.2021 – Melanie hatte gestern noch mit dem Brückenwärter für die Eisenbahnbrücke gefunkt und erfahren, dass wir ab 7 Uhr die Brücke passieren können. Um viertel vor acht legen wir ab und die Brücke öffnet sich für uns. Schon nach 20 Minuten kommt eine weitere Klappbrücke in Sicht, die aber noch Doppelrot anzeigt (heißt so viel, sie ist geschlossen). Haben wir eine Sperrung übersehen oder sind wir zu früh? Unsere Recherchen ergeben, dass die Brücke erst ab 9 Uhr öffnet. Wir legen uns wieder längsseits in den Wartebereich und machen Pause. Es wird neun Uhr, aber es tut sich noch immer nichts. Ein Blick durchs Fernglas bestätigt ebenfalls, dass das Wärterhäuschen noch unbesetzt ist. Melanie versucht es mit Funkkontakt, aber auch da keine Reaktion. Um 9:05 Uhr sehen wir einen Mann und einen Hund die Treppe zum Wärterhäuschen erklimmen und kaum hat sich die Tür hinter ihnen geschlossen, springt die Ampel auch schon auf Rot/Grün. Danach geht es wie gewohnt weiter. Immer wieder kommen Brücken, manchmal auch eine Schleuse und der Wind pustet uns kräftig entgegen. Leider auch immer auf die Nase, so dass wir auch auf dem hier relativ breiten Kanal leider keine Segel zur Unterstützung setzen können. Besonders Markus wurmt das sehr. Am Nachmittag erreichen wir dann Stavoren. Mit dem Wetter hatten wir heute bisher eigentlich Glück gehabt, angesagt war viel mehr Regen. Aber am Horizont sehen wir, dass sich ein Gewitter zusammenbraut. Als die Front immer näher rückt, machen wir zum Abwettern erst einmal vor der Schleuse Stavoren fest. Nach einem kurzen Regenschauer ist der Spuk aber auch schon wieder vorbei, das Gewitter zieht an uns vorüber. So legen wir in aller Ruhe in der Marina Stavoren an, melden uns beim Hafenmeister, bekommen einen Liegeplatz zugewiesen und verholen in die genannte Box. Für morgen ist stürmisches Wetter mit viel Regen und Gewitter angesagt, also bleiben wir auf jeden Fall bis Montag hier. Wir laufen zum Supermarkt, genießen Kibbelinge und Melanie erobert den Spielplatz.

Sonntag 08.08.2021 – Der Tag beginnt, wie es der Wetterbericht vorhergesagt hatte, mit Regengüssen und Wind. Wir bleiben erst einmal lieber im Bett. Um 10 Uhr genießen wir dann unser Frühstück unter der Kuchenbude. Wenigstens die Temperaturen sind immerhin auf 18°C gestiegen. Heute steht Arbeitsprogramm auf dem Plan. Wäsche waschen, im Yachtshop beim Hafenmeister Kleinigkeiten kaufen, am Boot basteln, Bericht schreiben, Bilder sichern, sichten und sortieren. Das stabile WiFi nutzen wir um unseren Geräten ein Update aufzuspielen, was mehr Zeit in Anspruch nimmt, als gedacht. Das erste Mal seit unserer Abfahrt aus Rostock schauen wir uns die Bilder in Ruhe an. Uns wird es heute noch ganz warm uns Herz, wenn wir daran zurück denken.

Am Nachmittag nutzen wir das Schwimmbad, welches zum Hafen gehört. Das Wetter lädt den ganzen Tag nicht zum Spazierengehen ein. Immer wieder ziehen dicke Regenschauer über uns hinweg. Da ist man schon froh, wenn man trocken zur Waschmaschine und zurück kommt. Am Abend nutzen wir das WiFi dann für einen Videocall mit Segler, die an diesem Wochenende mit sehr ähnlichen Plänen wie wir, in Kiel gestartet sind. Es ist nett sich auszutauschen und festzustellen, dass es anderen ähnlich geht, wie uns in dieser Situation. Auch über die weitere Route tauschen wir uns aus und wir sind uns sehr sicher, dass wir uns in nicht allzu langer Zeit auch persönlich unterwegs treffen werden.

Wochenbericht 2 (KW 30)

26.07.2021 bis 01.08.2021

Montag 26.07.2021 – Am Morgen stehen wir früh auf. Nach einem kurzen Toilettengang und wenigen Vorbereitungen an und unter Deck legen wir von der Gieselau-Schleuse ab und biegen wieder in den NOK ein. Wir frühstücken erst unterwegs, denn so richtig etwas zu tun gibt es dabei ja eh nicht. Unterwegs schreiben und telefonieren wir mit der Heimkehr. Bert empfiehlt uns einen Zwischenstopp in Brunsbüttel. „Esst euch dort in der Eisdiele ein Eis und genießt Brunsbüttel!“, rät er uns am Telefon, „Und dann schaut, dass ihr die Schleuse um 18 Uhr herum nehmt. Dann passt das auch mit der Tide ganz gut. Ich melde euch in Cuxhaven beim Hafenmeister an und reserviere euch einen Platz.“ Super! Danke Bert für deine Tipps und deine Unterstützung. Das hat uns unsere ersten Erfahrungen mit dem Tidengewässer sehr erleichtert. Und so machen wir es auch. In Brunsbüttel legen wir an und finden auch die angepriesene Eisdiele. Wir laufen ein Stückchen und genießen das leckere Eis. Als wir zurück zum Anleger kommen, wird es dort langsam voll. Mit den nächsten zwei Schleusungen von der Nordsee-Seite her kommen noch mehr Segler und wollen hier festmachen. So entschließen wir uns schon mal abzulegen und im Wartebereich vor der Schleuse Kreise zu drehen. Dann endlich dürfen wir Sportboote in die Schleuse einlaufen. Der Schleusenvorgang dauert nicht so lange, auch wenn der Schleusenhub dieses Mal etwas mehr Höhe beträgt als in Kiel. Das Schleusentor öffnet sich und eMMa hat endlich wieder Nordseewasser unter dem Kiel. Markus scherzt „Fruchtwasser“, denn schließlich ist eMMa in England gebaut worden. Aber korrekterweise muss man ja eigentlich Elbwasser sagen, denn erst einmal fahren wir die Elbe bis Cuxhaven. Allerdings herrscht hier auf der Elbe bereits Ebbe und Flut. Und durch den Tidenstrom rauschen wir zeitweise sogar mit 10,9 kn in Richtung Cuxhaven. Wir fahren unter Motor, da der Wind deutlich abgenommen hat und auch noch aus der Richtung kommt, in die wir wollen. Das wir so schnell sind, ist auch gar nicht so verkehrt, denn hinter uns ziehen mehrere Gewitter durch. Wir bekommen aber nur etwas Regen davon ab. Blitze sehen wir nur in der Ferne. Die Einfahrt in den Yachthafen ist ein wenig tricky, da die Einfahrt nicht sehr breit ist, der Strom uns kräftig vorwärts bewegt und man aufpassen muss, dass man nicht daran vorbei schießt oder noch schlimmer, irgendwo vor fährt. Aber alles geht gut und wir flutschen ins Hafenvorbecken. Dort atmen wir tief durch und suchen an Steg E unseren reservierten Liegeplatz. Kaum sind wir am Steg fest und haben die Kuchenbude aufgebaut, da holt uns das Gewitter ein und der Himmel öffnet die Schleusen. Es gießt in Strömen, blitzt und donnert für die nächste Stunde. Und danach wird alles ganz still und man hört jeden Mucks, weil alle Töne von der Spuntwand widerhallen. Es ist Niedrigwasser und wir liegen tief im Bauch des Hafens.

Dienstag 27.07.2021 – Melanie erwacht früh am kommenden Morgen. Und jeder, der in Erdkunde aufgepasst hat, weiß, dass nun Hochwasser ist. Die Rampe, die sie gestern Nacht auf dem Weg zum Waschhaus hoch geklettert ist, der wirkt jetzt wie eine Brücke und verläuft fast waagerecht. Auf einem Jollensteg liegen zwei Robben und dösen in der Morgensonne. Heute kommt auch unser Segelmacher an Bord. Wir besprechen verschiedene Kleinigkeiten, es wird noch etwas ausgemessen und wir erhalten jede Menge wertvoller Tipps von ihm. Für das Ausmessen musste sowieso das Großsegel abgeschlagen werden, so dass wir die Gelegenheit nutzen und gleich das Großfall mit austauschen. Geplant war das bereits und das Material dafür ist auch da. Während wir mit dem Segelmacher an Bord stehen, legt die Heimkehr direkt neben uns an. Natürlich begrüßen wir sie ganz herzlich und halten einen kurzen Schnack. Wir machen uns dann in die Stadt auf, kaufen ein und schauen uns in Ruhe um. Lange diskutieren wir dabei über die Weiterfahrt. Wann soll es wohin weitergehen? Wir sprechen darüber auch mit Marlene und Bert von der Heimkehr. Bei ihnen liefen die Gespräch wohl ähnlich ab. Das ist bei uns Seglern so, Abwarten, Wetterdaten erhalten, diese interpretieren, abwägen und Entscheidungen treffen. Abends gehen wir gemeinsam mit der Heimkehr, der Ahoi, der Germane und zwei weiteren Seglern beim Portugiesen Essen. Das Essen ist fantastisch lecker und es ist ein richtig netter und kurzweiliger Abend. Die Heimkehr und wir beschließen unabhängig voneinander, dass wir morgen nach Helgoland ablegen. Wir besprechen, wann wir am besten ablegen und halten 7 Uhr für eine ganz gute Zeit fest.

Mittwoch 28.07.2021 – Der Wecker klingelt um 6 Uhr. Wir sind gerade angezogen und schauen aus der Koje, da sehen wir wie hinter uns die Heimkehr bereits ablegt. Haben wir uns in der Zeit vertan? Später erklärt uns Bert, dass er nicht mehr schlafen konnte und sie deshalb eher abgelegt haben. Wir legen um 6:50 Uhr ab und lassen uns vom Tidenstrom mittragen. Die Überfahrt nach Helgoland ist gleich aus mehreren Punkten anstrengend. Zum einen muss man immer alle Fischerboote gut im Auge behalten. Es kommt immer mal wieder vor, dass die Fischer ihr AIS nicht eingeschaltet haben. Außerdem ändern sie kurzfristig einfach ihre Fahrtrichtung. Zum anderen haben wir ordentlich Wind und reichlich Welle. So sind wir auch bereits um 12:30 Uhr auf Helgoland. Das Großsegel rollen wir erst kurz vor der Hafeneinfahrt weg, die Genua wird erst im Vorhafenbecken eingerollt. Die Heimkehr ist schon da und Bert hat uns bereits einen Liegeplatz mit gesichert. So liegen wir längsseits im Päckchen an der Heimkehr. Wir gehen am Spätnachmittag eine Runde spazieren und erkunden den Ort. Bei Rikmer kaufen wir einen neuen Stecker für den Landstrom (eine bestimmte Kupplung um eine Kabeltrommel anschließen zu können), der schon lange weg ist. Wir wollen anschließend eigentlich zum Oberland hoch, aber es fängt an zu regnen und da wir kein Ölzeug anhaben beschließen wir den Ausflug erst morgen zu machen. Am Nachmittag melden wir uns beim Hafenmeister an. Der erklärt uns, dass der Hafen behördlich ist und keine Marina. „Das Spa-Programm fällt dadurch etwas kleiner aus“, erklärt er uns. Wir bezahlen für 2 Tage ein wirklich geringes Liegegeld. Das teuerste daran ist schon fast die Kurtaxe mit 2,75 €/Person und Tag. Abends kochen wir Spagetti mit Sahne-Pesto und Shrimps.

Donnerstag 29.07.2021 – Am Vormittag statten wir dem Schiffsausrüster Engel erst einmal einen Besuch ab. Wir schauen uns in Ruhe um und überlegen, was wir davon bunkern wollen. Heute bestellen wir aber noch nichts. Dann machen wir uns endlich auf den Weg zum Oberland. Wir haben Ölzeugjacken angezogen, weil es nach Regen aussieht. Bis zum Oberland kommen wir auch. Der Wind ist hier beeindruckend stark und sehr laut. Besonders am Funkmast pfeift der Wind ohrenbetäubend in dem Metallstreben. Wir laufen den Wanderweg entlang als es anfängt zu regnen. Es hat sich sehr zugezogen und der Regen wird immer dichter. Wir stellen uns bei einem Eingang zu den Bunkern unter. Dort stehen wir eine ganze Weile und warten darauf, dass der Regen weniger wird. Als es nur noch normal stark regnen, machen wir uns zunächst noch weiter auf den Weg Richtung Lange Anna, aber der Wind bläst kräftig und peitscht uns den Regen ins Gesicht. So entscheiden wir uns dafür den Abzweig zur Oberstadt zu nehmen und den Ausflug zur Langen Anna erst einmal zu verschieben. Bei den ersten Häusern angekommen ergießt sich ein Wolkenbruch über uns, der dafür sorgt, dass uns das Wasser in die Schuhe fließt und vorne wieder rauskommt. Unsere Hosen kleben an den Oberschenkeln fest, das Wasser fließt in Bächen den Berg hinab. Nach etwa 15 Minuten merkt Melanie, dass auch ihr Rücken pitschnass wird. Ihre Ölzeugjacke ist also definitiv nicht mehr dicht. Wir laufen die Treppen runter in die Unterstadt und zurück an Bord. Ausziehen bis auf die Unterwäsche, mit Handtüchern abrubbeln, trockene Klamotten an und ab unter die Bettdecke, um wieder richtig warm zu werden. Das Salzwasser der Überfahrt ist nun definitiv abgespült.

 Am Nachmittag bricht der Himmel auf und die Sonne kommt raus. Wir machen uns noch einmal gut ausgestattet auf den Weg, fest entschlossen dieses mal bis zur Langen Anna zu kommen. Auf dem Weg machen wir bei Rikmer Halt und kaufen eine neue Bauchtasche, da bei der alten der Reißverschluss unwiderruflich defekt ist. Beim Outlet halten wir dann auch noch einmal an, damit Melanie ein weiteres Paar Turnschuhe bekommt, die sie auch gleich anzieht. Wir beschließen dieses Mal den Weg anders herum zu laufen. In der Unterstadt kommen wir an einer Parfümerie vorbei. Melanie darf sich hier ihr Geburtstagsgeschenk selbst aussuchen. Wir nehmen danach den Weg unten am Minigolfplatz und am Sportplatz entlang. Vor der hinteren Treppe zum Oberland befindet sich ein Sandstrand. Im seichten Wasser davor tummeln sich viele Kegelrobben und Seehunde. 256 Stufen geht es steil die Felswand herauf. Am Oberland angekommen werden wir fast weggeweht. Stellenweise kommen wir keinen Schritt vorwärts und müssen aufpassen, dass wir nicht rückwärts laufen oder stürzen. An der Felskante herunterfallen kann man nicht, da bis auf die Treppen und Straßen alles gut eingezäunt ist. Aber auch die Mitte des Oberlandes ist hügelig und da muss man schon gut aufpassen. Bei der Langen Anna angekommen pustet uns der Wind in unglaublicher Stärke entgegen. Durch die steilen Felshänge wird der Wind kanalisiert und im hohen Gras kann man richtig die verschiedenen Windfelder, die entstehen beobachten. Die Tiere passen sich dem Wind ebenfalls an. Ein kleiner Spatz möchte ein Stück weiterfliegen. Er erhebt sich etwa einen Meter über den Boden und der Sturm erfasst ihn sofort, rasch lässt er sich wieder nach unten fallen und hüpft geduckt im hohen Gras langsam Stück für Stück vorwärts. Selbst die Möwen fliegen nur kleine Stücke, obwohl sie sich doch sonst gerne auf dem Wind treiben lassen. Die Kühe halten sich in den Kuhlen auf und suchen so Schutz vor dem Sturm. Die Ziegen gehen noch einen Schritt weiter. Sie erheben sich gar nicht erst von ihrem windgeschützten Platz in einer Mulde, sondern fressen rund um ihre Liegestelle das Gras ab. Nur die Basstölpel finden das Wetter wohl nicht so schlimm. Die Jungtiere sind um diese Jahreszeit schon fast so groß wie die Elterntiere. Nur ihr Gefieder ist noch plusterich und flauschig wie bei jungen Küken. Die Eltern haben alle Schnäbel voll zu tun ihren Nachwuchs mit Nahrung zu versorgen. Immer wieder erheben sie sich und fliegen elegant davon oder kommen von ihrer Nahrungssuche zurück, scheinen in der Luft zu stehen und lassen sich langsam wie ein Helikopter bei ihren Küken absinken. Es ist faszinierend ihnen zuzuschauen, aber der Gestank ist bestialisch!

Wir laufen den kompletten Klippenrundweg entlang. Immer wieder schauen wir auf die tosende See. Weiße Schaumkämme brechen sich wieder und wieder über die, zum Küstenschutz ausgebrachte Betonwände und Betonteile. Die Wellen haben eine unglaubliche Gewalt, wahnsinnig zerstörerisch und gewaltig, gleichzeitig aber auch unfassbar schön! Vom Oberland aus können wir unsere eMMa liegen sehen und freuen uns darüber, dass wir dort im Hafen sicher liegen. Sicher liegen heißt aber nicht, dass wir ruhig liegen. Es schaukelt kräftig und die Geräuschkulisse lässt sich nur schwer beschreiben. Fender quietschen, Leinen rucken, der Wind pfeift im Rigg und lässt es knarzen und immer wieder knallen die relativ kleinen Wellen an eMMas Heck. Das Wasser drumherum gluckert und plätschert. Die Bewegung dabei stört uns schon lange nicht mehr und gegen die Geräusche hilft es manchmal, wenn man Musik anmacht. Schön laut und schön (oder auch falsch) mitsingen, dann nervt es auch nicht.

Als wir von unserem Ausflug zurückkehren, landen wir im Deckshaus der Heimkehr und schnacken erst einmal eine Runde mit unseren Nachbarn. Es ist schön den Austausch mit anderen zu haben, Fragen zu klären, Neues dazuzulernen oder auch anderen etwas Neues beibringen zu können. Dabei vergeht die Zeit wie im Flug. Den Abend lassen wir zwei dann gemütlich mit den Resten vom Vortag ausklingen.

Freitag 30.07.2021 – Melanie hat heute Geburtstag. Markus schenkt ihr das Parfüm, welches sie sich am Vortag ausgesucht hat. Wir frühstücken gemütlich und machen uns auf dem Weg erst zum Hafenmeister, dort verlängern wir um weitere zwei Tage, dann zum Edeka. Wir kaufen ein, bringen Leergut weg und bummeln gemütlich durch den Ort. Immer wieder klingelt das Telefon. Freunde und Familie melden sich telefonisch, per Videocall oder mit Nachrichten per WhatsApp und Facebook bei Melanie und gratulieren herzlich. Zurück an Bord verabreden wir uns mit der Heimkehr zum Geburtstagstee mit Zitronenrolle und Mini-Windbeutel. Aber zunächst wollen wir noch ein wenig an Bord werkeln. Bereits vor einigen Wochen haben wir unser Backbord-WC lahm gelegt, weil wir festgestellt haben, dass es sich nicht mehr gut abpumpen ließ. Wir hatten dann auch direkt einen neuen Schlauch bestellt, den aber noch nicht eingebaut. Heute wollen wir uns an diesen Sch…job wagen. Etwa 3/4 des Schlauches lässt sich deutlich besser entfernen und den neuen Schlauch nachschieben als befürchtet. Das letzte Viertel wehrt sich standhaft und wir kommen nur Stückchen für Stückchen weiter. Immer wieder sägen wir etwa 20 bis 30 cm Schlauchende ab. Dabei zeigt sich deutlich, dass der Durchmesser des Schlauches durch Urinstein-Ablagerungen der letzten Jahrzehnte nur noch etwa einen Fingerbreit durchgängig ist (Durchmesser im Original etwa das 3-fache). Kurz gesagt, der Austausch war überfällig. Und weil wir gerade dabei sind und die WC-Pumpe undicht ist, tauschen wir diese auch noch aus. Während Markus die Sachen alle festschraubt und abdichtet, bringt Melanie den Müll zum Container. Dreimal läuft sie dort hin, weil die langen Rohrreste nicht nur unhandlich, sondern aufgrund des abgelagerten Urinsteins auch einiges an Gewicht haben. Danach wird alles sauber gemacht und Probe gepumpt. Alles ist dicht und lässt sich wunderbar einfach abpumpen! Nun heißt es, wie immer nach Reparaturarbeiten, alles wieder aufräumen, saubermachen und verstauen. Mit der Weile ist die Zitronenrolle aufgetaut. Da klopft es auch schon an Bord, doch es ist nicht die Crew der Heimkehr, sondern da steht Rainer von der Ahoi. Wir laden ihn spontan ebenfalls zu Tee und Kuchen ein. Bert und Marlene erscheinen auch kurz darauf. Der Tee ist fertig und der Kuchen kann verzehrt werden. Aber zuvor bekommen wir zwei ein Geschenk überreicht. Einen Bleistift vom TO (Trans Ocean e.V) als Geschenk für uns, weil wir die Leinen zur großen Fahrt losgeworfen haben, denn jede große Reise beginnt mit einem ersten Bleistiftkreuz auf der Seekarte. Es ist eine gemütliche Teerunde, es wird geschnackt und geklönt und viel gelacht. Rainer lässt uns eMMas ganz herzlich von Miriam grüßen. Und Melanie nutzt gleich die Gelegenheit und überreicht ihm eine unserer Visitenkarten. Das wollte sie eigentlich bereits beim Essen in Cuxhaven gemacht haben, hatte aber keine Visitenkarten mehr in der Tasche. Rainer muss leider zurück zu seiner Chartercrew.

Nach einer kurzen Verschnaufpause machen wir uns dann gemeinsam mit den Heimkehrs auf dem Weg zur Pizzeria. Dort haben wir für heute Abend einen Tisch reserviert. Wir sitzen im wintergartenähnlichen Anbau, genießen sehr leckere Pizza und reden über alles Mögliche. Nach dem Essen gelüstet es uns nach einem Eis. So schlendern wir noch zur Eisdiele, kaufen ein Eis auf die Hand und lassen uns am Hafen auf eine Bank nieder. Auf dem Heimweg erwischt uns dann doch noch ein kurzer, leichter Regenschauer, der aber schnell wieder vorbei ist. Rundum ein sehr schöner Tag!

Samstag 31.07.2021 – Der Wind hat wieder zugenommen, so war es auch angekündigt. Und dicke Regenschauer ziehen immer wieder über uns hinweg. Die Tagestemperaturen überschreiten kaum die 18°C! Als sich wenigstens für kurze Zeit die Sonne herauskommt, machen wir uns auf dem Weg zu Engel um unsere Bestellung aufzugeben. Engel ist ein Schiffsausrüster. Man bestellt die Waren, bezahlt sie vor Ort und sie liefern alles direkt zum Schiff. Das müssen sie auch, da die Waren pfandfrei sind. Wir ordern keine Unmengen, wie so manche andere Yacht im Hafen, aber es kommt ein bisschen was zusammen. Normalerweise kaufen wir keine Getränke in Dosen. Doch dadurch, dass sie pfandfrei sind, brauchen wir uns keine Gedanken über das Leergut zu machen. Denn vieles funktioniert in Europa schon sehr gut, aber ein einheitliches Pfandsystem haben sie bisher noch nicht hinbekommen. Und noch einen Vorteil haben die Dosen. Durch die kleineren Mengen hat jedes Glas auch noch Kohlensäure. Bei der Cola und der Cola light ist das meistens nicht das Problem, da wir die Flaschen dann eben innerhalb weniger Tage austrinken, aber beim Tonic Water sieht das schon anders aus. Wenn man für einen Gin Tonic eine ganze Flasche öffnet, dann steht sich das Tonic Water danach schnell ab und dann schmeckt es nicht mehr. Das Problem ist also mit den Dosen nun erledigt.

Den restlichen Tag verbringen wir mit faulenzen, Bericht schreiben, spielen, Kleinigkeiten an Bord arbeiten, Essen kochen und verspeisen, Abwasch machen, spazieren gehen, mit Freunden telefonieren und etwas putzen. Am Abend besuchen wir die Heimkehr und bekommen einen Bordrundgang. Ein wirklich schöner Kuttersegler mit tollen Holzausbauten. Marlene und Bert möchten sich noch das Konzert im Ort anhören, aber wir ziehen uns zu uns an Bord zurück. Die eingekauften Sachen müssen noch verstaut werden. Wir räumen um und Melanie schweißt das Toilettenpapier ein. Immer zwei Rollen in eine Tüte. Diese Packungen dienen so zusätzlich als Begrenzung und Klapperschutz für die Getränkedosen im Bilgefach.

Sonntag 01.08.2021 – Der Morgen beginnt sonntagsmäßig mit Ausschlafen und noch faul im Bett herumlungern. Bei uns ist ein Thema dabei häufig natürlich das Wetter. Heute im Speziellen, das Wetter zum Weitersegeln. Hin und her überlegen wir und entscheiden uns dann dafür noch einen Tag auf Helgoland zu verbringen. Nach dem Frühstück geht Melanie zum Hafenmeister und verlängert um eine weitere Nacht. Die Heimkehr leistet uns ebenfalls noch weiter Gesellschaft. Markus und Melanie wollen heute mal den Teil Düne von Helgoland erkunden. Wir kaufen also zwei Einzelfahrten, besteigen ein Börteboot und lassen uns zur Düne herüber kutschieren. Die meisten der 44 Mitfahrer biegen nach dem Aussteigen rechts ab. Wir machen uns links auf den Weg zum Strand und umrunden das kleine Eiland zu Fuß immer am Strand entlang. Die Sonne scheint auch und die Temperaturen des Vormittags (es waren nicht einmal 16°C) klettern auch endlich über 18°C. In einer kleinen Bucht haben sich die Seehunde und Kegelrobben nieder gelassen. Wir haben ein Fernglas mit und können uns gar nicht sattsehen. Auf dem letzten Stück Richtung Anleger treffen wir Bert und Marlene von der Heimkehr, die es sich auf einer Bank gemütlich gemacht haben. Ganz spontan verabreden wir uns dazu gemeinsam zum Abendessen bei einem kleinen chinesischen Restaurant einzukehren. Nach einer kurzen Pause an Bord machen wir uns also direkt wieder auf den Weg in die Unterstadt. Das Essen im Lung Wai ist super lecker und sehr zu empfehlen! Und die Gesellschaft mit den Heimkehrs ist ebenfalls mehr als angenehm und nett! So vergeht die Zeit wie im Flug und nach dem Essen schlendern wir gemeinsam zurück zu unseren Schiffen. Wir sitzen dann noch gemeinsam im Steuerhaus der Heimkehr, trinken ein Wein, quatschen und Markus hilft den beiden ihre Lieblingslieder auch über das Tablet abspielen zu können. So beendet wieder mal ein schöner Abend nicht nur einen schönen Tag, sondern auch eine tolle Woche!

Wochenbericht 1 (KW29)

„Freiheit ist selbst zu entscheiden, wann, wie und wohin es weitergeht“ – Crew der SY eMMa

Nach dem wir am 17.07.2021 im Yachthafen Hohe Düne abgelegt haben (siehe auch Blogeintrag vom 17.07.2021) sind wir erst einmal nach Kühlungsborn gesegelt. Für den Sonntag war sowieso schon Wind auf die Nase mit ordentlich Stärke angesagt und wir hatten deshalb auch direkt bis Montag den Liegeplatz bezahlt. Also ist am Sonntag Hafentag. Ausschlafen? Von wegen! Melanies Blase ist noch nicht im Langfahrt-Rhythmus angekommen. Auf dem Weg zum Waschhaus kommt sie an einer Hanse 41 vorbei. Der Skipper bereitet gerade alles zum Ablegen vor. Puh, denkt Melanie, und das bei diesem Wind. Es pustet immer noch durchweg mit 25 bis 28 kn und zwar genau quer zum Schiff. Wie will der da denn wegkommen? Er hat eine Achterleine auf die Backbordklampe, die LuV-seits ist, gelegt und versucht sich mittels Maschinenfahrt heraus zu drehen. Auf ihrem Rückweg vom Waschhaus steht der Skipper etwas verzweifelt auf dem Steg. Sie unterhält sich kurz mit ihm und er erzählt, dass er heute noch nach Boltenhagen (Wismarer Bucht) muss, weil er morgen wieder zur Arbeit muss. Melanie schlägt ihm vor in die Vorspring einzudampfen, aber da er Angst hat an die Nachbarlieger zu kommen, möchte er die Leine nicht am Dalben hinter der Mittelklampe befestigen. Einen Kugelfender hat er auch nicht an Bord und so macht sich Melanie zurück an Bord, weckt Markus, bittet ihn mitzukommen und besorgt den Kugelfender. So bewaffnet stehen wir kurze Zeit später wieder vor der Hanse. Melanie hält den Kugelfender zwischen Stegdalben und Bugspriet. Markus wird die Leine rüberwerfen, sobald der Winkel reicht. Der erste Versuch schlägt fehl, der Winkel reicht nicht aus. Also noch einmal festgemacht und die Leine doch hinter die Mittelklampe ausgebracht. Dann reicht der Winkel zum Eindampfen und das Heck schwingt langsam herum. Es dauert etwas bis das Boot so frei ist, dass Markus die Leine abnehmen und rüber werfen kann. Wir müssen den Skipper immer wieder daran erinnern Ruhe zu bewahren und das Manöver wie besprochen weiter durchzuführen. Mit viel Geduld und gutem Zureden unsererseits kommt das Boot endlich von der Pier frei. Der Skipper klariert allerdings nicht, wie es sinnvoll gewesen wäre, noch im Hafen die Leinen, Fender und die Segel, sondern stampft unter Maschine gegen Wind und Welle an. Markus verfolgt ihn noch einige Zeit auf dem AIS und sieht, dass er wirklich die Strecke nur unter Motor gegen Wind und Welle anfährt. Das wird ein Rodeoritt! Mit ihm möchten wir wirklich nicht tauschen. Der braucht danach sicherlich einen Physiotherapeuten! 

Den restlichen Tag verbringen wir mit Genießen, Kleinigkeiten erledigen, mit unseren Freunden Andrea und Jürgen telefonieren, Kuchen essen und abends kochen wir gemeinsam. Noch fühlt es sich an wie Urlaub.

Am Montag Morgen schlafen wir endlich mal etwas länger. Der Wind ist draußen kräftig am Pusten. Die Wellen brechen sich noch immer an der Mole. Gestern konnten wir sogar eine Gruppe von rund 20 Wellensurfer beobachten. Auch heute morgen sind noch vereinzelt ein paar von ihnen unterwegs, die hatten gestern bestimmt Wochenenddienst. Wir kochen Tee, frühstücken in Ruhe und entscheiden, dass wir noch zwei Tage in Kühlungsborn bleiben. Der Wind passt uns einfach noch nicht und auf Kreuzen bei viel Wind und fieser Welle haben wir noch keine Lust. So nutzen wir den Tag für Einkäufe, Gespräche, Organisatorisches, Telefonate, Bürokram, Spleißen, Wantenschoner beseitigen, Splinte tauschen, schwimmen gehen und noch vielen mehr. Auf dem Rückweg vom Strand sehen wir, dass eine HR mit TO-Stander an unserem Steg liegt. Wir grüßen freundlich und kommen kurz ins Quatschen. Die HR ist Ausbildungsschiff und gerade mit einer Crew auf Skippertraining unterwegs. Erst da registrieren wir, dass sie mit 5 Personen an Bord sind, dass heißt bei einer HR 38 die Eignerin schläft im Salon! 

Es ist Dienstag, der 20.07.2021, und es fühlt sich an wie ein Samstag! Ausschlafen, mehr oder weniger, im Bett faulenzen, lesen und sich in Müßiggang üben. Wir frühstücken erst mittags. Markus überwindet seinen inneren Schweinehund und geht joggen. 10 km schafft er! Nach seinem Lauf sitzen wir im Cockpit und trauen unseren Augen nicht. Die HR legt ab. Sie liegt an der gleichen Stelle wie vorgestern die Hanse, bei der gleichen Windsituation, wenn auch mit deutlich weniger Windstärke. Um den Bug herumzubringen nutzt sie ausschließlich das Bugstrahlruder. Und das auf einem Ausbildungsschiff! Die Trainerin hätte doch jetzt den Skipperanwärtern bestens erklären können, welche Möglichkeiten man in so einer Situation mit Leinenarbeit hat! Auch als wir beide ein paar Stunden später gemeinsam bis zum Leuchtturm Bastorf laufen, schütteln wir darüber immer noch die Köpfe. So wird Blödsinn also multipliziert.

Der Fußmarsch zum Leuchtturm und zurück ist eine Strecke von 16 km. Am Leuchtturmcafé essen wir Torte und trinken Eisschokolade. Es ist bereits Abend als wir wieder an Bord ankommen. Der Hafen hat sich stark gefüllt und an eMMa liegen gleich zwei kleinere Boote im Päckchen, eine Bavaria 34 und eine Bavaria 31. Nach dem Abendessen und der wohlverdienten Dusche baut Melanie gerade die Kuchenbude auf, da es nachts regnen soll, als eine Familie am Steg bei unserer eMMa stehen bleibt und sich von Melanie die Funktion unserer Windfahne erklären lässt. Als die Oma der Familie von unseren Plänen hört, bekommt sie ganz glänzende Augen und fragt direkt: „Habt ihr noch eine Koje frei?“

Mittwoch Morgen, wir sind startklar, haben gefrühstückt und alles segelfest verstaut. Mit den beiden Päckchenliegern hatten wir gestern Abend abgesprochen, dass wir zwischen 9 und 10 Uhr ablegen wollen. Die außenliegende kleinere Yacht ist auch pünktlich wach und ebenfalls startklar. Auf der Bavaria 34 regt sich auch um halb zehn noch immer nichts. Um 9:45 Uhr beschließen wir dort zu klopfen, als endlich ein Kopf aus dem Niedergang auftaucht. Der Skipper erscheint im Cockpit und bespricht sich mit einem anderen Stegnachbarn. Sie wollen die Landleinen halten und nur etwas fieren, damit wir rückwärts rausfahren können. Melanie findet die Idee nicht so super, weil die Landleine unter unserem Anker durchgeführt wurde und sich beim Rückwärtsfahren verhaken wird. Das sagt sie dem Kumpel an Land auch, der kommentiert es nur mit „da gebe ich dann schon genug Lose“. Hoffentlich geht das gut! Und kurz bevor wir ablegen wollen, taucht die Frau des mittleren Schiffs mit deren Hund auf und will noch unbedingt von Bord, weil der Hund ja Gassi gehen muss.

Um 10 nach 10 sind dann endlich alle soweit, dass das Ablegen beginnen kann. Die kleine Bavaria hat einige Probleme wegzukommen, schafft es dann aber mit viel Hilfe. Die andere Bavaria fiert die Leinen auf, wie geplant und treibt, wie von uns vorher gesagt, erst einmal achtern aus. Eine Kollision schaffen sie aber zu verhindern. Wir legen rückwärts aus der Lücke ab und sehen zu Land zu gewinnen. Melanie ist so froh, da endlich raus zu sein, dass sie Leinen und Fender vor dem Hafen klarieren will. Nächstes Mal machen wir das bei so viel Wind und Welle wieder im Hafenbecken! Draußen herrscht noch ein kräftiger Wind und hohe Wellen. So landen die Fender und Leinen erst einmal im Niedergang. Wir setzen die Segel. Da der Wind genau gegen an kommt, heißt es für uns kreuzen. 55 sm lang kreuzen wir immer hoch am Wind. Die neue Genua begeistert uns mal wieder aufs Neue! Streckenweise sind die Bedingungen etwas anstrengend, aber die meiste Zeit über ist es ein schönes Segeln. So langsam wachsen uns wieder Seebeine. Wir entscheiden uns heute für einen kurzen Wachrhythmus, dass heißt wir wechseln uns alle zwei Stunden ab. Es ist heute leider sehr kalt, so dass wir im weiteren Tagesverlauf wirklich das Ölzeug rausholen und eine Vliesjacke unterziehen müssen. Kurz vor der Ansteuerungstonne zur Fehmarnsund-Brücke bergen wir die Segel und starten die Maschine. Es dämmert bereits und der fast volle Mond steht hinter uns am Himmel. Gemeinsam suchen wir nach den unbefeuerten Tonnen, die das Fahrwasser markieren. Nach der Brückendurchfahrt folgen wir unserem alten Track vom letzten Jahr auf dem Kartenplotter bis in die Ankerbucht vor Ortmühle bei Heiligenhafen. Das Radar ist uns dabei ebenfalls eine große Hilfe. Um 23:30 Uhr fällt der Anker. Die Kettelänge muss Melanie Pi mal Daumen stecken, da das Kettenzählwerk Marke Eigenbau nicht so funktioniert wie es soll. Das schauen wir uns aber heute bestimmt nicht mehr an!

Am Donnerstag und den Freitag verbringen wir gemeinsam mit Caro und Jan von der Segelyacht King of Lions. Es werden schöne, aber auch anstrengende Stunden. Denn es wird nicht nur gemeinsam geshopt, gequatscht, gegrillt und gegessen, sondern auch eine Menge an Bord der King of Lions gearbeitet. Am Freitag Abend besuchen die Beiden dann uns an Bord von eMMa. Abends verabschieden wir uns dann voneinander. Besonders Melanie und Caro macht das etwas wehmütig. Hoffentlich sehen wir uns ganz bald in wärmeren Regionen wieder!

Seit einer Woche stellen wir uns für den Samstag Morgen das erste Mal mal wieder den Wecker. Um 7 Uhr machen wir uns langsam fertig, frühstücken etwas, ziehen das Dinghy hoch, machen alles segelfest. Das geht mit der Weile erstaunlich schnell. Dann geht es ein kleines Stück aus der Bucht raus unter Motor, bevor wir die Segel setzen. Markus ist jedoch mit unserer Reisegeschwindigkeit unzufrieden und zupft unruhig an den Leinen. Als der Wind dann noch achterlicher kommt, beschließen wir, es ist der richtige Tag um die Passatsegel auszuprobieren! Wir brauchen etwa eine halbe Stunde bis wir beide Segel und beide Bäume, sowie alle Schäkel, Schoten und Holepunkte in die richtigen Positionen gebracht haben. Danach stellen wir den Autopilot auf einen Punkt kurz vor der Kieler Förde ein und eMMa segelt wie auf Schienen. Nach einiger Zeit nimmt der Wind zu und als wir aus der Abdeckung von Fehmarn herauskommen baut der ONO Wind auch eine gute Welle auf. eMMa macht das super! Es geht mit 4-6 kn voran. Richtig chilliges Segeln! So macht es richtig Spaß. Kurz vor unserem gesetzten Wegpunkt stellen wir fest, dass wir heute den wahrscheinlich nördlichsten Punkt unserer Reise erreichen werden! Bei Melanie rollen dann irgendwann einfach die Tränen und sie kann selbst nicht genau sagen warum. Ein bisschen Traurigkeit, gepaart mit dem Gefühl angekommen zu sein, genießen, Entspannung, ganz viel Glücksgefühl und Liebe für Markus – das alles kommt einfach irgendwie zusammen. Und dann reicht ein kleines Lied beim Musikhören und die Tränen laufen einfach! 

Kurz vor Laboe reffen wir die Passatsegel und bauen anschließend die Bäume wieder zurück. Es klappt so super, dass wir selbst sogar ein wenig überrascht sind. Nur unter Genua segeln wir die Kieler Förde hoch bis wir vor Heikendorf den Anker werfen. Direkt gegenüber befindet sich die Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal. 

Es ist endlich wärmer geworden. Erst einmal eine Runde schwimmen gehen! 

Sonntag Morgen, 25.07.2021. Anker hoch um 8:50 Uhr. Auf in den NOK (Nord-Ostsee-Kanal). Das Tor zwischen Ost und West, einer der meist befahrensten Wasserstraßen der Welt. Zunächst einmal kreisen wir im Wartebereich für Sportboot bis das weiße Blinklicht erscheint, welches den Sportbooten sagt, dass sie in die Schleuse einfahren dürfen. Festgemacht wird an einem sehr tiefliegendem Schwimmsteg, der mit hoch und runter geht beim Schleusenvorgang. Es dauert ewig bis das Schleusentor geschlossen wird. Für uns ist vom Gefühl her noch nichts passiert. Kein Wasser eingerauscht, kein Absenken, da ertönt auch schon das Signal, dass das Schleusentor vorne geöffnet wird. „Alle Sportboote fahren bitte zuerst aus der Schleuse!“ Wie jetzt? An der Wand erkennen wir, dass der Schleusenhub gerade mal 40 cm hoch war. Dafür haben wir jetzt ernsthaft 1 1/2 h gewartet? Aus der Schleuse heraus beginnt bei einigen Booten ein Wettrennen. Uns ist das egal. Wir stellen den Motor bei 2000 Umdrehungen ein und machen damit zwischen 4,4 und 5,1 kn Fahrt. Das reicht uns. Markus macht uns unterwegs erst leckeres Frühstück mit Buagette, Schinken und Rührei und am späten Nachmittag kocht er Chinakohl und Kartoffeln. Es schmeckt wie immer fantastisch! Das sind auch die großen Highlights des Kanals. Große Schiffe kennen wir von der Warnow, Kanalfahrt hatten wir, und besonders Markus, schon mehr als genug und Schleusen kennen wir mit wesentlich mehr Hubhöhen. Auch wenn die Landschaft drumherum nett ist, es ist eine monotone Motorfahrt. So beschließen wir, bei Kanal-Kilometer 41 zur Gieselauschleuse abzubiegen und dort über Nacht zu bleiben. Die restlichen 40 km NOK machen wir dann morgen!

Leinen los und Sonnenbrand

17. Juli 2021

Wir wachen beide früh an diesem Morgen auf. Der letzte Morgen im Yachthafen Hohe Düne, welcher für die letzten vier Jahre unser Zuhause, unser Heimathafen war, auch wenn in eMMa´s Schiffspapieren Hamburg offiziell der Heimathafen ist. Hier in Rostock haben wir uns wohl gefühlt, haben wir Freundschaften fürs Leben geschlossen, Arbeit gefunden, sind Hobbys nachgegangen und haben nebenbei eMMa für diese Langfahrt ausgerüstet. Und nun soll es heute endlich losgehen.

Die allerletzten Kleinigkeiten werden verräumt und optimiert. Anschließend sind wir an Bord der Sterna und frühstücken ein letztes Mal gemeinsam. Noch während wir dort gemütlich sitzen kommen Lars und Heike, bringen uns eine große Tasche mit Geschenken und verabschieden sich von uns. Dass sie mit ihrer Propofol uns noch ein kleines Stück begleiten werden, erwähnen sie dabei nicht.

Dann kommen Markus Mutter Rita und ihr Mann Klaus. Sie sind bereits gestern angereist und wir hatten einen wirklich schönen letzten Abend gemeinsam verbracht. Danke, dass ihr da wart!

Und damit ist der Abschiedreigen eröffnet, denn schon stehen die nächsten bereit für die Verabschiedung. Markus Tauchlehrerkollege Dirk und seine Frau kommen extra die weite Strecke um zu winken. Wir haben die beiden mit unseren Plänen ein wenig angesteckt. Wir freuen uns darüber euch inspiriert zu haben und sind schon sehr gespannt auf eure Umsetzung!

Stegkameraden kommen zum Tschüss sagen, meine lieben (jetzt Ex-)Arbeitskolleginnen wollen ebenfalls zum Abschied winken und sind vorbei gekommen. Und immer wieder bekommen wir Geschenktüten überreicht. Herrje! Wo sollen wir das alles bloß lassen! Wir lagern erst einmal alles sicher in unserer Achterkabine ein. Öffnen wollen wir sie erst am Abend, vielleicht auch um die Tränen nicht jetzt schon fließen zu lassen.

In dem ganzen Abschiednehmen kommt Pia immer wieder zum Drücken und Umarmen. Und dabei hatte ich mir doch ganz fest vorgenommen nicht zu weinen! Noch halte ich es aus. Aber genau das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum wir uns irgendwie nicht so richtig von unseren lieben Freunden Andrea und Jürgen verabschiedet haben. Es gibt Abschiede, die möchte man nicht wahrhaben. Da kann man sich noch so sehr auf die Reise gefreut haben! Ihr habt immer einen Ehrenplatz in unseren Herzen und für euch ist immer eine Koje auf eMMa frei! Wir freuen uns jetzt schon auf eure Besuche an Bord!

Ein letzter Gang ins Hafenmeisterbüro, ein letztes Mal nach Post fragen, unsere Transponder fürs Sanitärgebäude abgeben, auch hier Tschüss sagen. Ein Dankeschön für die tolle Zeit, Unterstützung und die zuvorkommende Hafencrew haben wir schon vor drei Tagen abgegeben.

Weit gereister Besuch an Bord

Und dann ist der Moment gekommen, auf den wir so lange hingearbeitet haben. Wir legen um 12 Uhr Ortszeit von unserem Liegeplatz D56 ab. Andreas wir nehmen dich beim Wort! Er hat nämlich versprochen, dass er dafür sorgt, dass der Liegeplatz wieder für uns frei ist, wenn wir nach den geplanten fünf Jahren wieder zurück nach Rostock kommen sollten. Es wird dank der JulJo Crew Musik gespielt, gewunken und getutet was das Zeug hält. Jeder schaut mir auf die Finger, als ich die Manöverleine belege. Alles wird genau begutachtet. Markus startet den Motor und wir legen ab. Nach uns legen noch die Crews der Najade, der Sterna und der JulJo mit ab und begleiten uns noch ein Stück. In der Hafenausfahrt gesellt sich dann auch noch die Wasserschutzpolizei dazu. Es wird weiter gehupt und getutet und noch mehr gewunken. Vor dem Hafen setzen wir die Segel. Da gesellt sich auch noch die Propofol dazu.

Der für mich schwerste Moment kommt als Sterna mit Andrea und Jürgen und unserer Tochter Pia an Bord sich verabschiedet und wieder Kurs auf YHD nimmt. Da brechen bei mir die Dämme und die Tränen laufen einfach los. So ein Gefühlschaos! Freude, Traurigkeit, Aufregung, Lebenslust und auch eine Spur von Angst, all das strömt in so einem Moment auf einen ein. Da bleibt dann irgendwann einfach nur das Überdruckventil.

Der Wetterbericht verspricht tollstes Segelwetter – für alle, die nach Osten möchten. Unser Kurs geht aber noch Westen und das wir bekommen den Wind auf die Nase, was nichts anderes bedeutet als es muss gekreuzt werden. Immer hoch am Wind können wir unser neues Vorsegel endlich richtig testen. Was für ein Unterschied zu unserer alten Genua! An der richtigen Schotführung werden wir noch etwas arbeiten. Aber das wird sich sicherlich einspielen. So geht es dann auf einem Zick-Zack-Kurs geradewegs nach Kühlungsborn. Die Wellen sind für die Windstärke ungewöhnlich hoch und bremsen unsere Fahrt immer wieder aus. Später nimmt der Wind noch weiter zu und die Wellen lassen eMMa gut schaukeln. Markus macht zwischendurch ein Nickerchen und ich genieße einfach das Unterwegs sein. Am späten Nachmittag erreichen wir Kühlungsborn. Erst kurz vor der Hafen bergen wir die Segel. Mit der Weile zeigt der Windmesser durchweg 16 kn an, immer wieder gibt es auch Böen mit 20-22 kn. Ich fahre in den Hafen ein und drehe dort ein paar Runden, halte Ausschau nach einem möglichen Liegeplatz und inspiziere die Windsituation. Markus bereitet während dessen die Leinen und Fender vor. Der Hafen ist sehr voll, Boxen sind in unserer Größe keine mehr frei und so entscheide ich mich für das Anlegen längsseits an einer anderen Yacht.

Kaum sind wir fest, steht der Eigner vor uns und sagt, dass wir zwar gerne liegen bleiben dürfen, er aber gleich sein Boot in seine eigentliche Box verlegen wird, die zurzeit noch von einem Gastlieger blockiert wird. Kein Problem. Markus läuft zum Hafenmeister, zahlt unser Liegegeld und fragt direkt nach, ob wir dort dann liegen bleiben können. 

Am Abend kommt Mareike (meine jüngste Schwester) an Bord. Gemeinsam legen wir kurz ab, lassen das Nachbarboot ziehen und legen direkt danach wieder an. Anschließend holen wir alle Geschenke ins Cockpit und Markus und ich packen immer abwechselnd eines aus, lesen die wunderschönen Karten mit den liebevollen Wünschen und Gedanken vor und bei mir rollt die eine oder andere Träne bzw. versagt die Stimme. Ich kann euch allen gar nicht genug für diesen tollen Abschied danken! Mareike hält diese Moment mit der Kamera fest. Während wir so im Cockpit sitzen, merke ich schon, dass ich mir einen Sonnenbrand zugezogen habe. Markus ist ebenfalls sehr rot geworden. Und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen! Wir hatten in der ganzen Aufregung völlig vergessen uns einzucremen! Anfängerfehler!

Der Countdown läuft

19. Mai 2021

Wow! Schon wieder so lange keinen Blogeintrag geschrieben *schäm mich ja schon.
Woran lag es? Mhh, lass mal kurz überlegen. Zum einen habe ich fleißig an unserer Homepage gearbeiteten, auch wenn das noch nicht so zu sehen ist, wie ich mir das vorstelle. Aber es wird! Zum anderen stecken wir mitten in den Vorbereitungen für unsere große Reise. Unsere Countdown-Anzeige sagt uns nun noch 9 Wochen bzw. weniger als 60 Tage an, bis zu unserer Abfahrt. Am 17.07.2021 geht es endlich los. Ich habe am 16.07.2021 meinen letzten Arbeitstag. Auf der einen Seite ist noch sooooooo viel zu tun, auf der anderen Seite ist aber auch soweit alles fertig, dass wir morgen ablegen könnten. Wir haben in den letzten Monaten noch einiges erneuert, ausgetauscht oder neu angeschafft. Und irgendwie habe ich es einfach nicht geschafft über all das zu berichten. Aber das wird sich ändern!

und die letzten zehn Wochen – der Countdown läuft

Was wir alles gemacht haben? Markus hat sich um unsere Ersatzteilliste gekümmert. Ich habe unsere Medizinausstattung überarbeitet. Außerdem haben wir uns mit unserer Krankenversicherung, sowie mit eMMas Yachtversicherungen beschäftigt und haben Reisepässe beantragt. Bei allem ging es immer wieder darum, was nehmen wir mit, wo haben wir Mut zur Lücke, welche Risiken können und wollen wir nicht abdecken, was ist zwingend erforderlich und natürlich was kostet es. Tagelang haben wir im Internet recherchiert, Preise verglichen, Daten gesammelt, Entscheidungen getroffen und Bestellungen aufgegeben. Danach gaben sich die Paketboten im Hafenmeisterbüro die Klinke in die Hand. Zwischenzeitlich haben wir Stauraum optimiert, nach passenden Behältern gesucht, die den vorhandenen Raum optimal nutzen und die angelaufenen Spiegel aus den Bädern entfernt. Sie wurden durch Holzplatten bzw. Holztüren ersetzt, die weiß gestrichen werden. Zudem hat eMMa jetzt einen neuen Anker und eine neue Ankerkette und Mitte Juni erhält sie auch noch ein neues Vorsegel. Dann gab es da noch die Reiseimpfberatung im Tropeninstitut der Uniklinik. Dort sind wir nicht nur beraten, sondern auch gleich geimpft worden. Gegen SARS-CoV2 haben wir auch bereits die 1. Impfung erhalten. Letzte Termine für Vorsorgeuntersuchungen stehen bereits oder sind schon abgehakt. Und dann ist da noch die Vorbereitung auf unsere TTU (Tauchtauglichkeitsuntersuchung). Das wird einer unserer letzten Termine vor der Abfahrt werden und mir graut es jetzt schon davor. Aber ich fahre fleißig Fahrrad und versuche meinen Kreislauf trotz Homeoffice in Schwung zu halten.

Das Glück liegt am (linken) Ende des Regenbogens

28. Oktober 2019

Auf dem Heimweg von der Arbeit nach Hause fing es an zu regnen. Meine Laune sank damit auch zunächst in den Keller. Doch je mehr ich mich unserem schwimmenden Heim näherte, desto besser wurde meine Stimmung. Denn mir präsentierte sich mal wieder die komplette bunte Lebensweisheit der Natur! Ein wunderschöner Regenbogen spannte sich über den Yachthafen und zeigte mir, dass dort wo es Schatten gibt auch Licht sein muss! Und am Ende des Regenbogens liegt bekanntlich das Glück (wahlweise auch Gold)! Meine Laune besserte sich schlagartig! Ganz nach dem Motto: Schenkt das Leben dir Zitronen, mach Limonade daraus (oder frag nach Salz und Tequila)!

Unser YouTube Kanal ist online

Markus war fleißig und hat unsere neuen Festmacherleinen gespleißt. Die beiden kurzen Leinen bekamen ein Auge und alle restlichen Enden wurden mit einem Rückspleiß gesichert. Den Rückspleiß hat Markus gefilmt. Nun haben wir also auch noch einen YouTube Kanal. Gerne könnt ihr SY eMMa abonnieren. Über diesen Link hier könnt ihr den Rückspleiß anschauen.

Wenn der Motor noch immer streikt

5. September 2019

Am Montag Vormittag taucht wie verabredet unser Techniker mit seinem Auszubildenden auf. Sie machen sich umgehend daran unseren Kabelbaum durchzumessen. Yanmar besteht darauf, denn sie haben die Befürchtung, dass dieser einen Kurzschluss verursacht, der die Steuereinheit lahmlegt. Unser Kabelbaum ist okay – kein Fehler festgestellt, alle Werte sind so wie sie sein sollen. Nun wird die neue Steuereinheit eingebaut und anschließend der Laptop mit dem Diagnoseprogramm gestartet. Natürlich will Windows wieder einmal erst ein Update machen. Anschließend läuft das Diagnoseprogramm durch und zeigt NICHTS – keine Änderung, alle Werte immer noch so, wie sie sein bzw. nicht sein sollten. Steuereinheit raus, alte Steuereinheit rein. Nun wird der Ölsensor gewechselt und weitere Startversuche unternommen. Endlich zuckt die Öldrucknadel, endlich zeigt das Diagnoseprogramm die Werte, die es soll – aber der Motor bleibt stumm. Alles wie gehabt. Der Anlasser rödelt, die Wasserpumpe pumpt, aber es kommt kein Diesel dort an, wo er hingehört. Wieder folgen Telefonate mit Yanmar Hamburg. Die Dieselhochdruckpumpe muss ausgebaut werden. Sie weigert sich allerdings erst einmal. Zudem ist sie an der Seite angebaut, die bis auf die Unterseite des Motors am schlechtesten in unserem wirklich geräumigen Motorraum zugänglich ist. Nach viel Geschimpfe und Gestöhne haben es die beiden Techniker geschafft und die Pumpe liegt vor uns. Und sie hat definitiv einen Defekt. Ob es sich um ein Haarriss in Folge eines Materialfehlers handelte und sich durch die Fahr- und Segelstunden Späne gebildet haben, ob durch den Haarriss und die Demontage das Teil gebrochen ist – keiner weiß es genau. Fakt bleibt, es ist ein Garantiefall und eine Ersatzpumpe muss her. Fakt ist ebenfalls, dass es für uns heute wieder nicht weiter geht und wir weitere Nächte verlängern müssen.

Der Hafenmeister begrüßt mich mit dem Worten: Ihr könntet eine Menge Geld sparen, wenn ihr von Anfang an sagt, wie lange ihr bleiben wollt! Ich bin sauer! Haben wir uns schließlich nicht ausgesucht! Das ewige Warten macht es uns auch nicht gerade einfacher. Und so schön Lohme auch ist, ich habe ja bereits ausführlich geschrieben, dass es hier ein wenig wie am „A….“ der Welt ist! Nach der ersten Enttäuschung, beschließen wir weiterhin das beste aus der Situation zu machen. Dann eben ein Segelurlaub ohne Segeln.

jeder Gang ins Dorf bedeutet 228 Stufen hoch und nachher wieder runter
tolle Sonnenuntergänge versüßen uns die lange Wartezeit

Im winzigen Ort Neddesitz gibt es ein Freizeitbad mit Saunalandschaft. Unsere Guru Maps Offlinekarte verrät uns, dass es 5,6 km Luftlinie bis dort sind. Busverbindung möglich – 1 Stunde und 50 Minuten für ein Weg mit zweimal umsteigen. Wir entscheiden uns fürs Wandern. Da wir nun mal nicht fliegen können und somit die Luftlinie ausfällt, ist der Weg durch Feld, Wald und Wiese etwas länger. Wir kommen auf etwas mehr als 8 km für den Hinweg, plus die 228 Stufen nach Lohme hoch. Vier Stunden schwimmen, entspannen, rutschen, plantschen, saunieren und dabei Spaß haben. Das Splash (so heißt das kleine Freizeitbad) ist wirklich nett, die Preise sind jedoch nicht von schlechten Eltern. Für 4 Stunden Badevergnügen mit Sauna (einzeln ist es nicht buchbar) zahlen wir für zwei Erwachsene 26 Euro. Für eine Tageskarte kämen noch einmal 6 Euro pro Person dazu, am Wochenende zahlt man übrigens zusätzlich noch einen Euro pro Person WE-Aufschlag dazu.

auf Rügen mit Blick auf Kap Arkona

Um die vier Stunden Aufenthalt auch wirklich nutzen zu können, entschließen wir uns auch den Rückweg zu Fuß anzutreten, denn der letzte Bus fährt bereits etwa 40 Minuten eher. Auch wenn es doch ganz schön anstrengend ist, denn wir überwinden auch so einige Höhenmeter, genießen wir es sehr. Wir sehen einen großen Greifvogel, der zu seinem Horst im Wald fliegt. Seine Schwingen haben eine beeindruckende Spannweite und immer wieder sieht es so aus, als würde er die Äste streifen. Etwas weiter begegnen wir einem Rehbock. Ein wunderschönes Tier, das etwas verschreckt durchs Unterholz hüpft. Als es uns bemerkt, bleibt es wie erstarrt zwischen zwei Bäumen stehen. Solche Momente sind einfach magisch! Am Wegesrand wachsen viele Brombeeren. Die Sträucher hängen voll mit den dicken, schwarzen und zuckersüßen Früchten. Dazu begegnen uns auf beiden Wegen nicht einmal eine Handvoll Menschen. So wird dieser Tag zu einem wunderschönen Urlaubstag.

Brombeeren – Stärkung am Wegesrand

Am Donnerstag soll es dann endlich soweit sein. Leider bekommen wir im Mittag einen Anruf, dass die Expresssendung wohl doch nicht als Express rausgegangen ist und nun erst im Laufe des Tages beim Techniker ankommen wird. Er kommt dann am Freitag Morgen. So zwischen zehn und elf soll er hier sein.

Wird er uns Glück bringen?

Warten auf Rügen

31. August 2019

Ja, wer da flieht dem Lärm der Welt,

wer Ruhe für das Beste hält,

wer, wenn er durch die Wälder streift,

die Schönheit der Natur begreift,

wer, wenn die Sonne untergeht,

auf hohem Ufer träumend steht,

der hat gewiß in solchen Stunden,

was er in Lohme sucht, gefunden.

(Gedicht im Restaurant „Daheim“,
unbekannter Verfasser)

Ja, Lohme ist schön, die Natur ist toll und besonders das Abendlicht fantastisch. Allerdings muss ich gestehen, dass mir das an ein oder zwei Tagen schon völlig ausreicht.

Es soll ja wirklich Leute geben, die gerne zwei oder drei Wochen Urlaub auf Rügen machen. Allerdings werden die meisten davon wahrscheinlich mit dem Auto hier sein, alternativ auch gerne mit dem Fahrrad, aber das zählt nicht. Mit dem Fahrrad ist es ja so ähnlich wie mit dem Segelboot. Du bist unterwegs, machst jeden Tag ein wenig Strecke, siehst täglich etwas neues. Besuchst die eine oder andere nette Sehenswürdigkeit und ziehst dann weiter.

Aber was machen die vielen Urlauber, die eine feste Ferienwohnung, eine Pension oder ein Hotelzimmer gebucht haben? Durch unser Motorproblem und das damit verbundene Warten befinden wir uns jetzt genau in dieser Situation. Wir haben gerade, wenn man so will, eine schwimmende Ferienwohnung im Hafen von Lohme. 

Lohme ist ein hübscher, aber winziger Ort auf Rügen. Ein paar wenige Häuser, einige kleine schnuckelige Pensionen und Ferienwohnungen und noch weniger Hotels. Auch diese gehören zur kleinen, gemütlichen Sorte. Der Hafen liegt am Fuße der Steilküste. Rechts und links gibt es Steinstrand mit großen Findlingen. Direkt dahinter steigt die Küste steil empor und ist bewachsen von alten Buchenwald. Vom Wasser her sieht es so aus, als wenn die Insel ein grünes, flauschiges Fell besitzt. Vom Hafen führt eine Treppe in den Ort hoch. 228 Stufen sind es bis oben! Das ist jetzt gerade unser tägliches Fitnessprogramm, gut für Bauch, Beine und Po! Und wehe ich habe danach keinen Knackarsch! Auf etwa 1/3 der Strecke liegt das Café Niedlich mit einer Sonnenterasse, die einen tollen Blick über die Ostsee bietet. Wir sind bisher immer erfolgreich daran vorbei gegangen!

Natürlich kann man spazieren oder wandern gehen, haben wir auch bereits gemacht. Außerdem haben wir Binz, Prora, Sassnitz, Glowe und Kap Arkona mit dem Bus erkundet. Das war auch alles ganz nett, aber ein zweites Mal braucht man das nicht unbedingt. Zwei Dinge sind uns dabei besonders aufgefallen. Der ÖPNV auf Rügen ist nur mäßig ausgebaut. Von Lohme aus fährt ein Bus in Richtung Sassnitz und ein Bus in Richtung Altenkirchen Schule (Nähe Kap Arkona). Sie fahren ein Mal pro Stunde. Es gibt einen Bus morgens um 7 Uhr herum (für die Schulkinder). Ab etwa halb elf fährt er dann stündlich bis um etwa 17 Uhr. Danach fährt nichts mehr. Das heißt aber leider auch, dass es für uns bei Tagesausflügen bereits um 15 oder 16 Uhr heißt den Heimweg anzutreten, da man sonst nicht mehr bis Lohme zurück kommt. Außerdem ist Busfahren hier relativ teuer und so etwas wie ein Viererticket oder ähnliches gibt es gar nicht.

Nach dem am Freitag klar war, dass wir auch das Wochenende noch hier festsitzen werden, wollten wir uns Karten für die Störtebeker Festspiele gönnen. Hin wären wir auch gut gekommen. Wir wollten uns Bergen anschauen, Sommerrodelbahn fahren und anschließend weiter nach Ralswiek. Es fahren nach der Vorstellung und dem Feuerwerk sogar zwei Busse von Ralswiek ab. Der eine bis nach Sassnitz, der andere nach Altenkirchen. Keiner davon kommt über Lohme. Die nächstgelegene Haltestelle der Strecken ist 8 km Luftlinie vom Hafen entfernt. Leider etwas zu weit um nachts um halb zwölf zu laufen. Auch alle alternative Überlegungen liefen ins Leere. In der Tourismuszentrale von Lohme telefonierte ein sehr freundlicher Mitarbeiter mit dem örtlichen Campingplatz. Sie würden uns sogar mitnehmen und nachher wieder zurück bringen, aber leider fahren sie an diesem Wochenende gar nicht. Fahrradverleih für eine Strecke ist auch nicht möglich. So fiel dieser Plan leider auch ins Wasser.

Fehlersuche geht weiter

27. August 2019

Heute Vormittag kommt der Techniker unseres Vertrauens zu uns an Bord. Er misst und testet. Laptop raus, Diagnoseprogramm starten, Werte interpretieren, zwischendurch Windows-Update (ist ja bei Windows leider nicht wirklich zu unterdrücken). Lauter Startversuche – nichts tut sich. Der Techniker telefoniert mit Yanmar in Hamburg, mit Yanmar in Holland und mit drei weiteren Kollegen. Unser Motor bleibt stumm. Es kommt Diesel an der Hochdruckpumpe an, aber nicht mehr danach. Die Pumpe lässt nichts durch. Alle tippen auf die Steuereinheit. Das Ersatzteil wird geordert. Yanmar stellt sich etwas quer, denn die Steuereinheit ist teuer und die wollen sie nur ungern rausschicken. Nach vielen Telefonaten hin und her wird der Öldrucksensor, die Steuereinheit und der Kabelbaum an den Techniker versandt. Die Ersatzteile kommen aber erst am Freitag Mittag bei ihm an. Er teilt uns mit, dass er am Montag Morgen wieder zu uns hochfahren wird. Wir sind alles andere als begeistert. Doch uns bleibt ja nichts anderes übrig als zu warten.

Motor startet nicht

26. August 2019

Es ist Montagmorgen und wir wollen weiter Richtung Sassnitz. Es geht etwas böiger Wind aus Nordost. Wir bereiten eine lange Vorleine an der Steuerbordseite vor, damit ich beim Ablegen noch möglichst lange den Bug in Luv halten kann. Die Vorleine an Backbord ist gelöst, Markus geht ans Ruder und macht das Motorpanel an. Er drückt den Startknopf -> nichts tut sich! Man hört den Anlasser röhren und die Wasserpumpe pumpt Kühlwasser, aber der Motor bleibt stumm! Wir telefonieren mit unserem Techniker. Er stöhnt: Oh je, sie sind aber auch am Arsch der Welt! Als wir ihm sagen, dass wir gestern noch auf Christiansø waren, wird er ganz still. Ja, er ist der nächstgelegene zertifizierte Yanmar-Techniker und ja, er kommt morgen Vormittag zu uns raus!

Okay, wir werden das beste daraus machen!

Katze an Bord

21. August 2019

Gestern Abend saßen wir gemütlich beim örtlichen Italiener. Unser Platz direkt am Fenster ließ uns freien Blick auf den Hafen und die Straße. So beobachteten wir, wie eine schwarze Katze mit weißen Pfoten sich an unterschiedlichen Stellen die Straße entlang ein Plätzchen zum Dösen, Putzen und Beobachten suchte. Irgendwann war sie der Sucherei wohl überdrüssig und legte sich einfach in den Rinnstein. Jetzt ist diese Straße wirklich sehr schmal und wurde aus ebendiesen Gründen von der Gemeinde bereits zur Einbahnstraße erklärt. Die Katze, zwar recht zierlich, machte nun diese Straße also noch etwas enger. Alle ankommenden Autos drosselten ihr ohnehin schon langsames Tempo auf Schrittgeschwindigkeit und umkurvten vorsichtig das Fellknäuel. Diese ließ sich durch nicht stören! Doch dann kam der Linienbus. Er füllt auch sonst schon die komplette Straßenbreite aus. Die Katze interessierte das überhaupt nicht und sie blieb einfach liegen. Der Bus stoppte direkt vor ihr – die Katze blieb liegen. Erst als der Busfahrer auf die Hupe drückte, schreckte sie hoch und verschwand in einem Blumenkübel.

Als wir später zu eMMa zurück gingen, einmal über die Straße also, lag die Mieze auf den kleinen Holzkasten an der Pier und schlief. Sie hat ein Halsband und eine Marke und sieht auch ansonsten sehr gepflegt aus.

Sie genießt die warme Morgensonne

Heute Morgen frühstückten wir im Cockpit. Es ist herrlich warm, die Sonne scheint und es geht nur wenig Wind. Madam Miau war auch schon wach, räkelte sich auf einer Bank, putzte sich und beobachtete die Segler. Irgendwann stand sie auf und ging auf Streifzug. Immer an der Pierkante entlang und den Blick auf die Frühstückstische in den Cockpits gerichtet. Doch sie hatte nirgends Erfolg mit ihrer Bettelei. Das war bestimmt der Punkt, an dem sie sich entschied, mal bei uns an Bord vorbei zu kommen. Unsere Deckshöhe liegt parallel zum Pierbalken und schwups war sie an Deck. Sie stolzierte über das Vorschiff auf die Backbordseite, lief bis achtern und kam dann über das Achterndeck ins Cockpit geklettert, als wäre es das Verständlichste der Welt für sie. Allerdings bekam sie auch bei uns am Frühstückstisch nichts. Und so war sie genauso rasch wieder verschwunden wie sie gekommen war. Wir werden gleich vor dem Ablegen noch einmal gut nachschauen, nicht dass wir ungewollt eine Bordkatze bekommen!

Samtpfote im Anmarsch
Na? Gibt es hier was zum Naschen?
Sie fragt nicht mal, ob sie ins Cockpit darf – sie macht es einfach

MOB-Training

27.07.2019

Wir haben uns mit unseren Freunden Andrea und Jürgen zum MOB-Training verabredet. Eigentlich war geplant, dass wir zunächst mit dem einen Boot und dann mit dem anderen Boot jeweils das MOB-Manöver so fahren, als wenn wir nur als Paar an Bord gewesen wären. Da eMMa aber in den letzten beiden Tagen ihr neues Deck erhalten hat und alles noch durchtrocknen musste, ging es nur mit Sterna raus.

Das Wetter sorgte gleich für das richtige Ambiente. Bei 16 bis 22 kn und etwa einen halben Meter Welle ging es raus auf die Ostsee vor Warnemünde/ Hohe Düne. Es waren kaum andere Segler draußen und so konnten wir umgehend mit unserer Übungseinheit Nummer eins beginnen. Ziel der Übung: Einhand die MOB-Boje anfahren und eine Leinenverbindung herstellen. Jeder war mal dran. Theorien wurden in die Praxis übertragen und teilweise direkt wieder als umpraktikabel verworfen. Durch einen Versatz zwischen Wind- und Wellenwinkel war es zum Beispiel wesentlich einfacher die Leinenverbindung über die Lee-Seite herzustellen, da der Dummy auf der Luv-Seite viel zu schnell abgetrieben wurde.

Konzentrierte Ansteuerung – gar nicht so einfach zu sehen
Leinenwurf – manchmal haut es beim ersten Versuch hin
Erfolgreiche Leinenverbindung hergestellt
Ansteuerung auf den MOB, jeder ist mal dran
Blickkontakt zum MOB
Leinenverbindung erfolgreich hergestellt!

Nachdem jeder mehrfach dran war, wurde Schritt zwei eingeleitet. Leinenverbindung steht, also muss der MOB wieder zurück an Bord. Unsere Freunde haben dafür ein System an Bord, das in ein Fall eingeschäkelt und mit einem weiteren Schäkel an der Wante eingehakt wird. Anschließend wird das Fall über die Winsche gelegt und der MOB hochgekurbelt. Soweit die Theorie. Für die Praxis stellte Markus sich zur Verfügung. Ein Unterzieher aus dem Tauchbedarf, Ölzeug und Rettungsweste (bereits aufgepustet, ohne Patrone, Salztablette und AIS-Sender) wurden von ihm angezogen. Da mit der Weile der Wind noch weiter zunahm (18 bis 26 kn) entschieden wir uns Markus nur mit einer Leinenverbindung ins Wasser zu werfen und das Boot dabei ohne Fahrt treiben zu lassen. Mit der kleinen Winsche unter der Sprayhood war es für uns Mädels unmöglich und selbst Jürgen stand kurz vor der Schnappatmung. Mit einer Umlenkrolle ging es auf die große Genuawinsche. Da diese auf Sterna auch elektrisch betrieben werden kann, war es damit dann gut möglich Markus rasch wieder aus dem Wasser zu ziehen. Hierbei zeigte sich wieder einmal, wie wichtig mindestens ein Schrittgurt ist. Ohne Schrittgurt nützt die beste Rettungsweste nichts! Bequem ist das ganze beim Hochgezogen werden auch nicht wirklich.

Vorbereitungen für die MOB Übung mit realer Person im Wasser
Aufgrund des Windes verpassen wir Markus direkt eine Leinenverbindung
Leinenverbindung hergestellt, Bergesystem eingeklinkt
Gerettet!

Fazit unserer Übungsstunden:
Rettungswesten immer nur mit Schrittgurt!
Dieser Worst Case Fall eines MOB ist mit allen Mitteln zu verhindern!
Trotzdem sollte jeder Segler es regelmäßig mit seiner Ausrüstung an Bord üben. Es muss nicht immer der komplette Vorgang sein. Das ganze Szenarium in Teilaufgaben aufteilen und dann in kurzen Übungseinheiten trainieren. Das bietet viel Sicherheit und hilft im Ernstfall die Ruhe zu bewahren.

Wie das Wetter so spielt

12.05.2019

Seit Wochen freuten wir uns auf diesen Besuch. Ana und Martin sind wundervolle Menschen, die wie wir das Segeln lieben. Also sollte es für ein paar Tage auf die Ostsee gehen. Doch es sollte mal wieder alles anders kommen als geplant.

Montags sah es so aus, als wenn es mit dem Segeln aufgrund von Starkwind nichts werden sollte. Bis Donnerstag hofften wir dann, dass es überhaupt Segelwind gibt. Von Starkwind auf Flaute – soviel zum Thema verlässliche Vorhersagen! Da auch Ana und Martin ihre Pläne leider etwas abändern mussten, entschieden wir gemeinsam, dass wir nur vor der Küste segeln werden und immer wieder am Abend in unseren Heimathafen zurückkommen werden.

Der Freitag empfing uns mit trüben Wetter. Der Wind war eher schwach, aber da mit Gewitterböen gerechnet werden mussten, blieben wir beim Vollzeug und verzichteten auf das Leichtwindsegel. Auch wenn es nicht besonders gemütlich war, da wir dann wirklich noch einen Regenschauer abbekamen, war es trotzdem ein Schönwettersegeln – ohne schönes Wetter.

Markus verwöhnte uns wieder kulinarisch! Und spülen durfte auch niemand, mit viel Glück mal beim Abtrocknen helfen!

Für Samstag sollte das Wetter besser werden. Na ja, es kommt darauf an, was man unter besser versteht. Die Sonne schien, das war auf jeden Fall schon mal besser, aber leider war der Wind noch schwachwindiger als gestern. Aber es waren diesmal keine Böen zu erwarten. Und so beschlossen wir den Gennaker bereits im Hafen vorzubereiten. Zunächst motorten wir gegen den wenigen Wind raus auf die Ostsee. Nach einiger Zeit wurde gewendet und der Gennaker gesetzt.

erst einmal unter Motor raus auf die Ostsee
Gennaker setzen

Dieses große Tuch ist so hübsch! Allerdings haben wir noch immer sehr großen Respekt davor, denn es ist schon verdammt viel Tuch! Doch wenn die Bedingungen so wie heute sind, dann trauen wir uns.

zunächst auf Backbord
später auf Steuerbord
nur glückliche Gesichter
viel zu schnell müssen wir ihn wieder einholen, was durch den Bergeschlauch super einfach geht

Nach wunderschönen Segelstunden draußen auf der Ostsee entschlossen wir uns dazu die Warnow hoch nach Rostock zu fahren. Markus blieb an Bord und Melanie zeigte unseren Besuchern unsere schöne Heimatstadt. Ein besonderes Highlight war natürlich die Astronomische Uhr in der Marienkirche. Die muss man mal gesehen haben!

die Warnow hoch bis Rostock

Während der Abwesenheit der Crew musste Markus mit eMMa etwas rutschen, da ein Großsegler am Kai festmachte. Das Ablegen wurde dann noch mal zur Herausforderung, da auch der Platz nach vorne sehr eng war. Alles ging gut und bei strahlendem Sonnenschein tuckerten wir unter Maschine zurück nach Warnemünde. Natürlich durfte jeder mal das Ruder übernehmen.

Am Sonntag hieß es für Ana und Martin nach einem gemütlichen Frühstück wieder ins Auto einsteigen und ab nach Hause fahren. Schade, dass es so kurz war! Wir freuen uns schon auf einen erneuten Besuch von euch!

Endlich Segeln mit Besuch an Bord

24.04.2019

Melanie hatte die Woche nach Ostern Urlaub. Wir wollten die Zeit natürlich gerne zum Segeln nutzen. Allerdings hat sich Besuch angekündigt. Melanies Freundin Doro mit ihrer Tochter Kathrin werden erwartet. Da die beiden noch nie segeln waren, stellte uns der Wetterbericht vor einige Herausforderungen. Dazu kam, dass wir am Ostersonntag zum Brunch bei Melanies Schwester in Rerik eingeladen waren. Nun begann der Planungsmarathon „wie bekommt man alles unter einen Hut“. Der Plan stand endlich.

Doch was wäre eine Törnplanung bei uns, wenn sie nicht gleich am nächsten Morgen (Karfreitag) wieder über Bord fliegt. Melanie verfiel mal wieder in ungeliebte Muster es allen recht machen zu wollen. Nach einer kurzen Zeit dicker Luft, beschlossen wir es am Karfreitag langsam angehen zu lassen und eMMa zunächst in aller Ruhe endlich wieder Segelfest zu machen.

Karsamstag Mittag kamen Dorothea, Klaus und Ute an Bord und raus ging es auf die Ostsee. Der geplante Törn nach Kühlungsborn stand unter super guten Wetterbedingungen, nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel Wind, kaum Welle und dafür viel Sonnenschein. Der Besuch brachte Torte und Getränke mit an Bord. Sehr lieb gemeint, aber wieder mal viel zu viel. Unsere lieben Segelfreunde Andrea und Jürgen begleiteten uns ein Stück des Weges mit ihrer Sterna, was uns beiden die Möglichkeit gab gegenseitig Fotos von unseren Booten unter Segeln zu schießen.

Also schnell die Segel raus! Doch was ist das? Das Großsegel klemmt im Mast! Die Ursache ist rasch gefunden. Das Achterliek des Großsegels hat sich an einer Stelle eingeschlagen und diese Knickstelle wanderte nun beim Ausrollen immer weiter nach Oben und verklemmte sich auf halber Höhe in der Nut. Mehrfache Versuche es zu lösen schlugen fehl. Also wurde erst einmal nur die Genua gesetzt. Der Wind kam achterlich, also optimal. Über zu wenig Geschwindigkeit konnten wir uns auch nicht beklagen. Und die Problemlösung wurde auf den Hafen verschoben.

noch unter Motor
eMMa unter Segeln – auch wenn es nur die Genua ist
Bugwelle
fantastisches Segelwetter – leider nur recht kalt
Hier kommt natürlich auch das Gegenfoto 🙂

Irgendwann drehte die Sterna dann um und wir setzten unseren Kurs auf Kühlungsborn fort. Einzig die Temperaturen waren noch empfindlich kühl, doch wir waren ja alle dick eingepackt.

In Kühlungsborn gingen unsere Gäste von Bord, dafür kam Julian um bei uns zu nächtigen. Am Sonntag Morgen nutzten wir zunächst noch die Windstille um das Großsegel zu klarieren. Zu dritt war das rasch erledigt, auch wenn das Groß dafür einmal ganz herabgelassen werden musste. Danach ging es für uns mit seinem Auto nach Rerik zum Osterbrunch. Es war ein toller Morgen und am frühen Nachmittag beschlossen wir zu Fuß die 12 km am Strand entlang zurück nach Kühlungsborn zu laufen. Danach waren wir ziemlich platt und haben uns ein Eis verdient.

Endlich eine Eisdiele!
Nur ein wenig platt 😉

Ostermontag ging es dann in neuer Zusammensetzung wieder zurück nach Warnemünde. Julian fuhr bereits gestern Nachmittag nach Hause. Und heute Morgen kam dann Klaus wieder an Bord um mit zu segeln. Die Temperaturen stiegen etwas an, aber ohne Ölzeug war nicht an Draußensitzen zu denken. Wir genossen den Segelschlag unter Vollzeug alle sehr, einschließlich Fee, unsere Labradorhündin – der alte Segelhase!

Herrliches Segelwetter
Fee – völlig entspannt
etwas sportlicher als am Samstag

Da der Wind noch immer aus der gleichen Richtung kam wie am Samstag, hieß es für uns kreuzen. Bei so einem tollen Segelwetter machte uns das aber nicht wirklich etwas aus. Und dann trafen wir kurz vor dem Hauptfahrwasser nach Rostock auf die SY Sterna. Jürgen zuckte gleich die Kamera und schoss noch ein paar Bilder von eMMa. Diesmal unter voller Besegelung!

Diesmal unter Vollzeug
nach der Wende

Dann kam es beim Einrollen der Genua doch noch zu einem kleinem Problem. Die letzten paar Zentimeter ließen sich nicht komplett einrollen. Woran es lag, wussten wir genau. Wir hatten die Reffleine der Genua vor einigen Tagen noch ausgetauscht und es zeigte sich nun, dass zwei bis drei Umdrehungen mehr sinnvoll gewesen wären. Nun nahm der Wind aber ordentlich zu und die Kombination wurde Melanie beim Anlegen etwas zum Verhängnis.

Wir fuhren also in den Hafen ein und suchten unsere Box. Da Fee das Boot nur über das Heck alleine verlassen kann, versuchen wir möglichst immer rückwärts anzulegen. Melanie fuhr also an unserer Box vorbei, um anschließend aufzustoppen und rückwärts zu fahren. Der Wind kam 90° von Backbord und jedes Mal, wenn die Fahrt zu wenig wurde, drückte der Wind in den klitzekleinen, noch stehenden Rest der Genua und drückte den Bug nach Steuerbord. Den Grund fanden wir allerdings erst bei der Nachbesprechung heraus. Melanie versuchte es drei oder viermal und übergab dann völlig frustriert das Ruder an Markus weiter. Er machte im Prinzip nichts anderes, außer dass er ordentlich Gas gab. Wir zweifelten mal wieder – „Liegt es am neuen Motor? Haben wir uns noch nicht genügend daran gewöhnt? Ist der Radeffekt doch anders als gedacht? Was mache ich verkehrt?“

An Land stand schon unser nächster Besuch, Melanies Freundin Doro und ihre Tochter Kathrin, sowie Andrea und Jürgen, die mit Sterna schon längst wieder in ihrer Box lagen. Trotzdem nahmen wir uns anschließend kurz die Zeit um das Manöver zu besprechen. Andrea gab den entscheidenen Tipp: „… und dann hat der Wind immer in die Genua gegriffen!“ Da fiel es uns wie Schuppen von den Augen! Manchmal ist man ja sowas von betriebsblind! Anschließend ging es Melanie auch wieder deutlich besser, hatte sie doch sehr an ihrem Können gezweifelt! Die Genua-Reffleine bekam am nächsten Morgen drei Umdrehungen mehr und das Problem war erledigt!

Steuersäule, Plotter und Kleinigkeiten

13.04.2019

Vor ein paar Tagen hatten wir hier Weihnachten. Na gut, nur fast, denn die Geschenke mussten wir leider selbst bezahlen. Als wir endlich alles an Bord hatten, war eMMa ein wenig hecklastig. Aber am Achterdeck sollten die Sachen ja auch nicht bleiben.

Fast wie Weihnachten 🙂

Puh, die Batterien sind so klein – wie können die nur soooo schwer sein?! Jede einzelne wiegt 43kg! 5 Stück sind nun verbaut und verkabelt. Damit dürfte unser Energiebedarf gesättigt sein, denn insgesamt verfügen wir nun über 750 Ah Kapazität.

Auch wenn wir genau wussten, was in den anderen zwei Paketen ist, freuten wir uns wie Schneekönige aufs Auspacken.

Endlich haben wir sie im Schiff. Schwer wie Blei!
Neue Batterien
Geschenke auspacken

Aber natürlich konnte es nicht beim Auspacken bleiben, alles muss ja auch verbaut werden. Also wurde geschraubt, gesägt, geklebt, gemessen und eingepasst. So mancher Fluch kam über unsere Lippen, aber schlussendlich sitzt nun alles da, wo es hingehört und sieht wirklich gut aus.

Gewinde schneiden mit Hindernissen
Alles ist montiert…
Millimeterarbeit, aber alles passt perfekt.
Selbst die Getränkehalter passen perfekt dran.

ein schöner Rücken kann auch entzücken

Endlich ist unser neuer Plotter montiert und angeschlossen. Uns gefällt das Ergebnis sehr gut und der Ablesewinkel lässt und immer wieder staunen!

Erste Inbetriebnahme – der Monitor zeigt unser Motto!
Noch ist keine aktuelle Karte drin, aber wo wir uns befinden ist schon mal klar.
Wahnsinn – selbst in diesem Winkel ist der Plotter noch ablesbar!

Plotter montiert, weiter geht es im Cockpit:

Endlich verschlossen! Was wir hier schon alles (fast) verloren haben!
Der Kompass und das UKW-Funkgerät haben ebenfalls einen neuen Platz erhalten.
Kabeldurchführungen zu montieren wird nicht Melanies Lieblingsarbeit.

Und dann ging es für Melanie in die Luft. Durch Markus und Julian gesichert ging es im Bootsmannstuhl etwas höher als die erste Saling. Hier findet jetzt unsere Radarantenne ihren neuen Platz. Lange haben wir überlegt, ob wir auf Radar verzichten können/ wollen. Nach vielen Gesprächen mit befreundeten Seglern haben wir uns für Radar entschieden.

Blick von oben – da kommt die Radarantenne angeflogen.
Wenn man nicht an die Höhe denkt, dann kann man die Aussicht fast genießen.
Immer schön lächeln 🙂
Endlich fest, aber erst nachdem Julian alle Nieten festgezogen hat.
Dann musste Julian doch noch nach oben. Er hat halt größere Hände als Melanie und etwas mehr Kraft für die Nietzange. Danke für deine Hilfe!
Das alte Teakholz muss von den Cockpitbänken entfernt werden.
Mühsam geht es voran!
Jetzt wird das große Geschütz aufgefahren!

So, endlich alles Holz entfernt und alle Löcher verspachtelt. Jetzt müssen nur noch die Temperaturen stimmen, dann kann der neue Decksbelag kommen!

Turmleuchten 2019

06.04.2019

Eigentlich findet das Warnemünder Turmleuchten jedes Jahr am Neujahrstag am frühen Abend statt. Sozusagen als feierlicher Jahresbeginn. In diesem Jahr musste das Turmleuchten zunächst einmal ausfallen, da es ja sehr stürmisch war (wir berichteten darüber).

Die Veranstalter entschieden sich dann aber dazu das Turmleuchten nachzuholen und der Termin wurde für Anfang April festgelegt.

Nun war es also soweit und es war fantastisch! Bilder sagen dazu mehr als Worte:

Gleich geht es los!
alle warten gespannt
Start…
…now…
… lights on …
… und dann setzt das Feuerwerk mit ein…
Tolle Show!
Super Musik
Das große Finale!
Schön war es!
Frohes (neues) Jahr!

Geräteträger

30.03.2019

Bereits vor einem Jahr haben wir einen Geräteträger in Auftrag gegeben. Das Aufmaß dauerte einige Zeit, dann gab es technische Probleme von Seiten des Metallbauers und somit kam es zu Verzögerungen. Natürlich ärgerte uns das zeitweise sehr, aber im Nachhinein können wir sagen, dass es wohl alles so sein sollte. Denn der Motortausch mit dem Geräteträger wäre im wahrsten Sinne des Wortes zu schwer geworden.

So freuten wir uns jetzt, dass es endlich richtig losgehen konnte. Zuerst fuhren wir eMMa wieder mal die Warnow hoch um sie ein paar Tage in Gehlsdorf beim Metallbauer zu lassen.

Glückliche Menschen bei kalten Wetter auf einem Segelboot
Das Wetter meint es gut mit uns
Ostmole querab
Da müssen wir hin
Sonnenuntergang über einen großen Fluss
Sonnenuntergang an der Warnow

So wurden alle Anpassungen vorgenommen, Löcher gebohrt und die letzten Änderungen abgesprochen. Dann mussten wir noch einmal abfahren ohne Geräteträger, da das gute Stück nun in der Werkstatt fertig gestellt wurde und anschließend noch zur Endpolitur musste.

Erste Anpassungen werden vorgenommen
Sieht nach Arbeit aus…
So ganz ohne Heckkörbe sieht sie doch ein wenig nackt aus.
Besuch in der Werkstatt
Solide gebaut und fast fertig – jetzt geht es noch zur Endpolitur.

Zwei Wochen später fuhren wir den Weg ein weiteres Mal. Das Wetter war trist und leichter Nieselregen machte es sehr ungemütlich. Aber das trübte die Stimmung nicht, denn endlich war es soweit. Und der Geräteträger steht eMMa richtig gut!

Da kommt das gute Stück!
Letzte minimale Anpassungen müssen vorgenommen werden.
Die Nationale hat auch einen neuen Platz bekommen.
Glücklicher Skipper
Solarmodule installiert
Steht ihr richtig gut – der neue Geräteträger!

Das Jahr beginnt stürmisch – und das Refit geht weiter

26.01.2019

Das Neujahr begrüßt uns mit Sturm aus West, der im weiteren Verlauf auf Nordwest und Nord drehte. Wir haben schon einige Stürme an Bord erlebt, aber was uns da erwartete war schon heftig. Der Wind selbst war eine Sache. Es stürmte 48 Stunden lang. Allerdings stieg durch den anhaltenden Nordwind das Wasser rasant an. 1,60 m über unserem Normalpegel! 

Das Wasser steigt und der Wind lässt die Wellen auch im Hafenbecken tanzen.
Durch die ersten Fugen einiger Feststege schwappt schon das Wasser.
Gut, dass wir an einem Schwimmsteg liegen, der mit dem Wasser steigen kann. Allerdings schaut nicht mehr viel von den Dalben raus.
Morgens früh – eigentlich geht es an dem Verbindungsstück nach unten.
Das Wasser steigt immer weiter.
Der Strand ist komplett überspült, in ein paar Stunden ist auch der Rest hier vorne überflutet.

Wir lagen gut vertäut, aber die Dalben ragten nur noch 20 cm aus dem Wasser, die Feststege waren überflutet (inklusive Stromausfall) und der Nordwind donnerte die Wellen nur so auf den Wellenbrecher. Die Fähre musste den Fährverkehr einstellen.

Die Fahrwassertonnen der Warnow werden unter Wasser gezogen.
Der überflutete Fähranleger
Nun steht der Rundsteg komplett unter Wasser.
kaum noch Platz an den Dalben
und der Übergang führt nun nach oben
Die Betonpfeiler an denen die Schwimmstege hängen.
So sieht der gleiche Pfeiler bei normalen Hochwasser aus.
Auch die letzten Feststege sind nun überflutet. Der Strom ist abgestellt.
Deutlich zu sehen wie hoch das Wasser stand. Die grüne Linie zeigt den Normalstand an.

Nach dem Sturm gab eine kurze Verschnaufpause bevor das nächste Sturmtief durchzog. Wieder mit Nordwind und auch dieses Mal gab es Hochwasser und der Strom wurde abgestellt. Aber das Wasser stieg nicht ganz so hoch wie beim ersten Mal. Es folgten noch zwei weitere schwere Stürme, bei denen das Wasser aber nicht ganz so hoch stieg.

Und die nächste Sturmflut lässt nicht lange auf sich warten.

Der Strand bot ein Bild zum Heulen! Berge von Seegras und Plastikmüll, tonnenweise Miesmuscheln und meterweise abgetragene Sandflächen. Einziger Trost dabei brachten die vielen Bernsteine, die ebenfalls an den Strand gespült wurden.

Das Hochwasser ist zurückgegangen und hat jede Menge Sand mitgenommen. Dafür liegen nun Muscheln…
… Unmengen von Seegras…
… und jede Menge Plastikmüll herum.
Das große Aufräumen beginnt mit schweren Gerät…
… und viel Manpower.
großer Bernsteinfund
erfreuliche Beute

Ein wenig Aufmunterung erhielten wir durch diesen kleinen Kerl. Er war vermutlich schon tagelang im Sturm in der Ostsee unterwegs und nutzte das Hochwasser um einen trockenen Liegeplatz zu ergattern. So lag er drei Tage lang hier im Hafen auf den Holzstufen vor einem der Restaurants und erholte sich von den Strapazen der letzten Tage.

Diese süße Kegelrobbe gönnt sich eine Pause.

Zwischen den Sturmtagen ging unser Refit allerdings weiter, teils freiwillig, teils unfreiwillig. So mussten wir zum Beispiel unser Landstromkabel erneuern, Stecker austauschen und unsere Duschbilgenpumpe rauswerfen.

Der musste dringend ausgetauscht werden!

Das kam so: „Schatz, wir müssen reden!“ – Oh, ich hasse diesen Satz! Das heißt nämlich in der Regel es muss entschieden werden, wie es mit diversen Ausrüstungsgegenständen weitergehen soll. Diesmal ging es also um unsere Duschbilgenpumpe im Steuerbord-Bad. Sie lief bisher einwandfrei, war aber leider nun verstopft. Also wurde sie ausgebaut und gereinigt. Sie lief anschließend auch erst einmal wieder, allerdings offenbarte uns der Ausbau ein Bild des Grauens. Alle Verbindungsstücke und Halteschrauben waren komplett verrostet. Na gut, die Pumpe ist so alt wie unser Boot! Trotzdem schauten wir nach möglichen Ersatzteilen. Den Todesstoß versetzte ihr dann allerdings die Tatsache, dass das Anschlusskabel innen ebenfalls völlig korrodiert war.

Ein Wunder, dass sie noch einwandfrei funktionierte!
Die Halteplatte ist komplett weg gerostet. In den Ecken waren mal runde Löcher für die Halteschrauben.
Der endgültige Todesstoß – leider sind auch die Kabel von innen korrodiert.

Also fiel die Diskussion dieses Mal zu Gunsten einer neuen Bilgenpumpe mit etwas mehr Förderleistung und einer Vorrichtung mit Zwei-Wege-Hahn, damit man bei Bedarf im Notfall noch eine weitere Bilgenpumpe mittels Schlauch aktivieren kann.

Es ist kalt geworden.
Vor dem Sturm gab es hier keine Steilkante. Nun bilden sich Eisflächen zwischen den Sandbänken und dem Strand.

Großes Refit – Teil 2

23.12.2018

Endlich sind wir wieder zuhause! Mein Rücken freut sich, denn die letzten 10 Wochen haben wir auf dem Gästesofa unserer Mädels übernachtet.

Das Unterwasserschiff abzuschleifen bis aufs Gelcoat war zwar eine sinnvolle und notwendige Maßnahme, aber auch verdammt viel Arbeit. Es war mühsam und anstrengend und hat uns sehr viele Nerven gekostet. Aber wir wissen jetzt sicher, dass unser Boot Osmosefrei ist! Es gab nirgendwo Blasen oder nässende Stellen. Als die ganzen Farbschichten erst einmal runter waren, war die Oberfläche glatt wie ein Kinderpopo! Danach sollte der Aufbau der neuen Sperrschutzschicht und des neuen Antifoulings beginnen. Gut, dass der November so mild war und die Temperaturen mitspielten. Etwas haben wir schon gezittert.

Der Austausch des Motors ging auch gut voran. Nach dem der Motorraum komplett leer geräumt und von der alten Dämmung befreit war, wurde die neue Dämmung montiert, die Bilge gereinigt und gestrichen und alle alten Kabel entfernt. Neue Kabel wurden gezogen, das komplette Energiekonzept wurde überarbeitet und die Elektronik passend getauscht. 

Dann kam der neue Motor. Über die personellen und gerätschaftlichen Schwierigkeiten beim Einbau reden wir jetzt hier mal nicht. Irgendwann stand also der neue Motor glänzend und niegelnagelneu in unserem großen Motorraum. Nun kamen die Anpassungen zur Sprache, die notwendig wurden und erst jetzt ausgemessen werden konnten. Das Ergebnis war ernüchternd: neue Welle, neuer Propeller, neuer Wassersammler, neue Abgasrohre, neuer Wasserfilter. Eigentlich blieb zum Schluss nur noch die alte Fettpresse für die Stopfbuchse und die Handlenzpumpe.

Ein Wassersammler von der Stange war nicht möglich. Da hat man schon einen riesigen Motorraum und trotzdem keinen Platz!? Nun gut, also Sonderanfertigung. Gut, dass wir bei dem Metallbauer sowieso schon unseren Geräteträger in Auftrag gegeben haben. So konnten wir den Wassersammler gleich mit bestellen.

Alle Leitungen und Kabel haben wir selbst verlegt, alle Wandbefestigungen selbst hergestellt und Markus hat sämtliche Elektrik und Geräte selbst installiert und ans Laufen gebracht. Die Endverkabelung und Anschluss des Motors wurde selbstverständlich durch den Fachbetrieb vorgenommen. 

In der Woche vor Weihnachten wurde dann endlich auch die neue Welle geliefert. Sie ließ nämlich ewig auf sich warten. Zudem montierten wir unsere Erdungsplatten für die Amateurfunkanlage. Das war ein komisches Gefühl einfach vier Löcher ins Unterwasserschiff zu bohren. Alles wurde natürlich gut abgedichtet und verschlossen, aber Unwohl ist einem dabei trotzdem immer.

Dann war endlich alles fertig und wir ganz wild darauf wieder ins Wasser zu kommen. Ein Gespräch mit dem Werftchef ergab, er kann uns eventuell nicht kranen, da der Kran bei kalten Temperaturen nicht anspringt. Aber wir möchten doch gerne, bitte, bitte, vor Weihnachten wieder zuhause sein!

Am 21.12.2018 war es dann endlich soweit und eMMa wurde gekrant. Und alles ist dicht! Dann kam der Mechaniker und nahm das erste Mal den Motor in Betrieb! War für ein tolles Gefühl als dieser sofort rund lief! Wir bekamen dann noch eine Einweisung und Hinweise für das Einfahren und konnten anschließend ablegen. Nach 10 Wochen Werftaufenthalt ging es endlich wieder nach Hause! Der neue Wassersammler und der Geräteträger waren leider noch nicht fertig, aber unser Mechaniker hatte uns ein gutes Provisorium eingebaut, damit wir zumindest auf unseren Liegeplatz zurück konnten.

großes Refit – Teil 1

05.11.2018

Zunächst hieß es mal wieder warten. Warten auf Techniker – warten aufs Abschleppen – warten aufs Kranen (na gut, dass ging relativ zügig) – warten auf den Techniker – warten auf Pakete – warten auf Informationen…

Dann war es soweit. An einem Donnerstag im Oktober sollte eMMa endlich nach elf langen Monaten ihre Box verlassen. War sie vielleicht schon festgewachsen? Die Leinenverbindung wurde rasch hergestellt und schon ging es los. Glück gehabt – nicht festgewachsen. eMMa bewegte sich sachte vorwärts, Box und Hafen ließen wir rasch hinter uns und schon bogen wir in die Warnow ein. Es war ein schöner Tag auf dem Wasser, auch wenn es schon sehr merkwürdig war. Lenken ging ja und war auch notwendig um mittig hinter der Schleppyacht zu bleiben, aber nicht unter Segeln sein, aber selbst kein Motorgeräusch machen und sich trotzdem fortbewegen, ist schon komisch.

Angekommen am Zielort wurde eMMa am Längssteg vertäut. Nach einer kurzen Besprechung mit dem Werftchef bereiteten wir alles fürs Kranen vor. Da unser Mast stehen blieb, mussten wir das Achterstag lösen. Dann wurde gekrant. Für mich ist es immer eine Nervenprobe, wenn eMMa in den Kranschlaufen hängt. Aber alles verlief ganz ruhig und gut. Das Entfernen des Bewuchs und die Reinigung mittels Hochdruckreiniger überließen wir den Profis. Wir wussten genau, die nächsten Tage würden anstrengend genug werden, denn wir hatten uns bereits entschieden das Unterwasserschiff komplett bis aufs Gelcoat abzuschleifen und mit einer neuen Osmosesperrschicht sowie neuem Antifouling zu versehen.

In den nächsten Tagen wendeten wir uns zunächst einem anderen Problem zu. Um den Motor zu Tauschen muss der Cockpitboden entfernt werden. Dazu entfernten wir zunächst die Steuersäule, die Hand-Bilgen-Pumpen und den Teakbelag des Cockpitbodens. Denn dieser ist auf eine ca. 4 cm breite GFK Kante aufgelegt und mit vielen langen Schrauben nach unten verschraubt. Die Muttern dieser Schrauben ließen sich von unten relativ gut lösen, aber der Boden bewegte sich keinen cm. Eine nähere Begutachtung machte das Problem deutlich. Die komplette Auflagefläche und die umrahmende Fuge waren mit Sikaflex oder ähnlichen Zeug geklebt und gefüllt. Unser Motto wurde rasch „mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“. Nachgefragt bei unseren Segel- und Bootsfreunden war die einstimmige Meinung: nutzt ein Oszilationswerkzeug und habt viel Geduld. Beides zahlte sich aus. Irgendwann war auch die letzte Fuge ausgekratzt.

Vorsichtig schlugen wir kleine Keile in den Zwischenraum von unten und hebelten den Boden so hoch. Was für eine Erleichterung als der Motorraum endlich offen vor uns lag. Und was für ein Glück, dass wenigstens die Kuchenbude seit Mai bereits montiert ist! Sie leistet uns unglaublich gute Dienste!

Weiter ging es mit der Entfernung der alten Dämmung im Motorraum. Was für eine Sauerei! Die alte Dämmung bröckelte an einigen Stellen, an anderen saß sie fest und dachte gar nicht daran sich freiwillig vom Untergrund zu lösen. Nach stundenlangen Abspachteln und vielen Verrenkungen auf dem Motor sitzend gab die schwarze Masse dann doch klein bei. Zu diesem Zeitpunkt entschieden wir uns dann dazu die beiden Einbauschränke (bestehend aus Halbschalen aus GFK), der eine vom Bad, der andere vom Durchgang zur Achterkabine erreichbar, auszubauen und den Motorraum richtig Platz zu verschaffen. Innerlich stellten wir uns schon auf weitere Säge- und Schleifarbeiten ein, aber diese beiden Wannen ließen sich sehr einfach und rasch entfernen.

Außerdem waren wir in der Woche auch außen nicht untätig. An den ersten Tagen war es Windstill, so dass wir unter Planen schleifen konnten. Dann war Sturm und Starkwind für mehrere Tage angesagt. Die Planen hatten sich damit erledigt und wurden aufgerollt hochgebunden. Also liehen wir uns einen Industriesauger und schliffen im Wechsel das Unterwasserschiff immer weiter ab. Mindestens sechs Farbschichten müssen entfernt werden!

Dann wurde endlich der Motor ausgebaut! Anschließend befreiten wir den Motorraum von allen Schläuchen und möglichst vielen Kabeln und die neue Dämmung zog ein. Dabei kamen immer mehr Themen auf den Tisch, was geändert, gemacht, ausgetauscht, neu geplant werden sollte, müsste, könnte …

…. die Liste wurde immer länger!

Böse Überraschungen

30.08.2018

So schön der Juli endete. so herb begrüßte uns der August. Das Wetter war weiterhin traumhaft schön. Einzelne Tage schon fast zu heiß, aber immer perfekt für einen abkühlenden Sprung in die Ostsee.

Eigentlich war für Anfang August unser Sommerurlaub geplant. Die dänische Südsee stand auf unserem Törnplan. Frühere Urlaube hatten uns ja immer wieder bewiesen, dass das erste was über Bord geht die Törnplanung ist. Doch dieses Jahr traf es uns sehr bitter. War es bei früheren Planungen zumeist der Wind gewesen, der den Strich durch diese Planung zog, so war es dieses Jahr unsere eMMa selbst. Bereits Ende der letzten Saison hatten wir vereinzelt Probleme mit dem Getriebe. Der Vorwärtsgang ließ sich nicht gleich beim ersten Mal einlegen. Mit Beginn dieser Saison verschärfte sich das Problem und nun ging der Gang gar nicht mehr rein. Alle Selfmade-Reparatur-Versuche schlugen fehl und so musste ein Fachmann herbei gerufen werden. Dieser kam auch, stellt fest, dass das Getriebe defekt sei. Er versuchte ein Austauschgetriebe zu bekommen. Leider ohne Erfolg, denn alles was er mitbrachte passte nicht. Er war wirklich sehr bemüht. Leider vergeblich.

Ein neues Getriebe? Als wir den Neupreis hörten, kippten wir fast hinten rüber. Dazu kämen dann noch eine neue Wasserpumpe, weil die alte ebenfalls den Geist aufgab und eine weitere kleinere Reparatur am Motor. Was nun?

Nach langen Diskussionen, Beratungen mit dem Techniker, Abwägen von Alternativen und Telefonaten mit unserem Freund Klaus, entschieden wir uns für den kompletten Austausch des Motors. Denn die Maschine ist 26 Jahre alt. Wir haben keine Ahnung, wie viele Motorstunden sie schon hinter sich hat, da der Stundenzähler schon vor langer, langer Zeit stehen geblieben ist. Das scheint übrigens ein typisches Moody-Problem zu sein. Wir haben noch keinen anderen Moody-Eigner kennengelernt, dessen original Stundenzähler noch funktionierte. Wie der Motor von innen aussieht, weiß auch keiner wirklich. Also – Herztransplantation!

Was sich so einfach anhört, ist ein riesiger Aufwand. Zunächst einmal musste geklärt werden. ob der Cockpitboden entfernt werden kann um den Austausch darüber ausführen zu können. Wenn nicht, bliebe nur die Demontage einiger Innenausbauteile! Nach Rücksprache mit den Crews der Fairytale und der Dar Melica dann die Erleichterung – der Cockpitboden lässt sich demontieren, der OP am offenen Herzen steht baulich nichts mehr im Wege. Nun warten wir auf den Rückruf vom Techniker, wann unser neuer Motor vor Ort ist und zu wann wir eMMa in die Werft schleppen lassen können.

Es bleibt also spannend!

Feiern im Juli

30.07.2018

Der Juli stand dann ganz im Zeichen der Freude. Wie schon erwähnt, sind Markus und ich 20 Jahre verheiratet. Zudem wurden wir beide in diesem Sommer 40 Jahre alt.

Also 100 gute Gründe zum Feiern! Und das taten wir! Da die meisten unserer Verwandten und Freunde aus NRW kommen, suchten wir uns bereits letztes Jahr eine Lokalität dort in der Nähe aus. Es wurde ein rauschendes Fest. an das wir immer wieder gerne zurück denken. Ganz herzlichen Dank an alle, die mit uns diesen Abend zu etwas besonderem gemacht haben!

Von Antilopen und Giraffen

28.06.2018

Nach dem wir gut gelaunt von den Bahamas zurück kehrten, begrüßte uns Deutschland mit ähnlich heißem Wetter. Unsere Tochter erzählte uns, dass es hier seit Anfang Mai nicht mehr geregnet hatte. Und so sahen auch die Rasenflächen rund um die Yachthafenresidenz Hohe Düne aus. Wir warteten geradezu nur darauf, dass über die steppenähnlichen, ehemaligen Grünflächen eine Herde Antilopen stürmten oder ein paar Giraffen würdevoll über die Anlage schritten. Die Rasenmäher-Roboter hatten dieses Jahr jedenfalls nicht besonders viel zutun.

Am Steg war in der Zwischenzeit auch eine Menge passiert. Es füllte sich. Immer mehr Dauerlieger kehrten mit ihren Schiffen aus dem Winterlager zurück und starteten in die Saison.

Und für mich war der Juni geprägt durch lange Autofahrten nach NRW. Zum einen hatte ich ein paar letzte Termine in der Uni und zum anderen war Markus Opa verstorben. Somit war dieser Kurztrip in die alte Heimat nicht sehr erfreulich. Wir vermissen ihn!

Manchmal liegen Glück und Leid ganz dicht beieinander

Bahamas im Mai

30.05.2018

Nach 20 Jahren Ehe haben wir uns gedacht, dass es so langsam mal Zeit für eine vernünftige Hochzeitsreise wird. Ich durfte aussuchen 🙂 Es sollte etwas mit Segeln zu tun haben, warm sein und eine Region, die wir noch nicht kennen. Letzteres ist nicht allzu schwer, da die Welt noch viele Flecken aufweist, die wir noch nicht kennen. Und da Markus immer mal wieder davon spricht, dass wir, wenn wir alt und auf Rollatoren angewiesen sind, einen Katamaran bekommen, entschied ich mich für Kojencharter auf der Maverick XL. Natürlich waren wir recht spät dran mit unserer Entscheidung für diese Reise. Aber es ergab sich, dass wir Anfang Mai sowieso zum Tauchen in Holland sein würden, anschließend günstige Flüge von Amsterdam bekamen und Catie und Johannes auf dem letzten Törn der Saison noch eine Kabine, sprich zwei Kojen, frei hatten. Gesagt, gebucht!

Der Mai überraschte uns am Grevelinger Meer und an der niederländischen Nordsee mit sommerhaften Temperaturen. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, dass dies der Auftakt für einen phantastischen Sommer sein sollte. Was auf der einen Seite ja sehr angenehm war, führte unter Wasser leider zu teilweise sehr massiven Sichteinschränkungen. Denn mit steigenden Wassertemperaturen setzt auch die Algenblüte ein. Trotzdem absolvierten wir sehr schöne Tauchgänge.

Tauchbasis mit kleinem Bungalowpark
Kibbelinge dürfen natürlich auch nicht fehlen!
Aufgrund der Algenblüte war die Sicht bescheiden
Wir kamen trotzdem glücklich aus dem Wasser
In Holland ist man auf Taucher eingestellt
Ob wir dort mal irgendwann mit eMMa festmachen werden?
Amsterdam
einen halben Tag hatten wir dort zur Verfügung
typisch holländisch
Die drei Kreuze sind das Stadtwappen von Amsterdam
Grachten
Zeit für einen Museumsbesuch hatten wir leider nicht

Nach acht Tagen war zwar der Holland-Tauchurlaub vorbei, aber unsere Reise ging ja noch weiter. Wir hatten einen halben Tag in Amsterdam, bevor unser Flieger nach Atlanta abhob. Zweieinhalb Tage lang erkundeten wir Atlanta. Dann ging es wieder per Flugzeug weiter nach Nassau. Schon der Landeanflug ist spektakulär.

Besuch des Botanischen Gartens in Atlanta
Nutzgarten – wunderschön angelegt und gleich daneben befindet sich die Showküche
unser Zuhause für drei Tage 
typisch amerikanisches Frühstück

Tschüß Atlanta – Bahamas wir kommen!

Den Törnbericht unseres Segelurlaubs auf der Maverick XL könnt ihr unter Berichte lesen.

Der Frust mit der Schraube

30.04.2018

In den letzten zwei Monaten waren wir nicht untätig, sondern ich kam einfach nicht zum Schreiben. Wir statten eMMa so nach und nach mit allem aus, was zu einem guten Langfahrtschiff dazu gehört. Eines der ersten Geräte, die deshalb angeschafft wurden, war unser AIS Gerät von Vespermarine. Das Gerät ist nicht zu groß, hat ein eigenes Monochrom-Display und einen sehr geringen Stromverbrauch. Auch Gespräche mit und Berichte von anderen Seglern ließen keinen Zweifel über unsere erste Wahl aufkommen.

Lunatronic liefert das Schätzchen gut verpackt und ich machte mich am vergangenen Wochenende an den Einbau. Die mitgelieferte Montageschablone ausgeschnitten, den Ausschnitt aufgezeichnet und ausgesägt und die Löcher für die Schraubendurchführung gebohrt. Bis dahin fast ein Kinderspiel.

Danach fing die Flucherei an. Zunächst nur in meinem Kopf – dann leise vor mich hin – zum Schluss ziemlich laut und mit Nachdruck! Wer hat sich so eine sch… Befestigung ausgedacht!? Feingewindeschrauben, die von hinten durch das Holz (oder Kunststoff, je nach Montageort) durch die vorgebohrten Löcher geführt werden, um dort an der Geräterückseite in die passenden Feingewindelöcher gedreht zu werden. Zwei Dinge sind mir dabei besonders auf die Nerven gefallen:  Erstens ist die Dicke der Montageplatte (bei uns in der Holzverkleidung) ja nie gleich. Die Feingewindeschraube hat nicht wie man meinen könnte, einfach nur eine Feingewindestange, die dann mit dem einen Ende in die Aufnahmen im Gerät gedreht werden und auf die anderen Enden passende Muttern montiert werden können (am besten selbstsichernde). Sie hat eine vordefinierte Länge mit normalen Kreuzschlitzkopf. Zweitens nervte mich das „blinde“ Einführen der Schrauben kolossal. Der Ausschnitt war zwar super und das Gerät saß auch ohne Schrauben schon gut fest, aber um die Schrauben blind in die Geräterückseite zu schrauben, fehlten mir natürlich wie immer einige wenige Millimeter. Also musste ich zuerst das Problem der Schraubenlänge klären. Ich hätte natürlich einfach eine Mutter aufdrehen, die Schraube abkneifen und die Mutter wieder abdrehen können. Aber zum einen hatte ich Sorge, dass das Feingewinde darunter leidet und mir anschließend das Innengewinde im Gehäuse zerstört und zweitens war natürlich auch keine Mutter in passender Größe vorhanden. Unterlegscheiben kamen ebenfalls nicht in Frage, denn der Durchmesser des Schraubenkopfes durfte nicht zu viel überschritten werden, da es sonst nicht mehr mit dem Gerätekörper passte. Zudem mussten insgesamt vier Millimeter überbrückt werden. Nach langem Messen und Grübeln und Suchen hatte Markus dann die Idee mit den „Verschlüssen“ der Kabelbinder. Vorsichtig bohrte ich sie auf und konnte sie anschließend auf die Schrauben drehen. Nun war das Längenproblem also behoben.

Durch Nachschleifen des Ausschnitts verschaffte ich mir so viel Platz, dass ich die Schrauben dann auch blind irgendwie in die vorbestimmten Löcher bekam. Zwei der vorgegebenen Kabel sind bereits montiert und ich hoffe sehr, dass Markus die restlichen Kabel anbringen kann ohne das Gerät noch einmal abnehmen zu müssen!

Nachtrag: Kabel sind angeschlossen. Zum Glück ohne Demontage! Alles läuft einwandfrei *freu!

Klirrend kalt mit viel Sonne

28.02.2018

Zunächst spielten Sonne und Frost ein lustiges Schattenspiel.

Dann formten Sand, Wasser und Eis ganz bizarre Skulpturen am Strand.

Am Himmel wurde gemalt.

Dann gab es mal einen Tag an dem es nicht richtig hell werden wollte.

Und nun haben wir reichlich Schnee und Sonne.

Heute Nacht waren dann Temperaturen bis -12 Grad Celsius erreicht.Unter Deck ist es dank guter Heizung muckelig warm. Trotzdem freuen wir uns darauf, dass die Temperaturen nun langsam wieder aufwärts gehen.

Frostige Zeiten

04.02.2018

Der Wetterbericht meldet Frost und Kälte für die ganze kommende Woche. Wir werden ja sehen, wie es bei uns wird. Gestern sah es so aus, heute ist alles wieder weg.

Darf ich vorstellen?

03.02.2018

Das ist eMMa!

eMMa ist eine Moody 44. Wir haben sie im Mai 2016 in Griechenland gekauft. Ausführliche Törnbeschreibungen zur Überführung findet ihr unter Berichte.

Klein, aber fein

18.06.2017

Jollensegeln auf dem Aasee in Münster kann zwar mit Dickschiffsegeln auf dem Meer nicht wirklich konkurrieren, aber mal zwei Stunden vom Alltag abschalten funktioniert damit super! Es war eine nette Runde, mit anfängertauglichen Windbedingungen, netten Menschen und anschließend leckeren Kleinigkeiten vom Grill.

Frohe Weihnachten

24.12.2016

Allen Seglern, Mit-Seglern, Nicht-Seglern, ob bekannt oder unbekannter Weise, wünschen wir ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Segler Geschenke

02.03.2016

Zu Weihnachten bekam ich von unserer Tochter diese tolle Mütze. Sie ist recht dünn, hält aber den Wind gut ab. Also perfekt zum Segeln geeignet. Bekommt natürlich auf dem Boot ein Haltebändchen-Clip, damit sie bei einer Böe nicht schwimmen geht.

Und dann habe ich gestern noch ein Überraschungsgeschenk von meinem Mann bekommen.

Wenn das kein süßes Kompliment ist!

In Kombination sehen die beiden Geschenke übrigens auch gut aus.

Spannendes Jahr 2015

24.01.2016

Zunächst einmal wünschen wir allen Blog-Lesern ein frohes neues Jahr. Und bevor es in der nächsten Woche mal wieder zur BOOT nach Düsseldorf geht, ist es Zeit für einen kurzen Jahresrückblick.

Wir waren in diesem Jahr natürlich auch wieder Segeln. Dieses Mal ging es nach Griechenland. Wir hatten wundervolle Tage dort.

Schöne Segeltörns bei perfektem Segelwetter rundeten das ganzen ab.

Boot Düsseldorf 2015

23.01.2015

Auch in diesem Jahr waren Markus und ich auf der Boot in Düsseldorf. Wir hatten uns zu Weihnachten ein besonderes Geschenk gemacht und uns Karten für Sönke und Judith Röver ’s Blauwasserseminar gegönnt. So kam es also, dass wir drei Tage in Düsseldorf verbracht haben.

In der Mittagspause hatten wir vom Restaurant aus immer einen wunderbaren Blick über den Rhein. Umso erstaunter waren wir, als am Sonntag (2. Messetag) mittags noch ein Boot von Big Willy gekrant wurde. Bei der Hochwasser-Strömung kein leichtes Unterfangen. Der war wohl ein bisschen spät dran.

Wir haben drei Tage lang geballte Informationen erhalten. Mal schauen, was wir daraus machen.

Weihnachtsgrüße

19.12.2014

Wir wünschen Euch allen ein schönes und gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Wir freuen uns darauf viele von euch im nächsten Jahr wieder zu treffen  – vielleicht auf dem Wasser oder auf der Boot in Düsseldorf.

Melanie & Markus

Segeln auf dem Kummerower See

16.06.2014

Endlich wieder segeln! Über den 1.Mai waren wir mit unserer Familie und meinen Geschwistern in der Ferienstätte Salem um für unseren verstorbenen Vater einen Gedenkbaum zu pflanzen. Markus und ich nutzen die Gelegenheit und waren jeden Tag auf dem See unterwegs. Direkt an der Ferienstätte befindet sich die Kanubasis, die Segelboote verleihen. Kleine Segeljollen ohne Motor. Und so haben wir also fleißig An- und Ablegen unter Segel geübt. Wir hatten von Leichtwind bis ordentlich Wind und Welle alles dabei. Es hat sehr viel Spaß gemacht.

Samstags waren wir dann noch mit der kompletten Familie Kanufahren. Papa wäre stolz auf uns!

SKS bestanden

29.05.2014

Nun hat Markus ihn endlich komplett fertig! Erleichtert und auch ein wenig stolz kam er von der Prüfung vor einigen Wochen nach Hause.

SKS Kartenaufgabe

01.04.2014

Markus trainiert zur Zeit für seine SKS-Nachprüfung. Warum Nachprüfung? Ganz einfach. 2012 hat er sowohl die Theorie als auch die Praxisprüfung bestanden. In der Kartenaufgabe ist er in die mündliche Prüfung gekommen und dann leider durchgefallen. Nun hatte er zwei Jahre Zeit diesen Prüfungsteil zu wiederholen. So langsam wird es also Zeit. Und deshalb ist er nun für Mitte April zur Wiederholung der Kartenaufgabe angemeldet. Und so übt und übt und übt und – flucht er ohne Ende! Das Fluchen sollte er sich noch bis dahin abgewöhnen, sonst könnten sich andere Prüflinge durch ihn gestört fühlen.

Getränkehalter für die Reling

05.01.2014:

Um beim Segeln die Getränke immer griffbereit zu haben, habe ich diesen Getränkehalter genäht. Gleich in doppelter Ausführung, einen für die Steuerbordreling, einen für die Backbordreling. Es passen Flaschen bis ca. 1 Liter in jedes Fach. Sowohl im Mai als auch im August haben sie sich gut bewährt.

Boot Düsseldorf 2014

26.01.2014

Dieses Jahr haben wir uns zwei Tage BOOT gegönnt. Und das war genau das richtige. Wir konnten viele Vorträge anhören, Kontakte pflegen und Unmengen Boote anschauen. Natürlich haben wir uns überwiegend im Seglerbereich aufgehalten, aber auch die Besichtigung eines Katamarans, einer Motoryacht und ein Abstecher in die Hallen rund ums Tauchen und Unterwasserfotografie waren ohne Stress drin.

Ein Schlafsack für das Navigationsbesteck

04.01.2014

Damit die Navigationslineale nicht zerkratzen und der Zirkel auch nach dem Segeln noch gerade Spitzen hat, habe ich dem Navigationsbesteck einen Schlafsack genäht.

hier finden Zirkel und Lineale ein Zuhause
Navigationsbesteck
Rückseite